
Credit Support
Credit Support ist die Absicherung eines Geschäftspartners gegen das Risiko, dass die Gegenseite ihre Zahlungen nicht leistet. Üblich sind hinterlegte Sicherheiten wie Geld oder Staatsanleihen sowie Bürgschaften einer dritten Partei.
Wenn zwei Unternehmen ein Geschäft abschließen, bleibt immer eine Unsicherheit: Zahlt die andere Seite später wirklich? Credit Support ist der Sammelbegriff für alles, was diese Unsicherheit verringert. Meistens hinterlegt eine Seite Geld oder Wertpapiere, die verfallen, wenn sie nicht zahlt. Es kann auch bedeuten, dass ein Dritter für die Schuld einspringt, etwa eine Bank oder die Muttergesellschaft. Der deutsche Begriff dafür lautet schlicht Kreditsicherheit oder Besicherung. Das Prinzip kennt jeder aus dem Alltag: die Kaution für eine Wohnung ist genau so eine Sicherheit.
Warum Banken ohne Sicherheiten kaum Geschäfte machen
Große Finanzgeschäfte laufen über Jahre. In dieser Zeit kann ein Vertragspartner pleitegehen. Ohne Absicherung steht der andere dann mit leeren Händen da. Genau das geschah 2008 im großen Stil, als die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Viele Partner hatten offene Forderungen, für die niemand mehr aufkam.
Seither schreiben Aufsichtsbehörden Sicherheiten in vielen Fällen vor. Für bestimmte Geschäfte müssen beide Seiten täglich Geld nachschießen, wenn sich die Werte verschieben. Das macht das Finanzsystem stabiler, bindet aber viel Kapital. Sicherheiten liegen als Puffer herum und können nicht anderweitig investiert werden.
Für Unternehmen hat die Besicherung noch einen zweiten Effekt. Wer gute Sicherheiten bietet, bekommt günstigere Konditionen. Das Risiko der Gegenseite sinkt, also verlangt sie weniger Aufschlag. Ein schlecht bewertetes Unternehmen kann sich so trotzdem Geld leihen.
Vom Sicherheitenkonto bis zur Nachschusspflicht
Der häufigste Fall ist die Barsicherheit. Eine Seite überweist einen Betrag auf ein Sicherheitenkonto, das der anderen Seite zusteht, falls etwas schiefgeht. Statt Bargeld werden oft Staatsanleihen genutzt, weil sie als besonders sicher gelten. Der Wert dieser Papiere schwankt allerdings, deshalb wird meist mehr hinterlegt als nötig. Diesen Abschlag nennt man Haircut.
Der Wert eines Geschäfts ändert sich ständig. Deshalb wird täglich neu gerechnet, wer wem wie viel schuldet. Steigt die Forderung, muss die andere Seite Sicherheiten nachlegen. Dieser Nachschuss heißt Margin Call. Wer ihn nicht bedienen kann, dessen Position wird zwangsweise aufgelöst.
Geregelt wird all das in einem Vertragsanhang, dem Credit Support Annex, kurz CSA. Dort steht, welche Wertpapiere als Sicherheit zählen, wie oft gerechnet wird und ab welchem Betrag nachgeschossen werden muss. Ein verwandter, aber anderer Begriff ist die Bürgschaft: dort haftet eine dritte Person, statt dass Vermögen hinterlegt wird.
Wo der Begriff in Nachrichten auftaucht
Am sichtbarsten wird Credit Support in Krisen. Wenn Kurse einbrechen, werden reihenweise Nachschüsse fällig. Verkäufe zur Beschaffung von Bargeld drücken die Kurse weiter. Diese Kettenreaktion beschleunigte 2020 den Corona-Crash an den Börsen erheblich.
Auch bei Kryptobörsen ist das Thema präsent. Dort werden Positionen automatisch liquidiert, sobald die hinterlegte Sicherheit nicht mehr reicht. Innerhalb von Minuten können so Milliardenbeträge verschwinden. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Banken, nur schneller und ohne Aufsicht.
Für Technologieunternehmen spielt Credit Support beim Bau von Rechenzentren eine Rolle. Solche Projekte kosten Milliarden und werden über Kredite finanziert. Kreditgeber verlangen dann Garantien des Mutterkonzerns oder ein Pfandrecht an den Anlagen. In Meldungen über KI-Investitionen taucht deshalb regelmäßig auf, wer für welche Summen haftet.