
Warrant
Ein Warrant ist ein handelbares Wertpapier, das seinem Besitzer das Recht gibt, eine Aktie oder einen anderen Basiswert später zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Weil man dafür nur einen Bruchteil des Aktienpreises zahlt, wirken Kursbewegungen stark verstärkt – in beide Richtungen.
Ein Warrant ist ein Wertpapier, das ein Recht verbrieft, aber keine Pflicht. Wer einen Warrant besitzt, darf eine bestimmte Sache – etwa eine Aktie – zu einem im Voraus festgelegten Preis kaufen oder verkaufen. Dieses Recht gilt nur bis zu einem festen Stichtag, danach verfällt es. Der deutsche Name dafür ist Optionsschein. Man kauft also nicht die Aktie selbst, sondern nur die Möglichkeit, sie zu einem bestimmten Preis zu bekommen. Diese Möglichkeit kostet deutlich weniger als die Aktie – und genau daraus entsteht der Reiz und das Risiko.
Der Hebel: warum kleine Kursbewegungen groß wirken
Ein Rechenbeispiel macht das Prinzip greifbar. Eine Aktie kostet 100 Euro. Ein Warrant gibt dir das Recht, sie für 100 Euro zu kaufen, und kostet 5 Euro. Steigt die Aktie auf 110 Euro, ist dein Recht plötzlich 10 Euro wert. Die Aktie hat 10 Prozent zugelegt, dein Warrant rund 100 Prozent. Diesen Verstärkungseffekt nennt man Hebel.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen, und das wird oft unterschätzt. Bleibt die Aktie bei 100 Euro oder fällt sie, ist das Recht am Stichtag wertlos. Niemand kauft für 100 Euro, was an der Börse 90 Euro kostet. Die eingesetzten 5 Euro sind dann komplett weg – nicht nur teilweise. Bei einer Aktie verliert man selten alles, bei einem Warrant passiert das regelmäßig.
Deshalb gelten Warrants als Instrument für erfahrene Anleger und nicht als Baustein fürs Sparen. Aufsichtsbehörden verlangen von Banken, dass sie Kunden vor dem Kauf ausdrücklich über das Totalverlustrisiko aufklären. Professionelle Investoren nutzen Warrants außerdem zur Absicherung: Wer viele Aktien besitzt, kann sich mit einem Verkaufsrecht gegen fallende Kurse schützen.
Was den Preis eines Optionsscheins bestimmt
Der Preis setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der innere Wert ist das, was das Recht sofort einbringen würde. Liegt die Aktie bei 110 Euro und der festgelegte Preis bei 100 Euro, beträgt der innere Wert 10 Euro. Steht die Aktie unter dem festgelegten Preis, ist der innere Wert null. Der zweite Teil heißt Zeitwert.
Der Zeitwert bezahlt die Hoffnung, dass sich der Kurs bis zum Stichtag noch bewegt. Je länger die Restlaufzeit, desto mehr ist diese Hoffnung wert. Je stärker der Kurs des Basiswerts üblicherweise schwankt, desto teurer wird der Warrant ebenfalls. Diese Schwankungsfreude nennt man Volatilität. Mit jedem Tag, der vergeht, schmilzt der Zeitwert – am Stichtag ist er null.
Wichtig ist die Abgrenzung zu einer Option an der Terminbörse. Eine Option ist ein standardisierter Vertrag zwischen zwei Marktteilnehmern. Ein Warrant ist dagegen ein Wertpapier, das eine Bank ausgibt und dessen Bedingungen sie selbst festlegt. Der Käufer trägt damit auch das Risiko, dass diese Bank zahlungsunfähig wird. Genau das geschah 2008 mit Zertifikaten der Bank Lehman Brothers.
Warrants in Börsennachrichten und bei Tech-Firmen
In Deutschland werden Optionsscheine vor allem über die Börsen Stuttgart und Frankfurt gehandelt. Banken wie die Société Générale oder die DZ Bank geben laufend tausende neue Scheine aus, auf Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen. In Kurslisten erkennt man sie an Angaben wie « Call » für ein Kaufrecht und « Put » für ein Verkaufsrecht.
Interessant wird der Begriff auch in Tech-News. Wenn ein Start-up über eine sogenannte SPAC-Fusion an die Börse geht, erhalten frühe Geldgeber oft Warrants als Zugabe. Sie dürfen dann später Aktien zu einem festen Preis kaufen. Auch große Konzerne sichern sich so Anteile an Partnern, ohne sofort viel Geld zu binden.
Für Nutzer der Börsen-Apps sind Warrants deshalb allgegenwärtig, aber selten harmlos. Ein typischer Irrtum lautet: Ein Warrant sei einfach eine günstigere Aktie. Das stimmt nicht. Er ist ein Recht mit Verfallsdatum, dessen Wert auch dann sinken kann, wenn sich der Aktienkurs überhaupt nicht bewegt.