
Dotcom-Blase
Die Dotcom-Blase bezeichnet den übertriebenen Kursanstieg von Internetfirmen zwischen etwa 1995 und 2000 und den anschließenden Absturz. Sie gilt heute als Standardvergleich, wenn über eine mögliche Überhitzung bei KI-Aktien diskutiert wird.
Ende der 1990er Jahre wurde das Internet für Privatleute zum Massenmedium. Viele Anleger glaubten, dass jede Firma mit einer Internetadresse bald enorme Gewinne machen würde. Sie kauften deshalb Anteile an solchen Firmen zu immer höheren Preisen. Die Endung « .com » in der Webadresse gab dieser Zeit ihren Namen. Zwischen 1995 und März 2000 vervielfachten sich die Kurse dieser Unternehmen, obwohl viele von ihnen nie einen Euro verdient hatten. Ab März 2000 kippte die Stimmung, die Kurse brachen ein, und hunderte dieser Firmen verschwanden innerhalb von zwei Jahren.
Was der Absturz von 2000 gekostet hat
Der Schaden war größer als bei einem normalen Kursrückgang. Der US-Index Nasdaq, in dem vor allem Technologiefirmen gelistet sind, verlor von seinem Höchststand bis Herbst 2002 rund 78 Prozent seines Wertes. Rechnerisch lösten sich mehrere Billionen Dollar auf. Wer 2000 am Höchststand gekauft hatte, musste bis 2015 warten, bis der Index dieses Niveau wieder erreichte.
Betroffen waren nicht nur Profis. In Deutschland hatten Millionen Kleinanleger erstmals Aktien gekauft, oft am sogenannten Neuen Markt, einem eigenen Börsensegment für junge Technologiefirmen. Dieses Segment verlor über 95 Prozent und wurde 2003 komplett geschlossen. Viele Menschen mieden Aktien danach jahrzehntelang.
Wichtig ist aber die andere Hälfte der Geschichte. Das Internet war keine Illusion, es hat die Wirtschaft tatsächlich umgebaut. Amazon fiel um mehr als 90 Prozent und ist heute einer der wertvollsten Konzerne der Welt. Die Technologie war richtig, nur der Zeitplan und die Preise waren falsch.
Wie sich eine Blase aufbläht
Eine Spekulationsblase entsteht, wenn Preise nicht mehr an der tatsächlichen Ertragskraft eines Unternehmens hängen, sondern an der Erwartung, es später teurer weiterverkaufen zu können. Solange genug Käufer nachrücken, bestätigt sich diese Erwartung selbst. Steigende Kurse gelten dann als Beweis, dass die Sache funktioniert. Das zieht weitere Käufer an, und der Kreis dreht sich schneller.
In der Dotcom-Zeit kamen mehrere Verstärker zusammen. Geld war durch niedrige Zinsen billig zu leihen. Firmen gingen schon wenige Monate nach der Gründung an die Börse. Und weil die Gewinne fehlten, erfand man Ersatzkennzahlen, etwa die Zahl der Seitenaufrufe pro Monat. So ließ sich Wachstum zeigen, auch wenn kein Geld hereinkam.
Das Ende kommt selten durch ein einzelnes Ereignis. Es genügt, dass der Nachschub an neuen Käufern versiegt. Dann fallen die Kurse, die Erwartung dreht sich, und alle wollen gleichzeitig verkaufen. Firmen, die von frischem Anlegergeld statt von Kunden lebten, hatten damit keine Finanzierung mehr und gingen pleite.
Der Dauervergleich in der KI-Debatte
Der Begriff taucht heute fast täglich in Wirtschaftsnachrichten auf, meist als Frage: Ist die KI-Euphorie eine neue Dotcom-Blase? Gemeint sind die stark gestiegenen Kurse von Firmen wie Nvidia, das Chips für KI-Rechenzentren herstellt, und die Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren. Kritiker verweisen auf Start-ups mit hohen Bewertungen und geringen Einnahmen. Das erinnert sie an 1999.
Die Gegenseite hält fest, dass die großen KI-Käufer heute sehr profitable Konzerne sind. Microsoft, Google und Amazon bezahlen ihre Rechenzentren aus laufenden Gewinnen, nicht aus geliehenem Geld von Börsenneulingen. Das ist ein echter Unterschied zu 1999. Wer die Blasenfrage stellt, sollte also nicht nur auf die Kurse schauen, sondern darauf, woher das investierte Geld kommt.
Ein häufiger Irrtum ist, eine Blase mit einem Schwindel zu verwechseln. Bei einer Blase sind die Preise überhöht, die Technik dahinter kann trotzdem echt und wichtig sein. Genau das macht den Vergleich für Anleger so unbequem: Er sagt nichts darüber, ob KI sich durchsetzt, sondern nur darüber, ob die heutigen Preise dazu passen.