
Low-Code
Low-Code bezeichnet Software, mit der man Programme überwiegend zusammenklickt statt sie Zeile für Zeile zu tippen. Nur für besondere Anforderungen schreibt man noch kleine Mengen Programmtext selbst.
Normalerweise entsteht ein Programm, indem jemand Anweisungen für den Computer als Text tippt. Diesen Text nennt man Code, und ihn zu schreiben dauert lange und muss gelernt sein. Low-Code dreht das um: Man baut ein Programm hauptsächlich mit der Maus zusammen, aus vorgefertigten Bausteinen auf einer Arbeitsfläche am Bildschirm. Ein Baustein ist zum Beispiel ein Eingabefeld, eine Tabelle oder die Regel « wenn jemand das Formular abschickt, verschicke eine E-Mail ». Selbst tippen muss man nur noch wenig, daher der Name: wenig Code. Geht es ganz ohne Tippen, spricht man von No-Code.
Warum Unternehmen darauf setzen
In fast jeder Firma gibt es mehr Ideen für nützliche kleine Programme als Menschen, die sie bauen können. Eine Urlaubsverwaltung, ein Formular für Reisekosten, eine Übersicht offener Reparaturen: Solche Werkzeuge sind technisch simpel, aber sie landen jahrelang auf der Warteliste der IT-Abteilung. Low-Code soll diesen Stau auflösen.
Der zweite Grund ist Geld. Erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler sind teuer und schwer zu finden. Wenn eine Sachbearbeiterin aus der Buchhaltung ihr Formular in zwei Tagen selbst zusammenklickt, spart das Wochen an Entwicklungszeit. Für solche Leute gibt es sogar einen Begriff: Citizen Developer, also Mitarbeitende, die programmieren, ohne Programmierer zu sein.
Ein Irrtum hält sich hartnäckig: dass Low-Code Programmierer überflüssig macht. Das stimmt nicht. Große Systeme mit Millionen Nutzern, strengen Sicherheitsanforderungen oder ungewöhnlicher Logik entstehen weiterhin klassisch. Low-Code deckt die breite Masse der kleinen Anwendungen ab, nicht die Spitze.
Bausteine, Regeln und die Grenzen der Klickerei
Eine Low-Code-Plattform besteht meist aus drei Teilen. Erstens einem Editor für die Oberfläche, in dem man Felder und Knöpfe per Drag-and-drop anordnet, also mit gedrückter Maustaste an die richtige Stelle zieht. Zweitens einem Bereich für die Daten, in dem man festlegt, welche Angaben gespeichert werden. Drittens einem Baukasten für Abläufe, in dem man Wenn-dann-Regeln aneinanderreiht.
Im Hintergrund entsteht daraus trotzdem echter Code. Die Plattform übersetzt die zusammengeklickten Bausteine automatisch in Anweisungen, die ein Server ausführen kann. Man kann sich das wie Möbel von der Stange vorstellen: Die Einzelteile sind vorgefertigt und passen nur auf bestimmte Weise zusammen. Das geht schnell, aber ein Schrank in einer krummen Dachschräge braucht weiterhin einen Tischler.
Genau an dieser Stelle kommt der kleine Rest Code ins Spiel. Für Sonderfälle lässt sich an vielen Stellen eigener Programmtext einsetzen, etwa eine ungewöhnliche Berechnung. Neuere Plattformen ergänzen das um KI: Man beschreibt in normalem Deutsch, was die Anwendung tun soll, und das System erzeugt einen ersten Entwurf. Man spricht dann von Vibe Coding, was aber nur ein Ausgangspunkt ist und geprüft werden muss.
Von Microsoft Power Apps bis zur Schatten-IT
Die bekanntesten Anbieter heißen Microsoft Power Apps, Salesforce, ServiceNow, Mendix, OutSystems, Airtable und Bubble. In Börsennachrichten taucht Low-Code regelmäßig auf, weil dieser Markt seit Jahren zweistellig wächst und die Anbieter zu den teuersten Software-Firmen überhaupt zählen. Auch Website-Baukästen wie Wix folgen im Grunde demselben Prinzip.
Im Alltag begegnet man der Idee früher, als man denkt. Wer in einer Tabellenkalkulation eine Formel schreibt oder bei einem Dienst wie IFTTT eine automatische Regel anlegt, arbeitet im Prinzip schon so. Auch viele Chatbots auf Firmenwebseiten sind zusammengeklickt und nicht ausprogrammiert.
Kritisch diskutiert wird vor allem die sogenannte Schatten-IT. Wenn Abteilungen eigenmächtig Anwendungen bauen, weiß die IT-Abteilung irgendwann nicht mehr, wo welche Daten liegen. Verlässt der Ersteller die Firma, pflegt sein Werkzeug niemand weiter. Deshalb geben größere Unternehmen klare Regeln vor, welche Daten in Low-Code-Anwendungen überhaupt verarbeitet werden dürfen.