
OpenClaw
OpenClaw ist ein quelloffener digitaler Assistent, der auf dem eigenen Rechner läuft und dort selbstständig Aufgaben erledigt – etwa Nachrichten beantworten oder Termine eintragen. Das Projekt wurde ab Ende 2025 sehr schnell bekannt, geriet aber wegen Sicherheitslücken auch in die Kritik.
OpenClaw ist ein Programm, das man selbst auf einem Computer installiert. Es nimmt Anweisungen in normaler Sprache an, zum Beispiel: « Sag Anna ab und verschieb den Termin auf Freitag. » Danach handelt es weitgehend allein, statt nur eine Antwort auszugeben. Es kann dazu Nachrichten verschicken, im Kalender schreiben, Dateien öffnen oder Webseiten aufrufen. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar, jeder darf ihn lesen, ändern und weitergeben. Genau das unterscheidet OpenClaw von Assistenten großer Konzerne, die als geschlossene Dienste auf fremden Servern laufen.
Warum ein Assistent auf dem eigenen Rechner Aufsehen erregt
Die meisten bekannten KI-Assistenten sind Chatfenster. Man stellt eine Frage und bekommt Text zurück. OpenClaw geht einen Schritt weiter: es darf Dinge tatsächlich tun. Fachleute nennen solche Systeme Agenten, also Programme, die eigene Handlungsschritte planen und ausführen. Genau dieser Sprung von « antworten » zu « handeln » gilt derzeit als der spannendste Bereich der KI-Branche.
Dazu kommt der Kontrollaspekt. Weil das Programm lokal läuft, bleiben viele Daten auf dem eigenen Gerät. Bastler, Entwickler und datenschutzbewusste Firmen finden das attraktiv. Innerhalb weniger Wochen bekam das Projekt auf der Entwicklerplattform GitHub Zehntausende Sterne, also öffentliche Lesezeichen von Interessierten. Für ein Freizeitprojekt ohne Werbebudget ist das ungewöhnlich viel.
Die Kehrseite wurde ebenso schnell sichtbar. Ein Programm, das Nachrichten senden und Dateien lesen darf, ist ein attraktives Ziel für Angreifer. Sicherheitsforscher fanden bei früheren Versionen offene Zugänge und schlecht abgesicherte Einstellungen. OpenClaw wurde damit zum Lehrbeispiel dafür, dass handlungsfähige KI neue Risiken schafft.
Router, Werkzeuge und Erinnerungen: der Aufbau
OpenClaw denkt nicht selbst. Es schickt deine Anweisung an ein großes Sprachmodell, also an eine KI, die aus riesigen Textmengen gelernt hat, Sprache fortzusetzen. Welches Modell das ist, kann man einstellen. OpenClaw ist also eher der Geschäftsführer als der Kopf: es organisiert, delegiert und führt aus.
Damit Handeln möglich wird, hat das Programm sogenannte Werkzeuge. Ein Werkzeug ist eine feste Funktion, etwa « Nachricht senden » oder « Datei lesen ». Das Sprachmodell entscheidet, welches Werkzeug zum Auftrag passt, und OpenClaw ruft es auf. Ein Notizspeicher hält außerdem fest, was schon besprochen wurde. So weiß der Assistent beim nächsten Mal noch, wer Anna ist.
Bedient wird OpenClaw meist über gewöhnliche Messenger. Man schreibt dem Assistenten wie einem Kontakt in WhatsApp oder Telegram, während das Programm zu Hause auf einem kleinen Server läuft. Hier liegt auch die größte Gefahr: Wenn eine fremde Nachricht Anweisungen enthält, kann das Modell sie für einen echten Auftrag halten. Fachleute nennen das Prompt Injection, also das Einschmuggeln von Befehlen über harmlos wirkende Texte.
OpenClaw in den Schlagzeilen und im Alltag
In Tech-Nachrichten taucht der Name meist in zwei Zusammenhängen auf. Erstens als Beweis, dass Open-Source-Projekte mit Produkten großer Anbieter mithalten können. Zweitens als Warnbeispiel in Berichten über Sicherheitslücken. Auch die Vorgeschichte wird oft erwähnt: Das Projekt hieß zunächst anders und wurde nach Markenstreitigkeiten umbenannt.
Im praktischen Einsatz nutzen ihn vor allem technisch versierte Menschen. Typische Aufgaben sind E-Mails sortieren, Termine koordinieren, Einkaufslisten pflegen oder Notizen zusammenfassen. Wer ein Smart Home besitzt, lässt darüber auch Lampen und Heizung steuern. Für die Installation braucht man allerdings Grundkenntnisse in Servern und Kommandozeile.
Für Anlegerinnen und Anleger ist OpenClaw interessant als Signal, nicht als Produkt. Es zeigt, wohin sich die Branche bewegt: weg von Chatfenstern, hin zu Software, die Aufgaben abschließt. Ein häufiger Irrtum ist übrigens, OpenClaw sei selbst eine KI. Es ist eine Hülle, die fremde Modelle nutzbar macht – und genau darin liegt sein Reiz.