Los Alamos National Laboratory

Los Alamos National Laboratory

Los Alamos ist ein staatliches Forschungslabor der USA in New Mexico, das im Zweiten Weltkrieg für den Bau der ersten Atombombe gegründet wurde. Heute ist es vor allem für seine riesigen Supercomputer bekannt, die inzwischen auch für Künstliche Intelligenz genutzt werden.

Los Alamos ist eine kleine Stadt im US-Bundesstaat New Mexico. Dort steht eines der größten Forschungslabore der Vereinigten Staaten. Es gehört dem Staat und wird vom US-Energieministerium bezahlt. Gegründet wurde es 1943 mitten im Zweiten Weltkrieg, um dort die erste Atombombe zu entwickeln. Dieses geheime Vorhaben trug den Namen Manhattan-Projekt. Heute arbeiten in Los Alamos rund 17.000 Menschen an sehr unterschiedlichen Themen: an Kernwaffen, an Materialien, an Klimafragen und zunehmend an Computertechnik.

Vom Bombenlabor zum Rechenzentrum

Los Alamos taucht in aktuellen Nachrichten meist aus zwei Gründen auf. Der erste ist historisch. Das Labor steht für den Moment, in dem Wissenschaftler eine Technologie schufen, deren Folgen sie selbst erschreckten. Genau dieser Vergleich wird heute oft auf Künstliche Intelligenz übertragen. Wenn Politiker ein « Manhattan-Projekt für KI » fordern, meinen sie einen staatlich finanzierten Großeinsatz mit dem besten verfügbaren Personal.

Der zweite Grund ist praktischer Natur. Los Alamos besitzt Supercomputer, also Rechner aus tausenden verbundenen Einzelmaschinen. Solche Anlagen kosten hunderte Millionen Dollar und stehen fast nur bei Staaten oder sehr großen Konzernen. Wer verstehen will, wo weltweit die stärkste Rechenleistung liegt, kommt an solchen Laboren nicht vorbei.

Hinzu kommt eine Rolle als Prüfstelle. Weil das Labor mit Kernwaffen zu tun hat, kennt es sich mit Sicherheit und Geheimhaltung aus. Deshalb wird es auch gefragt, wenn US-Behörden wissen wollen, ob ein KI-System für gefährliche Zwecke missbraucht werden könnte.

Simulation statt echtem Test

Seit 1992 führen die USA keine echten Atomwaffentests mehr durch. Trotzdem muss der Staat wissen, ob seine vorhandenen Sprengköpfe noch funktionieren. Diese Frage lässt sich nur am Computer beantworten. Man baut ein digitales Abbild der Physik und lässt den Rechner durchspielen, was bei einer Explosion passieren würde. Genau dafür wurden in Los Alamos über Jahrzehnte immer schnellere Rechner beschafft.

Diese Rechner bestehen aus Grafikprozessoren, kurz GPUs. Das sind Spezialchips, die sehr viele einfache Rechnungen gleichzeitig erledigen. Ursprünglich stammen sie aus Computerspielen. Es stellte sich heraus, dass KI-Modelle die gleiche Art von Rechnung brauchen. Dadurch eignen sich Anlagen, die für Waffensimulationen gebaut wurden, plötzlich auch für das Training von Sprachmodellen.

Ein Beispiel ist der Rechner Venado, der 2024 in Betrieb ging. Er wurde gemeinsam mit dem Chiphersteller Nvidia aufgebaut und ausdrücklich auch für KI-Forschung ausgelegt. Ein anderes Labor derselben Familie, Oak Ridge in Tennessee, betreibt mit Frontier einen der schnellsten Rechner der Welt.

Wenn der Name in Schlagzeilen steht

Im Alltag begegnet einem Los Alamos selten direkt. In Wirtschaftsnachrichten dagegen häufig. Ein typischer Anlass: Ein KI-Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic gibt eine Zusammenarbeit mit einem US-Nationallabor bekannt. Dann geht es darum, Modelle an wissenschaftlichen Aufgaben zu testen oder ihre Risiken zu prüfen.

Ein zweiter Anlass sind Chip-Aufträge. Wenn Nvidia oder AMD Hardware für ein Nationallabor liefern, ist das ein Signal für die ganze Branche. Solche Aufträge gelten als Beleg dafür, dass die Nachfrage nach Rechenleistung nicht nur aus der Privatwirtschaft kommt.

Wichtig ist eine Abgrenzung. Los Alamos ist kein Unternehmen und keine Universität. Es ist ein Auftragslabor des Staates, betrieben von einem Konsortium aus Firmen und Hochschulen. Man kann dort weder studieren noch Aktien kaufen. Der Name steht in Berichten meist stellvertretend für staatlich finanzierte Spitzenforschung und für die Frage, wie eng Militär und KI-Entwicklung zusammenrücken.

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