
CANN
CANN ist die Software, mit der Huaweis KI-Chips angesteuert werden. Sie übersetzt KI-Programme in Befehle für die Ascend-Prozessoren und ist damit Huaweis Gegenstück zu Nvidias Softwarepaket CUDA.
CANN ist ein Softwarepaket der chinesischen Firma Huawei. Es steht zwischen zwei Welten: oben die Programme, mit denen Entwickler künstliche Intelligenz bauen, unten die Spezialchips, die dafür rechnen. Diese Chips heißen bei Huawei Ascend. Sie verstehen normale Programme nicht, sondern brauchen Befehle in ihrer eigenen Sprache. Genau diese Übersetzung leistet CANN. Der Name ist die Abkürzung für Compute Architecture for Neural Networks, also etwa Rechenarchitektur für neuronale Netze.
Huaweis Antwort auf Nvidias Vorsprung
Der Markt für KI-Chips wird seit Jahren von der US-Firma Nvidia beherrscht. Deren eigentliche Stärke ist gar nicht nur die Hardware. Es ist die Software namens CUDA, mit der Entwickler die Nvidia-Chips ansteuern. Fast alle KI-Werkzeuge der Welt sind auf CUDA zugeschnitten. Wer einen Konkurrenzchip kauft, muss diese Werkzeuge erst mühsam anpassen.
Genau hier setzt CANN an. Es soll den Wechsel zu Huawei-Chips so schmerzlos wie möglich machen. Das ist besonders für China wichtig, weil die USA seit 2022 den Export leistungsstarker KI-Chips dorthin einschränken. Chinesische Firmen brauchen deshalb heimische Alternativen. Eine gute Alternative besteht aber immer aus Chip und Software zusammen.
Im August 2025 kündigte Huawei an, CANN weitgehend offenzulegen. Der Quelltext soll für Entwickler einsehbar und veränderbar werden. Der Gedanke dahinter: Je mehr Leute mitarbeiten, desto schneller schließt sich der Abstand zu CUDA. Ob das gelingt, ist offen. Nvidia hat rund zwanzig Jahre Vorsprung beim Aufbau seiner Entwicklergemeinde.
Vom Modell zum Befehl auf dem Chip
Ein KI-Modell wird meist in einem Framework gebaut, also einem Baukasten für neuronale Netze. Bekannte Beispiele sind PyTorch oder das chinesische MindSpore. In diesem Baukasten beschreibt man, welche Rechenschritte nacheinander passieren sollen. Diese Beschreibung ist noch abstrakt und für keinen bestimmten Chip gedacht.
CANN nimmt diese Beschreibung entgegen und baut sie um. Ein Teil davon, der Graph-Compiler, betrachtet die Rechenschritte als Netz von Knoten. Er fasst Schritte zusammen, streicht überflüssige und ordnet sie neu an. Danach kommen fertige Rechenbausteine ins Spiel, sogenannte Operatoren. Jeder Operator ist ein hochoptimiertes kleines Programm für eine typische Aufgabe, etwa eine Matrixmultiplikation.
Man kann sich CANN wie einen Übersetzer mit Redaktionsauftrag vorstellen. Er überträgt nicht nur Wort für Wort. Er kürzt, sortiert um und wählt für jeden Satz die passende Formulierung in der Zielsprache. Nur so wird aus einem Modell ein Ablauf, der die Chips wirklich auslastet. Schlechte Übersetzung bedeutet hier: Der Chip ist zwar schnell, wartet aber die halbe Zeit.
Wo der Name in den Nachrichten auftaucht
Direkt begegnet CANN nur Entwicklern, die KI auf Huawei-Hardware betreiben. Das sind vor allem chinesische Rechenzentren, Cloud-Anbieter und Universitäten. In Handy-Apps oder auf Webseiten sieht man den Namen nie. Er steckt unsichtbar unter der Oberfläche, so wie ein Betriebssystem unter einem Programm.
In Wirtschaftsnachrichten taucht CANN dagegen regelmäßig auf. Immer wenn es um den Chipstreit zwischen den USA und China geht, fällt der Begriff. Analysten benutzen ihn als Gradmesser: Wie weit ist Huawei wirklich? Meldungen über neue CANN-Versionen oder über Firmen, die von Nvidia auf Ascend umsteigen, gelten als Hinweise darauf.
Ein häufiger Irrtum ist, CANN und die Ascend-Chips gleichzusetzen. CANN ist reine Software und rechnet selbst nichts. Ebenso falsch ist die Annahme, ein Umstieg sei nur ein Knopfdruck. In der Praxis berichten Entwickler von fehlenden Funktionen und weniger Beispielcode als bei CUDA. Die Hardware zu bauen war für Huawei am Ende die kleinere Aufgabe.