Secondaries

Secondaries

Secondaries sind Verkäufe von Anteilen an einem Unternehmen, die von einem bisherigen Eigentümer an einen neuen Käufer gehen — das Unternehmen selbst bekommt dabei kein Geld. Besonders bei jungen KI-Firmen, die lange nicht an die Börse gehen, sind solche Deals zur wichtigsten Möglichkeit geworden, Anteile überhaupt zu Geld zu machen.

Wer einem Unternehmen gehört, besitzt Anteile daran. Solche Anteile kann man auf zwei Wegen bekommen. Entweder gibt die Firma neue Anteile aus und bekommt dafür frisches Geld in die Kasse. Oder jemand, der schon Anteile hält, verkauft sie an einen anderen Käufer weiter. Genau dieser zweite Weg heißt Secondaries. Das Geld fließt dabei vom Käufer direkt an den bisherigen Eigentümer, nicht an die Firma. Für das Unternehmen ändert sich nur, wer in der Eigentümerliste steht.

Warum Mitarbeiter und Frühinvestoren darauf warten

Anteile an einer nicht börsennotierten Firma sind schwer verkäuflich. Es gibt keinen Marktplatz, an dem man sie einfach anbietet. Man kann sie also besitzen und trotzdem nicht davon leben. Fachleute nennen dieses Problem mangelnde Liquidität. Secondaries sind der übliche Ausweg daraus.

Betroffen sind vor allem zwei Gruppen. Mitarbeiter bekommen bei Start-ups oft einen Teil ihres Gehalts in Anteilen. Wenn die Firma zehn Jahre lang privat bleibt, haben sie auf dem Papier viel Geld und im Alltag wenig. Frühe Geldgeber stehen unter ähnlichem Druck. Sie verwalten Fonds mit fester Laufzeit und müssen ihren eigenen Anlegern irgendwann Geld zurückzahlen.

Früher löste der Börsengang dieses Problem. Firmen gingen nach etwa sechs bis acht Jahren an die Börse, und alle konnten verkaufen. Heute bleiben viele Technologiefirmen doppelt so lange privat, weil sie auch ohne Börse genug Geld von Investoren bekommen. Secondaries füllen diese Lücke. Sie sind zu einem eigenen Markt mit Milliardenvolumen geworden.

Wie so ein Anteilsverkauf abläuft

Meist organisiert das Unternehmen den Verkauf selbst. Es legt fest, wer verkaufen darf, wie viel, und zu welchem Preis. Oft läuft das als sogenanntes Tender Offer: Ein großer Investor erklärt sich bereit, Anteile zu einem festen Preis zu kaufen, und alle Berechtigten können ihre Anteile einreichen. Wird zu viel eingereicht, bekommt jeder anteilig weniger. Danach ist die Sache für ein oder zwei Jahre erledigt.

Der Preis ergibt sich fast immer aus der letzten Finanzierungsrunde. Wurde die Firma dort mit 30 Milliarden bewertet, orientiert sich der Secondary-Preis daran. Er kann aber abweichen. Käufer verlangen manchmal einen Abschlag, weil sie ein Risiko tragen und weniger Informationen haben als ein Großinvestor. Umgekehrt zahlen sie bei gefragten Firmen auch Aufschläge.

Wichtig ist der Unterschied zur Finanzierungsrunde. Bei einer Runde entstehen neue Anteile, das Unternehmen wird reicher, und die bisherigen Eigentümer besitzen prozentual etwas weniger. Bei einem Secondary entstehen keine neuen Anteile. Die Torte bleibt gleich groß, nur die Stücke wechseln den Besitzer. Ein häufiger Irrtum ist deshalb, eine große Secondary-Meldung als frisches Kapital für die Firma zu lesen.

Secondaries in den Schlagzeilen der KI-Branche

In Wirtschaftsnachrichten tauchen Secondaries fast immer bei den bekannten KI-Unternehmen auf. OpenAI, Anthropic, SpaceX oder Stripe sind Beispiele für Firmen, die extrem wertvoll sind und trotzdem nicht an der Börse gehandelt werden. Wenn dort von einer neuen Bewertung die Rede ist, steckt manchmal gar keine Finanzierungsrunde dahinter, sondern ein Anteilsverkauf von Mitarbeitern an Fonds aus Japan, dem Nahen Osten oder den USA.

Solche Deals gelten als Stimmungsbarometer. Steigt der Preis, den Käufer für Altanteile zahlen, wächst das Vertrauen in die Firma. Fällt er deutlich unter die letzte offizielle Bewertung, ist das ein Warnsignal. Journalisten beobachten diese Preise genau, weil private Firmen sonst kaum Zahlen veröffentlichen.

Für Privatanleger sind Secondaries meist nicht zugänglich. Die Mindestsummen liegen hoch, und die Unternehmen entscheiden selbst, wen sie als Eigentümer zulassen. Es gibt Plattformen und Fonds, die den Zugang öffnen wollen, doch die Gebühren sind hoch und die Informationen dünn. Wer eine solche Anlage sieht, sollte vor allem eines prüfen: ob der angesetzte Preis noch etwas mit dem tatsächlichen Wert der Firma zu tun hat.

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