
Leveraged ETF
Ein Leveraged ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der die tägliche Bewegung eines Marktes verdoppelt oder verdreifacht. Steigt der Markt an einem Tag um 1 Prozent, legt ein 2x-Produkt rund 2 Prozent zu — fällt er, verliert es genauso stark.
Ein Fonds ist ein gemeinsamer Geldtopf vieler Anleger, aus dem Wertpapiere gekauft werden. Manche dieser Töpfe kann man wie eine Aktie an der Börse handeln, sie heißen deshalb ETF. Die meisten ETFs bilden einfach einen Markt nach, etwa die 500 größten US-Unternehmen. Ein Leveraged ETF geht einen Schritt weiter: Er verstärkt die Bewegung dieses Marktes um einen festen Faktor, meist das Doppelte oder Dreifache. Bewegt sich der Markt an einem Tag um 1 Prozent nach oben, steigt ein Produkt mit Faktor 2 um etwa 2 Prozent. Nach unten funktioniert die Verstärkung genauso — die Verluste sind ebenfalls doppelt so groß.
Warum Anleger den Hebel suchen — und ihn oft unterschätzen
Der Reiz ist offensichtlich: mit wenig Geld eine große Wirkung erzielen. Wer glaubt, dass ein Markt in den nächsten Tagen steigt, verdient mit dem doppelten Hebel doppelt so viel. Solche Produkte sind an der Börse frei handelbar, es braucht kein spezielles Konto und keine Kreditvereinbarung mit der Bank. Genau diese leichte Verfügbarkeit macht sie bei Privatanlegern beliebt.
Das Problem steckt im Wort « täglich ». Der Hebel gilt immer nur für einen einzelnen Handelstag, nicht für längere Zeiträume. Über Wochen laufen gehebelte Produkte deshalb systematisch anders als der zugrunde liegende Markt. Fachleute nennen diesen Effekt Pfadabhängigkeit: Nicht nur das Endergebnis zählt, sondern auch der Weg dorthin.
Ein Rechenbeispiel zeigt das deutlich. Ein Markt fällt an einem Tag um 10 Prozent und steigt am nächsten Tag um 11,1 Prozent — er steht wieder bei 100. Der 2x-ETF verliert erst 20 Prozent, steht bei 80, und gewinnt dann 22,2 Prozent. Er landet bei rund 97,8 und damit unter dem Ausgangswert. Schwankt ein Markt lange seitwärts, frisst dieser Effekt das Kapital langsam auf. Genau deshalb warnen Aufsichtsbehörden davor, solche Produkte als langfristige Geldanlage zu benutzen.
Wie der Hebel technisch entsteht
Der Fonds kauft nicht einfach doppelt so viele Aktien mit geliehenem Geld. Stattdessen arbeitet er überwiegend mit Derivaten — das sind Verträge, deren Wert von einem anderen Kurs abhängt. Üblich sind Swaps, also Tauschgeschäfte mit einer Großbank. Der Fonds vereinbart darin, die Wertentwicklung des Marktes in doppelter Höhe zu erhalten, und zahlt dafür eine Gebühr.
Entscheidend ist, was am Ende jedes Handelstags passiert. Der Fonds muss seine Position neu einstellen, damit der Hebel am nächsten Morgen wieder genau 2 beträgt. Nach einem Kursanstieg kauft er zu, nach einem Kursrutsch verkauft er. Dieses tägliche Nachjustieren heißt Rebalancing und ist der eigentliche Grund für die Pfadabhängigkeit.
Diese Mechanik kostet Geld. Zu den laufenden Verwaltungsgebühren kommen Handelskosten und die Zinsen, die im Swap eingepreist sind. Typische gehebelte ETFs verlangen deutlich mehr als ein einfacher Index-ETF, oft ein Prozent pro Jahr oder mehr. Hinzu kommt ein Ausfallrisiko: Geht die Bank auf der Gegenseite des Swaps pleite, ist der Fonds betroffen.
Nvidia, Bitcoin und die Einzelaktien-Hebelprodukte
In Finanznachrichten tauchen Leveraged ETFs meist dann auf, wenn ein Markt heftig schwankt. Bekannt sind Produkte auf den Technologieindex Nasdaq 100 mit dreifachem Hebel. In den letzten Jahren kamen Varianten auf einzelne Aktien hinzu, etwa auf Nvidia oder Tesla, sowie Produkte auf Bitcoin. Sie werden oft an einem einzigen Tag mehrfach gekauft und verkauft.
Es gibt auch die umgekehrte Richtung. Inverse ETFs steigen, wenn der Markt fällt, und in gehebelter Form doppelt oder dreifach so stark. Damit lässt sich auf sinkende Kurse setzen, ohne Aktien zu leihen. Die gleichen Zerfallseffekte gelten hier ebenfalls, oft sogar stärker.
Wichtig ist die Abgrenzung zum normalen ETF, wie man ihn im Sparplan findet. Ein einfacher Index-ETF ist als jahrzehntelange Anlage gedacht. Gehebelte Produkte sind Werkzeuge für kurze Zeiträume und für Anleger, die den Mechanismus verstehen. In der Europäischen Union müssen Anbieter deshalb in einem Informationsblatt ausdrücklich vor dem Risiko warnen. Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, ein 2x-ETF verdopple die Jahresrendite — das tut er in der Regel nicht.