Ablaufskizze: Aus der elektronischen Patientenakte wird eine externe App gestartet, ein Autorisierungsserver stellt einen zeitlich begrenzten Zugriffstoken mit eingeschränkten Rechten aus, mit dem die App über eine FHIR-Schnittstelle einzelne Datenpakete wie Laborwerte und Diagnosen abruft.

SMART on FHIR

SMART on FHIR ist ein offener Standard, mit dem externe Programme sicher auf die Daten einer Krankenhaus-Software zugreifen dürfen. Er regelt, wie eine App gestartet wird, wie sie sich ausweist und welche Patientendaten sie sehen darf.

In einem Krankenhaus liegen alle Daten zu einem Patienten in einem großen zentralen Programm, der elektronischen Patientenakte. Diese Programme stammen von wenigen großen Herstellern und können längst nicht alles. Ein Arzt möchte vielleicht ein Zusatzprogramm nutzen, das aus Blutwerten ein Risiko berechnet. Damit dieses Zusatzprogramm überhaupt an die nötigen Daten kommt, braucht es feste Spielregeln. SMART on FHIR ist genau so ein Regelwerk: eine öffentlich festgelegte Sammlung technischer Vereinbarungen dafür, wie ein fremdes Programm eine Patientenakte anzapfen darf. Der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die im Rest dieses Eintrags erklärt werden.

Warum Kliniksoftware sonst eine Sackgasse wäre

Ohne solche Regeln müsste jedes Zusatzprogramm für jedes Krankenhaussystem einzeln angepasst werden. Ein kleines Unternehmen mit einer guten Idee hätte dann keine Chance. Es müsste mit jedem Hersteller einzeln verhandeln und jedes Mal neu programmieren. Genau das war jahrelang der Zustand im Gesundheitswesen.

Mit einem gemeinsamen Standard wird die Sache umgedreht. Eine App wird einmal gebaut und läuft danach überall dort, wo der Standard unterstützt wird. Das erinnert an Apps auf dem Smartphone: der Entwickler kennt die Regeln des Systems und muss nicht wissen, welches Gerätemodell der Nutzer besitzt.

Für KI-Anwendungen ist das besonders wichtig. Ein Modell, das Diagnosen unterstützt, ist ohne Zugriff auf echte Patientendaten wertlos. Viele Unternehmen liefern ihre KI deshalb als SMART-on-FHIR-App aus. In den USA schreibt der Gesetzgeber solche offenen Zugänge seit einigen Jahren sogar vor.

Was FHIR und was SMART beisteuert

FHIR ist das Datenformat. Es legt fest, wie ein Laborwert, eine Diagnose oder ein Medikament technisch aufgeschrieben wird. Jede dieser Informationen ist eine sogenannte Ressource, also ein klar abgegrenztes Datenpaket mit festen Feldern. So weiß eine App, dass das Feld für den Blutdruck immer gleich heißt, egal welches Krankenhaus die Daten liefert.

SMART ergänzt die Sicherheit und den Start. Die App wird direkt aus der Patientenakte heraus geöffnet, meist über einen Menüpunkt. Dabei bekommt sie ein digitales Ticket, einen Zugriffstoken. Dieses Ticket beweist dem System, dass die App berechtigt ist, und es gilt nur für kurze Zeit.

Wichtig ist dabei der Umfang der Erlaubnis. Eine App bekommt nicht die ganze Datenbank, sondern nur bestimmte Bereiche für einen bestimmten Patienten. Das funktioniert ähnlich wie die Abfrage auf dem Handy, ob eine App auf Kamera oder Kontakte zugreifen darf. Ein häufiger Irrtum ist, dass SMART on FHIR die Daten selbst verschlüsselt oder speichert. Es organisiert nur den Zugang.

Wo der Standard im Alltag auftaucht

Am sichtbarsten ist er in Krankenhäusern der USA, wo Systeme wie Epic oder Cerner eigene App-Verzeichnisse betreiben. Ärzte klicken dort ein Zusatzprogramm an, das sich nahtlos in die Akte einfügt. Typische Beispiele sind Rechner für Herzinfarktrisiken oder Werkzeuge zur Dosierung von Medikamenten.

Auch Patienten profitieren, oft ohne es zu merken. Gesundheits-Apps auf dem Smartphone holen Befunde direkt aus der Klinik, wenn der Nutzer zustimmt. In Deutschland spielt FHIR ebenfalls eine wachsende Rolle, etwa rund um die elektronische Patientenakte und das E-Rezept.

In Wirtschaftsnachrichten begegnet einem der Begriff meist im Zusammenhang mit Zulassungen und Partnerschaften. Wenn ein KI-Start-up meldet, seine Software sei jetzt in ein großes Kliniksystem integriert, steckt fast immer dieser Standard dahinter. Für Investoren ist das ein Signal, dass ein Produkt tatsächlich beim Arzt ankommt und nicht nur im Labor funktioniert.

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