
Open Source
Open Source bedeutet, dass der Bauplan eines Programms öffentlich einsehbar ist und von jedem genutzt, verändert und weitergegeben werden darf. In der KI-Branche ist der Begriff umstritten, weil viele "offene" Modelle nur teilweise offenliegen.
Jedes Programm besteht aus Text, den Menschen geschrieben haben: einer langen Liste von Anweisungen, die dem Computer sagen, was er tun soll. Diesen Text nennt man Quellcode. Bei den meisten kommerziellen Programmen bleibt er ein Geheimnis der Firma. Man kann das Programm benutzen, aber nicht hineinschauen. Open Source ist das Gegenteil: der Quellcode ist öffentlich, und eine Lizenz erlaubt ausdrücklich, ihn zu lesen, zu verändern und weiterzugeben. Bekannte Beispiele sind das Betriebssystem Linux, der Browser Firefox und die Verschlüsselungstechnik hinter fast jeder Webseite.
Warum halbe Welt auf fremdem Code läuft
Offener Code spart enorm viel doppelte Arbeit. Niemand muss eine Funktion neu erfinden, die schon zehntausendmal geschrieben wurde. Deshalb bauen Firmen ihre Produkte auf offenen Bausteinen auf, die andere gepflegt haben. Schätzungen zufolge enthalten fast alle kommerziellen Programme heute Open-Source-Anteile.
Ein zweiter Vorteil ist die Kontrolle. Weil jeder hineinschauen kann, lassen sich Fehler und versteckte Funktionen leichter finden. Behörden und Krankenhäuser setzen deshalb gern auf offene Software: sie wollen nicht von einer einzigen Firma abhängig sein. Wenn ein Anbieter die Preise erhöht oder ein Produkt einstellt, kann man den Code selbst weiterpflegen.
Der Vorteil ist aber kein Automatismus. « Jeder könnte hineinschauen » heißt nicht, dass es jemand tut. 2014 steckte in einer weit verbreiteten Verschlüsselungsbibliothek jahrelang ein schwerer Fehler, obwohl der Code offen war. Gepflegt wird ein Projekt nur, wenn genug Leute Zeit dafür haben.
Lizenzen, Forks und wer mitentscheidet
Das Herzstück von Open Source ist nicht der Code, sondern die Lizenz. Sie ist ein Rechtstext, der festlegt, was Nutzer dürfen. Freizügige Lizenzen erlauben fast alles, auch den Einbau in bezahlte Produkte. Strengere Lizenzen verlangen, dass jede veränderte Version wieder offen bleibt. Wer sich nicht daran hält, verletzt das Urheberrecht.
Die Entwicklung läuft meist über öffentliche Plattformen wie GitHub. Dort liegt der Code, dort werden Fehler gemeldet, dort schlagen Fremde Änderungen vor. Ein kleines Team von Betreuern entscheidet, was übernommen wird. Gefällt einer Gruppe diese Richtung nicht, kann sie eine eigene Kopie abspalten und getrennt weiterentwickeln. Das nennt man einen Fork.
Wichtig ist die Abgrenzung zu « kostenlos ». Viele Apps sind gratis, aber ihr Code bleibt geheim. Umgekehrt darf man Open-Source-Software auch verkaufen. Große Firmen verdienen ihr Geld damit, offene Software zu betreiben, zu warten und Support dafür anzubieten.
Der Streit um offene KI-Modelle
In den KI-Nachrichten fällt der Begriff fast täglich. Modelle wie Llama von Meta, Mistral oder DeepSeek werden als offen beworben. Man kann sie herunterladen und auf eigenen Rechnern laufen lassen, statt Anfragen an einen fremden Server zu schicken. Für Unternehmen mit sensiblen Daten ist das ein starkes Argument.
Fachleute streiten allerdings, ob das wirklich Open Source ist. Veröffentlicht werden meist nur die fertigen Zahlenwerte des trainierten Modells, die sogenannten Gewichte. Die Trainingsdaten und der genaue Trainingsablauf bleiben oft geheim. Man bekommt also den Kuchen, nicht das Rezept. Manche Lizenzen verbieten außerdem bestimmte Nutzungen oder große kommerzielle Anbieter, was klassischen Open-Source-Regeln widerspricht. Genauer wäre der Begriff « offene Gewichte ».
Wirtschaftlich ist das eine Machtfrage. Offene Modelle drücken die Preise für geschlossene Dienste und verschieben Marktanteile. Auch Gesetze knüpfen daran an: der KI-Rechtsrahmen der EU sieht für frei verfügbare Modelle teils andere Pflichten vor als für geschlossene. Wer Meldungen über « Open-Source-KI » liest, sollte deshalb prüfen, was genau offengelegt wurde.