
Take-Rate
Die Take-Rate gibt an, welchen Anteil vom Geld, das über eine Plattform fließt, die Plattform selbst als Einnahme einbehält. Sie ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um zu beurteilen, wie viel ein Marktplatz oder ein App-Store tatsächlich verdient.
Viele Internetfirmen verkaufen nichts Eigenes. Sie bringen nur zwei Seiten zusammen: jemanden, der etwas anbietet, und jemanden, der es kaufen will. Für diese Vermittlung behalten sie einen Teil des Kaufpreises ein. Genau diesen Anteil nennt man Take-Rate. Verkauft jemand über einen Onlinemarktplatz eine Jacke für 100 Euro und die Plattform behält 15 Euro davon, liegt die Take-Rate bei 15 Prozent. Der Rest geht an den Verkäufer.
Was die Take-Rate über eine Plattform verrät
Firmen wie Airbnb, Uber, Etsy oder der App-Store von Apple nennen gern große Zahlen: wie viele Milliarden Euro insgesamt über ihre Plattform umgesetzt werden. Diese Summe heißt Bruttowarenwert, auf Englisch Gross Merchandise Value. Sie klingt beeindruckend, sagt aber wenig aus. Denn das meiste Geld gehört gar nicht der Plattform, sondern den Verkäufern. Erst die Take-Rate übersetzt die große Zahl in echten Umsatz.
Deshalb schauen Investoren bei Plattform-Aktien fast immer zuerst auf diese Kennzahl. Eine steigende Take-Rate bedeutet meist: Die Plattform ist mächtig genug, um höhere Gebühren durchzusetzen. Eine fallende Take-Rate kann Preisdruck durch Konkurrenz bedeuten. Sie kann aber auch eine bewusste Strategie sein, um mehr Anbieter anzulocken.
Eine hohe Take-Rate ist allerdings nicht automatisch gut. Wer zu viel abschöpft, treibt Anbieter zur Konkurrenz oder auf die eigene Website. Genau darüber streiten Apple und große App-Entwickler seit Jahren. Die übliche Gebühr von bis zu 30 Prozent im App-Store gilt vielen als zu hoch. Regulierungsbehörden in der EU haben deshalb eingegriffen.
Wie sich der Prozentsatz zusammensetzt
Die Rechnung selbst ist simpel: Man teilt die Einnahmen der Plattform durch das gesamte Transaktionsvolumen. Bei einer Milliarde Euro Warenwert und 120 Millionen Euro Plattformumsatz sind das 12 Prozent. Schwierig ist eher die Frage, was man alles mitzählt.
Denn Plattformen verdienen selten nur an einer Vermittlungsgebühr. Dazu kommen oft Zahlungsgebühren, bezahlte Werbeplätze in der Suche, Versandpauschalen oder kostenpflichtige Zusatzdienste. Amazon zum Beispiel verlangt von Händlern eine Verkaufsprovision, verkauft ihnen aber zusätzlich Logistik und Anzeigen. Zählt man all das mit, liegt die effektive Take-Rate deutlich höher als die reine Provision.
Ein typischer Irrtum ist, die Take-Rate mit dem Gewinn zu verwechseln. Sie beschreibt nur, was oben hereinkommt. Serverkosten, Support, Betrugsprävention und Marketing werden davon noch bezahlt. Zahlungsdienstleister etwa haben Take-Rates von unter einem Prozent und verdienen trotzdem gut, weil das Volumen riesig ist.
Von Uber-Fahrten bis zu KI-Marktplätzen
In Quartalsberichten und Börsennachrichten taucht der Begriff ständig auf. Bei Lieferdiensten liegt die Take-Rate oft zwischen 20 und 30 Prozent des Bestellwerts. Bei Fahrdiensten ist es ähnlich, dort wird sie als Anteil am Fahrpreis berechnet. Klassische Handelsplattformen bewegen sich meist im niedrigen zweistelligen Bereich, Zahlungsanbieter deutlich darunter.
Auch in der KI-Branche wird die Kennzahl inzwischen wichtig. Wer einen Marktplatz für KI-Modelle, Erweiterungen oder digitale Assistenten betreibt, verdient nach demselben Prinzip. Die Diskussion darüber, wie viel Anbieter solcher Plattformen einbehalten dürfen, hat gerade erst begonnen.
Wenn du also in einer Meldung liest, ein Unternehmen habe seine Take-Rate um einen Prozentpunkt gesteigert, klingt das klein. Bei zehn Milliarden Euro Transaktionsvolumen sind das aber 100 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz. Genau deshalb reagieren Aktienkurse auf solche Nachrichten oft heftig.