Wandelvorzugsaktie

Wandelvorzugsaktie

Eine Wandelvorzugsaktie ist ein Unternehmensanteil, der Investoren bevorzugte Rückzahlungsrechte gibt und zusätzlich in eine normale Aktie umgewandelt werden kann. Sie ist das typische Finanzierungsinstrument bei großen Finanzierungsrunden von Technologie-Start-ups.

Wer Geld in ein junges Unternehmen investiert, will zwei Dinge gleichzeitig: Schutz, falls das Unternehmen scheitert, und die Chance auf großen Gewinn, falls es erfolgreich wird. Eine Wandelvorzugsaktie vereint beides in einem einzigen Anteilsschein. Sie ist keine gewöhnliche Aktie — sie gibt dem Besitzer Sonderrechte, die normale Aktionäre nicht haben. Gleichzeitig kann man sie zu einem späteren Zeitpunkt in eine gewöhnliche Aktie umtauschen, also « wandeln ». Genau deshalb heißt sie Wandelvorzugsaktie: « Vorzug » steht für die Sonderrechte, « Wandel » für die Umtauschoption.

Warum Start-ups damit finanziert werden

Investoren, die früh in ein Start-up einsteigen, gehen ein hohes Risiko ein. Die meisten Start-ups scheitern. Ohne besonderen Schutz würde ein Investor bei einer Pleite leer ausgehen — genau wie alle anderen auch. Die Wandelvorzugsaktie löst dieses Problem mit einem sogenannten Liquidationsvorzug.

Der Liquidationsvorzug bedeutet: Wird das Unternehmen verkauft oder abgewickelt, bekommen die Inhaber von Wandelvorzugsaktien ihr investiertes Geld zuerst zurück — bevor irgendjemand sonst etwas erhält. Erst danach wird das Verbleibende unter den normalen Aktionären aufgeteilt. Dieser Vorzug macht die Investition deutlich sicherer. Für Gründer ist das akzeptabel, weil das Unternehmen im Gegenzug überhaupt erst das Kapital erhält, das es zum Wachsen braucht.

Wie die Wandlung in eine normale Aktie funktioniert

Beim Kauf der Wandelvorzugsaktie wird ein Umtauschverhältnis festgelegt — zum Beispiel: eine Wandelvorzugsaktie entspricht einer normalen Aktie. Später, oft beim Börsengang des Unternehmens, kann der Investor entscheiden, ob er seine Vorzugsaktien in normale Aktien umtauscht. Diesen Vorgang nennt man Konversion.

Warum sollte jemand freiwillig auf seine Sonderrechte verzichten? Weil sich das lohnen kann, wenn das Unternehmen sehr erfolgreich ist. Hat ein Investor zum Beispiel 10 Millionen Euro zu einer Bewertung von 100 Millionen Euro investiert und das Unternehmen wird später für 2 Milliarden Euro verkauft, bringt die Wandlung in normale Aktien deutlich mehr ein als die garantierte Rückzahlung des ursprünglichen Betrags. Der Investor wählt also stets die für ihn profitablere Option.

Entscheidet sich der Investor nicht zur Wandlung, behält er den Liquidationsvorzug. Er kassiert dann zuerst sein Geld zurück und profitiert nicht weiter vom Wachstum. Diese Wahl zwischen beiden Optionen ist der Kern des Instruments: Sicherheit nach unten, Beteiligung am Erfolg nach oben.

Wandelvorzugsaktien in Tech-News und Finanzierungsrunden

Wenn Medien über eine große Finanzierungsrunde eines Start-ups berichten — etwa « Unternehmen X sammelt 500 Millionen Dollar in Series-C-Runde » — dann handelt es sich fast immer um Wandelvorzugsaktien. Im Silicon Valley sind sie der Industriestandard. Auch europäische Tech-Unternehmen wie Zalando oder Delivery Hero nutzten dieses Instrument in frühen Phasen.

Beim Börsengang, dem sogenannten IPO (Initial Public Offering, also die erstmalige Notierung an einer Börse), werden alle ausstehenden Wandelvorzugsaktien in der Regel automatisch in normale Aktien umgewandelt. Danach gibt es keine Sonderrechte mehr — alle Aktionäre stehen auf gleicher Stufe. Dieser Moment markiert das Ende der Start-up-Phase und den Eintritt in den öffentlichen Kapitalmarkt.

Einen wichtigen Unterschied zu einer Wandelanleihe sollte man kennen: Eine Wandelanleihe ist ein Kredit, der in Aktien umgewandelt werden kann. Die Wandelvorzugsaktie ist von Anfang an ein Unternehmensanteil — kein Kredit. Wer die beiden Begriffe in Artikeln verwechselt, zieht falsche Schlüsse über die Rechte und Risiken der Investoren.

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