Commodity Hedging

Commodity Hedging

Commodity Hedging bezeichnet die Absicherung gegen schwankende Rohstoffpreise. Unternehmen legen dabei über Verträge den Preis für Öl, Kupfer oder Weizen im Voraus fest, um später nicht von teuren Überraschungen getroffen zu werden.

Rohstoffe wie Öl, Kupfer, Weizen oder Erdgas haben keinen festen Preis. Er ändert sich täglich, manchmal um mehrere Prozent. Für ein Unternehmen, das solche Rohstoffe einkauft oder verkauft, ist das ein Risiko. Eine Fluggesellschaft kann pleitegehen, wenn Kerosin plötzlich doppelt so teuer wird. Commodity Hedging ist der Versuch, dieses Risiko loszuwerden: Man schließt heute einen Vertrag ab, der den Preis für einen späteren Zeitpunkt festschreibt. Das Wort Hedge kommt aus dem Englischen und bedeutet Hecke, also ein Schutzwall gegen das, was von außen kommt.

Warum Fluggesellschaften und Schokoladenhersteller so etwas brauchen

Unternehmen planen ihre Preise lange im Voraus. Eine Airline verkauft heute Tickets für einen Flug im nächsten Sommer. Wie teuer das Kerosin dann sein wird, weiß niemand. Ohne Absicherung ist das eine Wette: Steigt der Ölpreis stark, macht die Airline mit jedem verkauften Ticket Verlust.

Ähnlich geht es einem Schokoladenhersteller. Kakao wurde 2024 zeitweise mehr als dreimal so teuer wie im Jahr davor. Wer sich rechtzeitig abgesichert hatte, kaufte weiter zum alten Preis ein. Wer das nicht getan hatte, musste die Rezeptur ändern, die Tafel kleiner machen oder die Preise im Supermarkt kräftig erhöhen.

Wichtig ist ein Missverständnis, das oft auftaucht. Hedging soll keinen Gewinn bringen, sondern Planbarkeit. Wenn der Rohstoff nach dem Absichern billiger wird, hat das Unternehmen zu viel gezahlt. Das ist der Preis der Sicherheit, vergleichbar mit einer Versicherung, die man am Ende nicht braucht.

Termingeschäfte, Optionen und die Rolle der Gegenseite

Das häufigste Werkzeug ist der Terminkontrakt, im Englischen Future genannt. Das ist ein Vertrag über eine bestimmte Menge eines Rohstoffs zu einem festen Preis und einem festen Liefertermin. Solche Kontrakte werden an Börsen gehandelt, etwa in Chicago oder London. Eine Airline kauft heute Kontrakte über Kerosin für Dezember. Steigt der Marktpreis bis dahin, gewinnt sie an den Kontrakten so viel, wie sie beim echten Einkauf zusätzlich zahlen muss.

Die zweite Variante ist die Option. Sie gibt das Recht, aber nicht die Pflicht, zu einem festen Preis zu kaufen. Dafür zahlt man vorab eine Gebühr, die Prämie. Fällt der Preis, lässt man die Option verfallen und kauft günstig am Markt ein. Eine Option wirkt also wie eine Preisobergrenze, während ein Future den Preis in beide Richtungen festnagelt.

Damit ein solches Geschäft zustande kommt, braucht es immer eine Gegenseite. Das sind oft Produzenten mit dem umgekehrten Risiko, etwa ein Landwirt, der sich vor fallenden Weizenpreisen schützen will. Dazu kommen Spekulanten, die bewusst auf Preisbewegungen wetten. Sie gelten als umstritten, sorgen aber dafür, dass Absicherungsgeschäfte jederzeit möglich sind.

Der Begriff in Quartalszahlen und Börsennachrichten

In Geschäftsberichten großer Konzerne taucht Hedging regelmäßig auf. Airlines geben an, wie viel Prozent ihres Treibstoffbedarfs für das kommende Jahr abgesichert ist. Lufthansa und Ryanair nennen solche Quoten offen, weil Anlegerinnen und Anleger daraus ablesen können, wie stark ein steigender Ölpreis den Gewinn treffen würde.

Auch in der Technikbranche spielt das Thema eine wachsende Rolle. Rechenzentren für künstliche Intelligenz verbrauchen enorme Mengen Strom. Betreiber sichern deshalb Strom- und Gaspreise über Jahre im Voraus ab. Batteriehersteller tun dasselbe mit Lithium, Nickel und Kobalt.

Wenn in Nachrichten steht, ein Konzern habe sich verhedged, meint das eine falsch eingeschätzte Absicherung. Der bekannteste Fall ist die Metallgesellschaft, die 1993 mit Ölgeschäften über eine Milliarde Dollar verlor. Absicherung schützt also vor Preisschwankungen, nicht vor schlechten Entscheidungen.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.