Tender Offer

Tender Offer

Ein Tender Offer ist ein öffentliches Angebot, Aktien eines Unternehmens zu einem festen Preis innerhalb einer festen Frist zu kaufen. Es richtet sich an alle Anteilseigner gleichzeitig und wird häufig bei Firmenübernahmen oder bei Start-ups eingesetzt, deren Mitarbeiter Anteile zu Geld machen wollen.

Wer einen Anteil an einer Firma besitzt, hält eine Aktie. Eine Aktie ist ein kleines Stück Eigentum am Unternehmen. Bei einem Tender Offer tritt ein Käufer an alle diese Miteigentümer heran und macht ein öffentliches Angebot. Er nennt einen festen Preis pro Anteil und eine Frist, bis wann man sich entscheiden muss. Jeder Eigentümer darf selbst wählen, ob er verkauft oder behält. Der Käufer kann das Unternehmen selbst sein, ein anderer Konzern oder ein Investor.

Warum der feste Preis und die Frist so viel Druck erzeugen

Normalerweise verkauft man Anteile an der Börse, zum Preis des Augenblicks. Dieser Preis schwankt jede Sekunde. Ein Tender Offer setzt dagegen einen einzigen Preis für alle. Dieser Preis liegt fast immer über dem aktuellen Börsenkurs. Der Aufschlag heißt Prämie und beträgt oft 20 bis 40 Prozent. Ohne diesen Aufschlag hätte niemand einen Grund, das Angebot anzunehmen.

Für den Käufer ist das Verfahren der schnellste Weg zur Kontrolle. Wer mehr als die Hälfte der Anteile hält, bestimmt faktisch, was die Firma tut. Ein Tender Offer erlaubt es, diese Mehrheit einzusammeln, ohne die Firmenleitung vorher um Erlaubnis zu fragen. Genau deshalb ist es das klassische Werkzeug für eine feindliche Übernahme. Der Käufer geht dabei direkt an die Eigentümer vorbei am Vorstand.

Für die Verkäufer ist das Angebot vor allem eine Gelegenheit. In vielen Start-ups sind Mitarbeiter über Anteile beteiligt, können diese aber nirgends verkaufen. Ein Tender Offer schafft dafür ein einmaliges Zeitfenster. Aus Papierwerten wird dann echtes Geld auf dem Konto.

Der Ablauf von der Ankündigung bis zur Abrechnung

Am Anfang steht die öffentliche Ankündigung. Darin stehen der Preis, die Frist und die gewünschte Menge an Anteilen. Die Frist liegt in den USA meist bei mindestens 20 Werktagen. In dieser Zeit erklären die Eigentümer, wie viele Anteile sie abgeben wollen. Man nennt das Andienen.

Fast immer knüpft der Käufer sein Angebot an Bedingungen. Eine typische Bedingung lautet: Das Geschäft gilt nur, wenn mindestens 50 Prozent der Anteile angedient werden. Kommt diese Menge nicht zusammen, platzt der ganze Vorgang. Alle behalten dann ihre Anteile, und kein Geld fließt.

Umgekehrt kann es auch zu viele Angebote geben. Will der Käufer nur 30 Prozent, bieten ihm aber 60 Prozent ihre Anteile an, wird gekürzt. Jeder Verkäufer kommt dann anteilig zum Zug, etwa mit der Hälfte seiner angebotenen Stücke. Dieses Verfahren heißt Pro-rata-Zuteilung. Erst nach Ablauf der Frist und nach Prüfung durch die Aufsichtsbehörden wird tatsächlich abgerechnet.

Tender Offers bei OpenAI, SpaceX und in Übernahmeschlachten

In den Tech-Nachrichten taucht der Begriff vor allem bei großen, noch nicht börsennotierten Firmen auf. OpenAI, SpaceX oder Stripe organisieren regelmäßig solche Runden. Investoren kaufen dabei Anteile von Mitarbeitern und frühen Geldgebern. Der dabei vereinbarte Preis liefert auch die Schlagzeile zur Firmenbewertung. Wenn es heißt, ein Start-up sei nun 300 Milliarden Dollar wert, stammt diese Zahl oft aus genau so einem Angebot.

Der zweite Ort sind Übernahmeschlachten zwischen Konzernen. Ein bekanntes Beispiel ist Elon Musks Angebot für Twitter im Jahr 2022. Auch Microsofts Versuch, Yahoo zu kaufen, lief über ein solches Angebot. Manche Firmen wehren sich mit Gegenmaßnahmen, die den Kauf künstlich verteuern. Diese Abwehrtricks heißen im Jargon Poison Pills, also Giftpillen.

Ein häufiger Irrtum ist, ein Tender Offer sei ein Verkaufszwang. Das stimmt nicht. Niemand muss annehmen, das Angebot ist immer freiwillig. Erst wenn ein Käufer fast alle Anteile besitzt, kann er die letzten Eigentümer per Gesetz herausdrängen. Dieser Schritt ist rechtlich getrennt und heißt Squeeze-out.

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