Wright's Law

Wright's Law besagt: Jedes Mal, wenn sich die insgesamt produzierte Menge eines Produkts verdoppelt, sinken die Stückkosten um einen festen Prozentsatz. Die Regel stammt aus dem Flugzeugbau von 1936 und wird heute genutzt, um Preisentwicklungen bei Batterien, Solarzellen und Computerchips vorherzusagen.

Wright’s Law ist eine Faustregel darüber, wie Herstellungskosten mit der Zeit fallen. Sie sagt: Wer doppelt so viel von einem Produkt hergestellt hat wie vorher, kann jedes einzelne Stück um einen festen Prozentsatz billiger produzieren. Dieser Prozentsatz ist für jedes Produkt anders, bleibt aber über lange Zeiträume erstaunlich stabil. Bei Batterien für Elektroautos liegt er grob bei 18 bis 20 Prozent pro Verdopplung. Entscheidend ist dabei nicht, wie viele Jahre vergangen sind, sondern wie viele Stücke insgesamt gebaut wurden. Ein Produkt, das kaum jemand kauft, wird also auch nach Jahrzehnten nicht billiger.

Warum Investoren auf die Stückzahlen schauen

Die Regel dreht eine übliche Denkweise um. Normalerweise fragt man: Wird ein Produkt billig genug, damit es viele Leute kaufen? Wright’s Law sagt: Es wird nur dann billig, wenn es vorher schon viele Leute gekauft haben. Nachfrage und Preisverfall verstärken sich also gegenseitig.

Das erklärt, warum manche Technologien plötzlich durchstarten. Solarzellen waren jahrzehntelang eine teure Nische. Weil Länder wie Deutschland und später China trotzdem massiv Anlagen bauten, wuchs die produzierte Gesamtmenge stark. Der Preis pro Watt Solarstrom fiel dadurch seit 1976 um mehr als 99 Prozent. Ohne diese anfänglichen, wirtschaftlich unvernünftigen Käufe wäre das nicht passiert.

Für Anleger ist die Regel ein Werkzeug für Prognosen. Wer schätzen kann, wie viele Elektroautos in den nächsten Jahren gebaut werden, kann daraus einen ungefähren Batteriepreis ableiten. Fonds wie ARK Invest haben ihre bekanntesten Vorhersagen genau so gerechnet. Man sollte aber wissen: Solche Prognosen sind Hochrechnungen, keine Naturgesetze.

Was hinter dem festen Prozentsatz steckt

Der Effekt hat keine einzelne Ursache, sondern viele kleine. Arbeiter werden schneller, weil sie denselben Handgriff tausendfach wiederholt haben. Ingenieure erkennen, welche Bauteile man weglassen oder vereinfachen kann. Bei großen Mengen lohnt es sich außerdem, Maschinen zu kaufen, die einen Arbeitsschritt automatisieren. Und wer viel einkauft, bekommt Rohstoffe günstiger.

Wichtig ist die Rechenweise. Der Preisrückgang ist prozentual, nicht in festen Eurobeträgen. Die erste Verdopplung von tausend auf zweitausend Stück bringt genauso viel Ersparnis in Prozent wie später der Sprung von einer Million auf zwei Millionen. Weil Verdopplungen bei großen Zahlen immer länger dauern, wird der Preisverfall mit der Zeit langsamer sichtbar.

Oft wird Wright’s Law mit Moore’s Law verwechselt. Moore’s Law beschreibt, dass sich die Zahl der Bauteile auf einem Computerchip etwa alle zwei Jahre verdoppelt — es hängt also an der Zeit. Wright’s Law hängt an der Menge. Untersuchungen von Forschern der Universität Oxford und des MIT haben mehr als sechzig Technologien verglichen. Dabei sagte die Mengen-Version die tatsächlichen Preise meist genauer voraus als die Zeit-Version.

Von Flugzeugrümpfen zu Rechenzentren

Der Namensgeber ist der Ingenieur Theodore Wright. Er stellte 1936 fest, dass der Bau eines Flugzeugrumpfs bei jeder Verdopplung der Produktion rund 15 Prozent weniger Arbeitszeit kostete. Später fand man denselben Zusammenhang bei Windrädern, LED-Lampen, DNA-Analysen und Fernsehern.

In aktuellen Nachrichten taucht die Regel vor allem bei Elektroautos und Speicherbatterien auf. Wenn eine Firma ankündigt, eine riesige Fabrik zu bauen, geht es selten nur um Umsatz. Es geht darum, die eigene Gesamtproduktion schneller zu verdoppeln als die Konkurrenz und dadurch dauerhaft billiger zu werden.

Auch in der KI-Branche wird so argumentiert. Die Kosten dafür, ein Sprachmodell eine Frage beantworten zu lassen, sind in wenigen Jahren dramatisch gefallen. Ein typischer Irrtum ist allerdings, die Regel für garantiert zu halten. Sie beschreibt nur, was passiert, solange Fabriken wachsen und Ingenieure Verbesserungen finden. Knappe Rohstoffe, physikalische Grenzen oder ein Einbruch der Nachfrage können den Trend jederzeit stoppen.

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