Optionsschein

Optionsschein

Ein Optionsschein ist ein handelbares Wertpapier, das seinem Besitzer das Recht gibt, etwas später zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Sein Wert hängt vom Kurs eines anderen Guts ab, etwa einer Aktie — und er kann komplett wertlos verfallen.

Ein Optionsschein ist ein Wertpapier, das man an der Börse kaufen und verkaufen kann. Er verbrieft ein Recht: Der Besitzer darf ein bestimmtes Gut später zu einem heute festgelegten Preis kaufen oder verkaufen. Dieses Gut ist meist eine Aktie, kann aber auch Gold, Öl oder eine Währung sein. Wichtig ist das Wort « darf »: Der Besitzer muss nicht, er kann das Recht auch einfach verfallen lassen. Der Preis des Optionsscheins selbst ist deutlich kleiner als der Preis der Aktie, auf die er sich bezieht. Ausgegeben werden solche Papiere von Banken, die damit Geld verdienen.

Der Hebel und das Risiko des Totalverlusts

Optionsscheine sind interessant, weil sie einen sogenannten Hebel haben. Steigt die zugrunde liegende Aktie um zehn Prozent, kann der Optionsschein um hundert Prozent steigen. Der Grund ist einfach: Man hat viel weniger Geld eingesetzt, profitiert aber von der vollen Kursbewegung. Mit kleinem Einsatz lässt sich also auf große Bewegungen setzen.

Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen. Fällt die Aktie, verliert der Optionsschein überproportional an Wert. Und wenn das Recht am Ende nichts mehr wert ist, verfällt der Schein wertlos. Der Käufer verliert dann seinen kompletten Einsatz, nicht nur einen Teil davon. Anders als bei einer Aktie gibt es keinen Restwert, auf dessen Erholung man warten könnte.

Deshalb gelten Optionsscheine als hochspekulativ. In Deutschland müssen Banken Kunden vor dem Kauf ausdrücklich über dieses Risiko aufklären. Ein zweiter Anwendungsfall ist die Absicherung: Wer viele Aktien besitzt, kann mit einem Optionsschein auf fallende Kurse Verluste abfedern. Das funktioniert ähnlich wie eine Versicherung, die man in guten Zeiten bezahlt und hoffentlich nie braucht.

Basispreis, Laufzeit und Zeitwert

Drei Angaben bestimmen jeden Optionsschein. Der Basispreis ist der Preis, zu dem gekauft oder verkauft werden darf. Die Laufzeit legt fest, bis wann das Recht gilt. Und das Bezugsverhältnis sagt, auf wie viele Aktien sich ein Schein bezieht — oft ist es ein Zehntel oder ein Hundertstel.

Ein Beispiel macht das greifbar. Eine Aktie steht bei 100 Euro. Ein Call-Optionsschein erlaubt den Kauf zu einem Basispreis von 110 Euro und läuft ein Jahr. Steigt die Aktie in dieser Zeit auf 130 Euro, ist das Recht 20 Euro wert. Bleibt sie unter 110 Euro, ist es wertlos, denn niemand kauft freiwillig teurer als am Markt.

Ein Optionsschein hat aber auch dann einen Preis, wenn er gerade wertlos wäre. Diesen Aufschlag nennt man Zeitwert. Er steht für die Chance, dass sich der Kurs bis zum Ende noch bewegt. Der Zeitwert schrumpft mit jedem Tag und ist am Ende der Laufzeit null. Ein Optionsschein verliert also selbst dann an Wert, wenn sich am Aktienkurs gar nichts ändert.

Optionsscheine im Depot und in den Wirtschaftsnachrichten

In Deutschland sind Optionsscheine ein Massenprodukt. Große Banken geben hunderttausende verschiedene Varianten aus, die über normale Online-Depots handelbar sind. Sie tauchen dort neben Aktien und Fonds auf, allerdings meist erst nach einer zusätzlichen Risikofreigabe. Verwandt sind Zertifikate und Knock-out-Produkte, die nach ähnlichem Prinzip funktionieren, aber andere Details haben.

In Nachrichten begegnet der Begriff oft im Zusammenhang mit Mitarbeiterbeteiligungen. Vor allem Tech-Unternehmen zahlen Beschäftigten Rechte auf eigene Aktien aus. Auch bei Firmenübernahmen und Börsengängen werden solche Rechte an Investoren vergeben. Im Englischen heißen sie dann meist Warrants.

Ein häufiger Irrtum: Optionsschein und Option sind nicht dasselbe. Eine Option ist ein standardisierter Vertrag, der an speziellen Terminbörsen gehandelt wird. Ein Optionsschein dagegen ist ein Wertpapier, das eine einzelne Bank ausgibt und dessen Bedingungen sie selbst festlegt. Geht diese Bank pleite, ist der Schein wertlos, egal wie gut die Wette lief.

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