Circular Trading

Circular Trading

Circular Trading bezeichnet eine Handelsmasche, bei der mehrere Beteiligte Wertpapiere oder andere Vermögenswerte untereinander hin- und herverkaufen, ohne dass ein echter Eigentümerwechsel stattfindet. Ziel ist es, künstliche Handelsaktivität zu erzeugen – etwa um Kurse zu manipulieren oder gefälschte Umsätze auszuweisen.

Circular Trading bedeutet: Mehrere Parteien verkaufen sich gegenseitig dieselben Vermögenswerte – also Aktien, Kryptowährungen oder andere handelbare Güter – im Kreis. Am Ende gehört jedem dasselbe wie vorher. Es findet kein echter Kauf statt, nur der Schein eines regen Handels. Das Ziel ist fast immer Täuschung: entweder um einen Kurs künstlich in die Höhe zu treiben, oder um in Geschäftsberichten Umsätze auszuweisen, die gar nicht real sind.

Warum Circular Trading Märkte beschädigt

Funktionierende Märkte leben davon, dass Preise echte Informationen widerspiegeln. Wenn viele Trades stattfinden, schließen Anleger darauf, dass ein Wertpapier gefragt ist. Circular Trading verfälscht genau dieses Signal. Die Preise steigen nicht, weil jemand wirklich kaufen will, sondern weil eine Gruppe das koordiniert inszeniert.

Für unbeteiligte Anleger ist das gefährlich. Sie sehen einen scheinbar liquiden Markt – also viele Käufe und Verkäufe – und investieren. Wenn die Manipulation auffliegt oder die Gruppe aufhört zu handeln, bricht der Kurs ein. Der Schaden liegt dann bei den echten Käufern, nicht bei den Drahtziehern.

In Unternehmensbilanzen ist die Wirkung ähnlich zerstörerisch. Firmen können sich gegenseitig Dienstleistungen oder Güter verkaufen, die sofort zurückgekauft werden. Jeder Vorgang erscheint im Jahresbericht als Umsatz. Investoren und Kreditgeber bekommen so ein aufgeblasenes Bild der tatsächlichen Geschäftstätigkeit.

Wie ein typischer Kreislauf aufgebaut ist

Das einfachste Modell braucht nur zwei Konten, die einer Person gehören. Konto A verkauft hundert Aktien an Konto B. Konto B verkauft sie zurück an Konto A. Beide Trades erscheinen im öffentlichen Orderbuch als echte Transaktionen. Tatsächlich hat sich nichts verändert – außer dass das Handelsvolumen gestiegen ist.

Professionelle Varianten laufen über viele Zwischenstationen, oft durch mehrere Länder und Währungen. Das macht es schwieriger, den Kreislauf zurückzuverfolgen. Manchmal sind Dutzende scheinbar unabhängiger Konten oder Firmen beteiligt. Der eigentliche Kontrolleur im Hintergrund bleibt so lange wie möglich unsichtbar.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Begriff Market Making. Ein Market Maker kauft und verkauft ebenfalls sehr aktiv, aber mit echten Gegenparteien und eigenem Risiko. Beim Circular Trading gibt es kein echtes Risiko, weil der Verkäufer gleichzeitig der Käufer ist – direkt oder durch einen abgesprochenen Mittelsmann.

Circular Trading in Nachrichten und Aufsichtsbehörden

Der Begriff taucht vor allem in drei Kontexten auf. Erstens bei Kryptowährungsbörsen: Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Handelsvolumens auf manchen Plattformen aus koordinierten Kreistransaktionen besteht. Eine vielzitierte Analyse aus dem Jahr 2019 schätzte, dass über 95 Prozent des Volumens bestimmter Börsen gefälscht war.

Zweitens taucht es in Bilanzskandalen auf. Der Zusammenbruch des deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard im Jahr 2020 zeigte, wie Scheinumsätze über Jahre in Bilanzen versteckt werden können. Circular Trading ist dabei ein mögliches Werkzeug unter mehreren.

Drittens beschäftigt der Begriff zunehmend Finanzaufsichtsbehörden weltweit. In der EU überwacht die Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA solche Muster mithilfe automatischer Systeme, die auffällige Handelsmuster in Echtzeit erkennen. In Deutschland ist die Behörde BaFin zuständig. Wer Circular Trading betreibt, macht sich in den meisten Ländern der Marktmanipulation strafbar – mit empfindlichen Geld- und Freiheitsstrafen.

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