Safe (Simple Agreement for Future Equity)

Ein Safe ist ein kurzer Vertrag, mit dem ein junges Unternehmen heute Geld bekommt und dem Geldgeber dafür später Firmenanteile verspricht. Der genaue Anteil wird erst bei der nächsten großen Finanzierungsrunde bestimmt.

Ein junges Unternehmen braucht früh Geld, oft schon bevor es ein fertiges Produkt hat. Wer ihm dieses Geld gibt, möchte dafür normalerweise einen Anteil an der Firma bekommen. Genau da liegt das Problem: Niemand weiß in dieser Phase, was die Firma wert ist. Ein Safe umgeht die Frage. Der Geldgeber überweist die Summe sofort, bekommt aber vorerst keine Anteile, sondern nur ein schriftliches Versprechen darauf. Erst wenn später ein großer Investor einsteigt und dabei einen Preis für die Firma festlegt, wird aus dem Versprechen ein echter Anteil. Die Abkürzung steht für „Simple Agreement for Future Equity“, also etwa „einfache Vereinbarung über künftige Firmenanteile“.

Warum Gründer den Papierkram scheuen

Eine klassische Finanzierungsrunde ist teuer und langsam. Anwälte verhandeln wochenlang, wie viel die Firma wert ist und welche Rechte der Investor bekommt. Für zwei Millionen Euro lohnt sich dieser Aufwand. Für 100.000 Euro von einem einzelnen Unterstützer lohnt er sich nicht. Ein Safe passt dagegen auf wenige Seiten und ist in Tagen unterschrieben.

Der zweite Grund ist die Bewertung selbst. Sie in einer sehr frühen Phase festzulegen, schadet oft beiden Seiten. Setzt man sie zu niedrig an, geben die Gründer zu viel von ihrer Firma weg. Setzt man sie zu hoch an, wird die nächste Runde schwierig. Der Safe verschiebt diese Entscheidung einfach nach hinten.

Erfunden wurde das Instrument 2013 beim US-Gründerzentrum Y Combinator. Es hat sich seitdem zum Standard für Startup-Frühphasen entwickelt, vor allem in den USA. Auch europäische Firmen nutzen inzwischen ähnliche Verträge, in Deutschland meist unter dem Namen Wandeldarlehen.

Deckel und Rabatt: die zwei entscheidenden Zahlen

Wer früh Geld gibt, trägt das größte Risiko. Dafür soll er später mehr Anteile bekommen als jemand, der erst einsteigt, wenn die Firma bereits läuft. Zwei Mechanismen sorgen dafür. Der erste heißt Bewertungsobergrenze, im Englischen Valuation Cap. Sie legt fest, zu welchem Höchstwert der Firma die Umrechnung erfolgt.

Ein Beispiel macht das klar. Jemand gibt 100.000 Euro mit einer Obergrenze von fünf Millionen. Zwei Jahre später steigt ein Investor bei einer Bewertung von 20 Millionen ein. Der Safe wird trotzdem so umgerechnet, als sei die Firma nur fünf Millionen wert. Aus den 100.000 Euro werden also zwei Prozent der Firma statt einem halben Prozent.

Der zweite Mechanismus ist ein Rabatt, meist zwischen 10 und 25 Prozent. Der Safe-Geber zahlt pro Anteil weniger als der neue Investor. Viele Verträge enthalten beides, dann gilt die für den Geldgeber günstigere Variante. Wichtig ist die Abgrenzung zum Kredit: Ein Safe ist kein Darlehen. Es gibt keine Zinsen und kein Rückzahlungsdatum. Kommt nie eine Finanzierungsrunde, kann das eingesetzte Geld komplett verloren sein.

Safes in den Meldungen über KI-Startups

In Nachrichten über junge Technologiefirmen taucht der Begriff ständig auf. Sätze wie „das Startup sammelte drei Millionen über Safes ein“ bedeuten: Das Geld ist da, die Anteilsverhältnisse sind aber noch offen. Bei KI-Firmen ist das besonders häufig, weil dort viel Kapital in sehr frühe Ideen fließt.

Für Beobachter hat das eine Folge, die leicht übersehen wird. Bewertungen aus Safe-Runden sind keine echten Marktpreise. Eine Obergrenze von 20 Millionen heißt nicht, dass die Firma 20 Millionen wert ist. Sie heißt nur, dass sich zwei Parteien auf eine Rechengrenze geeinigt haben.

Ein typischer Fehler von Gründern ist es, mehrere Safes hintereinander auszugeben, ohne mitzurechnen. Alle wandeln sich in derselben Runde gleichzeitig in Anteile um. Manche Gründerteams stellen dann fest, dass ihnen deutlich weniger von der eigenen Firma gehört als gedacht. Der Fachbegriff dafür ist Verwässerung.

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