
Fediverse
Das Fediverse ist ein Verbund vieler eigenständiger sozialer Netzwerke, die sich gegenseitig Nachrichten schicken können. Wer bei einem dieser Dienste ein Konto hat, kann Leuten auf allen anderen folgen – ähnlich wie bei E-Mail.
Das Fediverse ist ein Zusammenschluss vieler kleiner sozialer Netzwerke. Jedes davon läuft auf einem eigenen Computer im Internet, betrieben von einer Firma, einem Verein oder einer Privatperson. Diese Netzwerke sind trotzdem nicht voneinander abgeschottet: Sie schicken sich gegenseitig Beiträge, Antworten und Likes. Wer also auf einem dieser Server ein Konto hat, kann Menschen auf allen anderen Servern folgen. Der Name setzt sich aus den englischen Wörtern für Bund und Universum zusammen. Am nächsten kommt der Vergleich mit E-Mail: Auch dort ist es egal, ob jemand eine Adresse bei Gmail oder bei einem Uni-Server hat, die Nachricht kommt trotzdem an.
Ein soziales Netz ohne einen einzigen Eigentümer
Große Plattformen wie Instagram oder X gehören jeweils einem einzigen Unternehmen. Dieses Unternehmen bestimmt allein, welche Beiträge sichtbar sind, welche Regeln gelten und wie viel Werbung eingeblendet wird. Ändert es seine Regeln, bleibt den Nutzern nur die Wahl zwischen mitmachen und gehen. Wer geht, verliert dabei alle seine Kontakte.
Im Fediverse ist diese Macht auf tausende Betreiber verteilt. Gefällt jemandem die Führung seines Servers nicht mehr, kann er zu einem anderen umziehen. Die Liste der Konten, denen er folgt, nimmt er dabei mit. Das nennt man Datenportabilität, also die Möglichkeit, die eigenen Daten mitzunehmen.
Politisch ist das inzwischen ein Thema. Die EU debattiert seit Jahren darüber, ob große Plattformen zu mächtig geworden sind. Das Fediverse gilt vielen als praktischer Gegenentwurf. Die EU-Kommission betreibt seit 2022 selbst einen eigenen Server im Fediverse.
Wie die Server miteinander reden
Damit verschiedene Programme sich verstehen, brauchen sie eine gemeinsame Sprache. Diese Sprache heißt ActivityPub und ist ein offener Standard, also eine für alle frei einsehbare Regelsammlung. Sie legt fest, wie eine Nachricht aufgebaut sein muss, damit jeder Server sie lesen kann. Der Fachbegriff für solche gemeinsamen Regeln lautet Protokoll.
Ein Beispiel: Du folgst von deinem Server aus einem Konto auf einem anderen Server. Dein Server meldet dort ein Abonnement an. Von da an schickt der fremde Server jeden neuen Beitrag automatisch an deinen Server. Der legt eine Kopie ab und zeigt sie dir an. Diesen Vorgang nennt man Föderation.
Jeder Server hat eigene Regeln und eigene Moderatoren. Er kann andere Server komplett blockieren, wenn dort etwa Hass verbreitet wird. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Denn ein schlecht betreuter Server kann jederzeit abgeschaltet werden, und dann sind die Beiträge dort weg.
Mastodon, Pixelfed und der Threads-Anschluss
Der bekannteste Dienst im Fediverse ist Mastodon, eine Alternative zu X mit kurzen Textbeiträgen. Nach der Übernahme von Twitter durch Elon Musk Ende 2022 wuchs er stark, hat aber weiterhin nur etwa eine Million aktive Nutzer pro Monat. Daneben gibt es Pixelfed für Fotos und PeerTube für Videos. Alle drei sprechen dieselbe Sprache und sind deshalb miteinander verbunden.
Seit 2024 hängt auch Threads von Meta teilweise am Fediverse. Nutzer von Mastodon können damit Threads-Konten folgen. Ob ein Konzern mit hunderten Millionen Nutzern ein Netzwerk aus Kleinservern stärkt oder erdrückt, wird in der Tech-Presse heftig diskutiert.
Ein häufiger Irrtum: Das Fediverse ist keine App und keine Firma. Man kann sich nicht „beim Fediverse“ anmelden. Man wählt immer einen konkreten Server aus, und die Adresse sieht dann ähnlich aus wie eine E-Mail-Adresse.