Free Float

Free Float

Der Free Float ist der Anteil der Aktien eines Unternehmens, der tatsächlich frei an der Börse gehandelt werden kann. Anteile von Großeigentümern wie Familien, Staaten oder Gründern werden dabei herausgerechnet.

Ein Unternehmen an der Börse ist in viele kleine Anteile aufgeteilt, die Aktien heißen. Wer eine Aktie besitzt, besitzt einen winzigen Teil der Firma. Aber nicht alle diese Anteile werden auch wirklich gekauft und verkauft. Ein Teil liegt fest in den Händen von Eigentümern, die gar nicht verkaufen wollen: der Gründerfamilie, dem Staat oder einem anderen Großkonzern. Der Free Float ist genau der Rest — also der Anteil der Aktien, den man an der Börse frei handeln kann. Man nennt ihn auf Deutsch auch Streubesitz, weil diese Anteile über viele kleine Besitzer verstreut sind.

Was ein kleiner Streubesitz für den Kurs bedeutet

Der Preis einer Aktie entsteht aus Angebot und Nachfrage. Wenn nur wenige Aktien überhaupt zum Handel bereitstehen, reichen kleine Kaufaufträge, um den Preis stark zu bewegen. Solche Aktien schwanken deshalb heftiger. Fachleute sagen, der Markt sei dann wenig liquide — es fehlen genug Käufer und Verkäufer für einen ruhigen Handel.

Ein Beispiel aus der Tech-Welt zeigt das gut. Wenn ein KI-Start-up an die Börse geht, verkaufen die Gründer oft nur zehn Prozent der Anteile. Die restlichen neunzig Prozent behalten sie und ihre Risikokapitalgeber. Steigt dann das Interesse an KI-Aktien, schießt der Kurs nach oben, obwohl sich am Unternehmen selbst nichts geändert hat. Solche Kurssprünge sagen mehr über den knappen Streubesitz aus als über den Wert der Firma.

Für Kleinanleger ist der Free Float außerdem ein Hinweis auf Mitbestimmung. Hält eine Familie 70 Prozent der Anteile, entscheidet sie auf der Hauptversammlung praktisch allein. Die übrigen Aktionäre können dann kaum etwas durchsetzen, egal wie viele sie sind.

Wie der Anteil berechnet wird

Die Rechnung ist im Kern einfach. Man nimmt alle ausgegebenen Aktien und zieht die fest gebundenen Pakete ab. Was übrig bleibt, teilt man durch die Gesamtzahl. Bei einer Million Aktien, von denen Großeigentümer 600.000 halten, liegt der Free Float bei 40 Prozent.

Schwierig ist die Frage, was als fest gebunden gilt. Die Deutsche Börse rechnet zum Beispiel alle Beteiligungen ab fünf Prozent heraus, außerdem Aktien, die das Unternehmen selbst hält, und Anteile mit einer vertraglichen Haltefrist. Kleine Pakete von Fonds oder Versicherungen zählen dagegen zum Streubesitz, obwohl auch die selten verkaufen. Die Grenze ist also eine Konvention, keine Naturgesetz-Größe.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Marktkapitalisierung. Diese beschreibt den Gesamtwert aller Aktien, also Kurs mal Aktienzahl. Der Free Float sagt nichts über die Größe eines Unternehmens, sondern nur darüber, wie viel davon wirklich am Markt zirkuliert. Beide Zahlen werden oft kombiniert: Die Free-Float-Marktkapitalisierung zählt nur den handelbaren Teil.

Free Float in Indizes und Börsennachrichten

Aktienindizes wie der DAX oder der Nasdaq 100 bündeln viele Firmen zu einer einzigen Kennzahl. Wie stark ein Unternehmen darin gewichtet wird, hängt heute meist am Free Float. Ein Konzern, dessen Anteile fast vollständig einer Familie gehören, zählt im Index deshalb weniger als seine Größe vermuten lässt. So soll der Index den handelbaren Markt abbilden.

In Nachrichten taucht der Begriff besonders bei Börsengängen auf. Formulierungen wie „nur 8 Prozent Free Float“ sind ein Warnsignal für starke Schwankungen. Auch bei Übernahmen liest man davon: Kauft ein Investor Aktien zusammen, sinkt der Streubesitz, und irgendwann kann ein Unternehmen aus dem Index fallen.

Ein häufiger Irrtum: Ein hoher Free Float bedeutet nicht automatisch eine gute Aktie. Er sagt nur, wie viel gehandelt wird — nicht, ob das Geschäftsmodell trägt. Umgekehrt sind Firmen mit starkem Großaktionär nicht schlecht, sondern oft langfristiger geführt. Der Free Float ist eine Struktur-Information, kein Qualitätsurteil.

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