
SynthID
SynthID ist eine von Google entwickelte Technik, die maschinell erzeugte Bilder, Töne, Videos und Texte mit einem unsichtbaren Erkennungszeichen versieht. Ein passendes Prüfwerkzeug kann dieses Zeichen später auslesen und so anzeigen, dass der Inhalt von einer Maschine stammt.
Computerprogramme können heute Bilder, Musik und Texte erzeugen, die von menschlicher Arbeit kaum zu unterscheiden sind. Damit stellt sich eine praktische Frage: Woran erkennt man später noch, was aus so einem Programm kam? SynthID ist Googles Antwort darauf. Es ist ein digitales Wasserzeichen, also eine versteckte Markierung, die direkt beim Erzeugen in die Datei eingebaut wird. Für Menschen ist sie unsichtbar oder unhörbar, ein spezielles Prüfprogramm findet sie aber wieder. Google setzt SynthID seit 2023 in seinen eigenen Diensten ein und hat nach eigenen Angaben inzwischen Milliarden von Inhalten damit markiert.
Warum Herkunftsnachweise plötzlich zum Thema wurden
Früher war ein Foto ein halbwegs verlässlicher Beleg dafür, dass etwas wirklich passiert ist. Diese Selbstverständlichkeit ist verschwunden. Ein überzeugend gefälschtes Bild kostet heute weder Geld noch Können. Gefälschte Aufnahmen von Politikern, erfundene Katastrophenfotos und geklonte Stimmen sind in Wahlkämpfen bereits aufgetaucht. Wenn niemand mehr unterscheiden kann, wird am Ende auch echtes Material angezweifelt.
Dazu kommt Druck von Gesetzgebern. Die KI-Verordnung der Europäischen Union verlangt, dass künstlich erzeugte Inhalte maschinenlesbar gekennzeichnet werden. Anbieter großer KI-Dienste müssen also eine technische Lösung vorweisen. SynthID ist einer der Vorschläge, wie das aussehen könnte.
Für Schulen und Universitäten klingt das nach einer bequemen Antwort auf abgeschriebene Hausaufgaben. Diese Hoffnung sollte man dämpfen. SynthID erkennt nur Inhalte, die aus Systemen kommen, die es überhaupt einbauen. Wer ein anderes Programm benutzt, hinterlässt keine Spur. Ein negatives Prüfergebnis beweist deshalb nichts.
Was genau in der Datei versteckt wird
Bei Bildern verändert SynthID einzelne Bildpunkte minimal. Die Abweichungen sind so klein, dass das Auge sie nicht bemerkt, folgen aber einem festen Muster über das gesamte Bild. Wichtig ist: Die Markierung steckt nicht in den Zusatzinformationen der Datei, die man einfach löschen könnte. Sie steckt im Bild selbst. Deshalb übersteht sie meist Zuschneiden, Komprimieren oder das Ändern von Farben.
Bei Text funktioniert es anders, weil man Buchstaben nicht ein bisschen verschieben kann. Ein Sprachmodell wählt jedes Wort aus einer Liste möglicher Fortsetzungen aus, die es mit Wahrscheinlichkeiten bewertet. SynthID verschiebt diese Bewertungen nach einem geheimen Muster leicht zugunsten bestimmter Wörter. Über einen längeren Text entsteht so eine statistische Signatur. Das Prüfprogramm rechnet nach, wie stark ein Text diesem Muster folgt.
Genau daraus ergeben sich die Grenzen. Kurze Texte enthalten zu wenige Wortentscheidungen, das Signal wird zu schwach. Wer den Text stark umschreibt oder durch ein Übersetzungsprogramm schickt, zerstört das Muster oft. Und das Ergebnis ist nie ein Ja oder Nein, sondern eine Wahrscheinlichkeit.
SynthID in Googles Produkten und in der Debatte
Alle Bilder aus Googles Bildgenerator Imagen und aus dem Videomodell Veo werden markiert, ebenso Musik aus dem Tonmodell Lyria. Auch Antworten des Chatbots Gemini tragen die Textmarkierung. In der Google-Bildersuche gibt es die Funktion 'Über dieses Bild', die anzeigt, wenn ein Bild eine SynthID-Kennzeichnung enthält. Seit 2025 kann man Dateien auch selbst in einem Prüfportal hochladen.
In Nachrichten taucht SynthID meist im Zusammenhang mit Deepfakes auf, also täuschend echten Fälschungen von Personen. Google hat Teile der Technik als offenen Quellcode veröffentlicht, damit andere Firmen sie übernehmen können. Parallel arbeitet ein Industriebündnis namens C2PA an einem anderen Weg: Dort werden Herkunftsdaten als eine Art digitaler Beipackzettel an die Datei gehängt. Beide Ansätze schließen sich nicht aus und werden teilweise kombiniert.
Ein verbreiteter Irrtum ist, SynthID sei ein Detektor für KI-Inhalte allgemein. Das ist es nicht. Es ist ein Nachweis für Inhalte aus bestimmten Systemen, vergleichbar mit dem Wasserzeichen in einem Geldschein. Es zeigt, dass ein Schein echt ist, aber es verrät nichts über Zettel aus einer fremden Druckerei.