Schema eines Significant Risk Transfer: Links ein Kreditpaket einer Bank über fünf Milliarden Euro, rechts daneben in Schichten aufgeteilt. Die unterste Schicht mit den ersten Verlusten ist markiert und wandert per Pfeil zu Investoren, die im Gegenzug eine laufende Gebühr erhalten. Die oberen Schichten und die Kredite selbst bleiben bei der Bank.

Significant Risk Transfer

Ein Significant Risk Transfer ist ein Geschäft, bei dem eine Bank das Ausfallrisiko eines Teils ihrer Kredite gegen eine Gebühr an Investoren abgibt, die Kredite selbst aber behält. Dadurch muss die Bank weniger Eigenkapital für diese Kredite zurücklegen und kann das frei gewordene Geld anderweitig einsetzen.

Banken müssen für jeden Kredit, den sie vergeben, eigenes Geld als Sicherheitspuffer zurücklegen. Dieser Puffer soll Verluste auffangen, wenn Kunden ihre Kredite nicht zurückzahlen. Er ist gesetzlich vorgeschrieben und begrenzt, wie viele Kredite eine Bank überhaupt vergeben kann. Bei einem Significant Risk Transfer sucht sich die Bank Geldgeber, die gegen eine laufende Gebühr für einen Teil dieser möglichen Verluste geradestehen. Die Kredite bleiben dabei in den Büchern der Bank, nur das Risiko wandert nach außen. Weil das Risiko kleiner wird, darf die Bank auch ihren Sicherheitspuffer verkleinern.

Warum Banken Risiko verkaufen statt Kredite

Eine Bank könnte ihren Puffer auch entlasten, indem sie Kredite komplett verkauft. Das hat aber Nachteile: Der Kunde merkt es, die Geschäftsbeziehung leidet, und die künftigen Zinserträge sind weg. Ein Significant Risk Transfer vermeidet genau das. Die Firma, die den Kredit bekommen hat, erfährt in der Regel gar nichts davon.

Für die Bank ist das eine Rechenaufgabe. Sie zahlt den Investoren eine Gebühr, oft im Bereich von einigen Prozent pro Jahr auf den abgesicherten Betrag. Dafür wird Eigenkapital frei, mit dem sie neue Geschäfte machen oder Dividenden ausschütten kann. Lohnt sich das neue Geschäft mehr als die Gebühr kostet, ist der Deal wirtschaftlich sinnvoll.

Aufsichtsbehörden schauen genau hin. Der Risikotransfer muss echt sein, also im Ernstfall wirklich greifen. Scheinkonstruktionen, bei denen die Bank am Ende doch alle Verluste trägt, sind nicht erlaubt. Die Europäische Zentralbank prüft größere Geschäfte deshalb einzeln, bevor sie die Kapitalentlastung anerkennt.

Der Aufbau eines solchen Geschäfts

Zuerst bündelt die Bank viele ähnliche Kredite zu einem Paket, etwa tausend Firmenkredite mit zusammen fünf Milliarden Euro. Dieses Paket wird gedanklich in Schichten geschnitten. Die unterste Schicht trägt die ersten Verluste, die darüberliegenden erst danach.

Verkauft wird meist nur die unterste Schicht, oft etwa fünf bis zehn Prozent des Volumens. Der Grund ist einfach: Genau dort sitzt fast das gesamte realistische Verlustrisiko. Fallen im Beispiel zweihundert Millionen Euro an Krediten aus, zahlen die Investoren diesen Betrag. Erst wenn die Schicht aufgebraucht ist, trifft es wieder die Bank.

Technisch geschieht das über einen Vertrag, der einer Versicherung ähnelt, oder über eine Anleihe. Bei der Anleihenvariante zahlen die Investoren ihr Geld vorab ein. Es liegt dann als Sicherheit bereit, und die Bank bekommt es im Verlustfall. Diese Vorab-Zahlung ist wichtig, denn sie schützt die Bank davor, dass ein Investor selbst zahlungsunfähig wird.

Ein Milliardenmarkt abseits der Schlagzeilen

Der Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Europäische Banken übertragen jährlich Risiken aus Kreditpaketen im dreistelligen Milliardenbereich. Käufer sind fast immer spezialisierte Fonds, Pensionskassen oder Versicherer. Für Privatanleger sind diese Geschäfte praktisch nicht zugänglich.

In Finanznachrichten tauchen SRTs meist in zwei Zusammenhängen auf. Entweder meldet eine Bank, dass sie ihre Kapitalquote verbessert hat, ohne neue Aktien auszugeben. Oder Aufseher warnen, dass die Risiken nur verschoben und nicht verschwunden sind. Beide Sichtweisen haben etwas für sich.

Ein häufiger Irrtum ist die Gleichsetzung mit den Verbriefungen der Finanzkrise von 2008. Damals verkauften Banken die Kredite selbst weiter und verloren jedes Interesse an deren Qualität. Bei einem Significant Risk Transfer behält die Bank die Kredite und meist auch einen Teil des Risikos. Trotzdem bleibt die Kritik berechtigt, dass niemand vollständig überblickt, wo diese Risiken am Ende landen.

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