Gig-Worker

Gig-Worker

Gig-Worker sind Menschen, die einzelne kurze Aufträge über eine Internet-Plattform annehmen, statt fest bei einer Firma angestellt zu sein. Sie fahren Essen aus, erledigen Fahrdienste oder bearbeiten am Bildschirm kleine digitale Aufgaben – bezahlt wird pro erledigtem Auftrag.

Ein Gig-Worker arbeitet nicht in einem festen Job mit Monatsgehalt, sondern nimmt einzelne kleine Aufträge an. Das Wort « Gig » kommt aus der Musik und bezeichnet dort einen einzelnen Auftritt. Vermittelt werden diese Aufträge fast immer über eine App oder eine Internetseite, die Auftraggeber und Arbeitende zusammenbringt. Typische Beispiele sind Essenslieferungen mit dem Fahrrad, Fahrdienste mit dem eigenen Auto oder das Zusammenbauen von Möbeln bei fremden Leuten zu Hause. Bezahlt wird pro erledigtem Auftrag, nicht pro Stunde. Wer nichts annimmt, verdient nichts – dafür bestimmt man selbst, wann man die App einschaltet.

Zwischen Selbstständigkeit und Angestelltendasein

Der entscheidende Punkt ist der rechtliche Status. Die meisten Plattformen behandeln ihre Gig-Worker als Selbstständige, also als eigene kleine Unternehmer. Das hat Folgen: Es gibt keinen bezahlten Urlaub, keine Lohnfortzahlung bei Krankheit und keinen Mindestlohn im üblichen Sinn. Auch die Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung muss man selbst zahlen.

Gewerkschaften und Gerichte sehen das oft anders. Ihr Argument: Wer genau vorgeschrieben bekommt, welche Route er fährt und wie schnell er sein muss, ist in Wahrheit ein Angestellter. In mehreren Ländern haben Gerichte deshalb entschieden, dass bestimmte Fahrer als Beschäftigte gelten. Die EU hat 2024 eine Plattformarbeits-Richtlinie beschlossen, die es Plattformen erschwert, Mitarbeitende pauschal als selbstständig einzustufen.

Wirtschaftlich ist das Thema groß. Millionen Menschen in Europa verdienen ihr Geld ganz oder teilweise so. Für Anleger ist es zusätzlich interessant, weil Firmen wie Uber oder Delivery Hero an der Börse notiert sind. Müssten sie ihre Fahrer plötzlich fest anstellen, würden ihre Kosten deutlich steigen.

Der Algorithmus als Vorgesetzter

Das Besondere an dieser Arbeitsform ist, dass kein Mensch die Aufträge verteilt. Das übernimmt ein Algorithmus, also eine feste Rechenvorschrift in der Software der Plattform. Er weiß, wo sich jeder Fahrer gerade befindet, wie viele Bestellungen offen sind und wie gut jemand bisher bewertet wurde. Daraus berechnet er in Sekundenbruchteilen, wer welchen Auftrag angeboten bekommt.

Fachleute nennen das algorithmisches Management. Die Software übernimmt Aufgaben, die früher ein Schichtleiter erledigt hat: Aufträge zuteilen, Leistung messen, im Extremfall den Zugang zur App sperren. Auch der Preis ist oft nicht fest. Bei starker Nachfrage steigen die Beträge automatisch an, damit mehr Leute online gehen – dieses Prinzip heißt Surge Pricing.

Ein häufiger Irrtum ist, dass hinter jeder solchen Entscheidung eine hochentwickelte künstliche Intelligenz steckt. Vieles sind schlichte Regeln und Optimierungsverfahren. Kritisch bleibt trotzdem die Undurchsichtigkeit: Wer schlechte Aufträge bekommt, erfährt meist nicht warum. Deshalb schreiben neue Gesetze vor, dass wichtige automatische Entscheidungen von einem Menschen überprüfbar sein müssen.

Von der Essenslieferung bis zum Training von Chatbots

Am sichtbarsten sind Gig-Worker auf der Straße: Fahrradkuriere mit großen Rucksäcken, Fahrdienste, Paketzusteller. Daneben gibt es aber eine ganze Welt digitaler Kleinstaufträge, die niemand sieht. Auf Plattformen wie Amazon Mechanical Turk oder Clickworker beschriften Menschen Bilder, prüfen Texte oder sortieren Datensätze. Solche Aufträge dauern manchmal nur wenige Minuten und bringen Centbeträge.

Genau hier berührt das Thema die KI-Branche direkt. Damit ein Sprachmodell höfliche und brauchbare Antworten gibt, bewerten Menschen tausende Beispielantworten. Auch Inhalte, die eine KI nicht produzieren soll, müssen zuvor von Menschen markiert werden. Ein großer Teil dieser Arbeit wird über Plattformen in Länder mit niedrigen Löhnen vergeben, etwa nach Kenia oder auf die Philippinen. Berichte über Bezahlung und belastende Inhalte dieser Arbeit tauchen regelmäßig in den Nachrichten auf.

In Wirtschaftsmeldungen begegnet dir der Begriff meist in drei Zusammenhängen: bei Gerichtsurteilen zum Arbeitsstatus, bei Streiks von Lieferdiensten und bei Quartalszahlen der Plattformkonzerne. Abzugrenzen ist der Gig-Worker vom klassischen Freiberufler, der seine Kunden selbst sucht und seine Preise selbst festlegt. Und vom Minijobber, der zwar wenig verdient, aber regulär angestellt ist.

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