Secondary Share Sale

Secondary Share Sale

Bei einem Secondary Share Sale verkaufen bestehende Anteilseigner eines privaten Unternehmens ihre Anteile an neue Käufer — das Unternehmen selbst erhält dabei kein Geld. Diese Transaktionen sind besonders in der Startup-Welt relevant, weil sie Frühinvestoren oder Mitarbeitern Liquidität verschaffen, bevor das Unternehmen an die Börse geht.

Wenn jemand Anteile an einem privaten Unternehmen — also einem, das nicht an der Börse notiert ist — an einen neuen Käufer verkauft, nennt man das einen Secondary Share Sale. Das Geld fließt dabei direkt vom Käufer an den verkaufenden Anteilseigner, nicht ans Unternehmen selbst. Das Unternehmen bekommt also keinen Cent, es wechselt lediglich ein Anteil den Besitzer. Das ist das zentrale Merkmal, das einen Secondary Sale von einer normalen Finanzierungsrunde unterscheidet: Bei einer Finanzierungsrunde gibt das Unternehmen neue Anteile aus und kassiert das Kapital selbst.

Liquidität vor dem Börsengang

Private Unternehmen werden immer länger privat gehalten. Vor zwanzig Jahren dauerte es im Schnitt vier Jahre, bis ein vielversprechendes Startup an die Börse ging. Heute sind es oft zehn Jahre oder mehr. Das ist ein Problem für alle, die früh eingestiegen sind.

Ein früher Investor oder ein Mitarbeiter mit Unternehmensanteilen sitzt auf einem Vermögen, das auf dem Papier viel wert ist — das er aber nicht anfassen kann. Die Anteile lassen sich nicht einfach verkaufen wie Aktien an der Börse. Secondary Sales sind der Ausweg: Sie ermöglichen es, aus einer illiquiden Beteiligung auszusteigen, ohne dass das Unternehmen selbst einen Börsengang oder eine Übernahme durchführen muss.

Für den Käufer ist der Anreiz ein anderer. Er bekommt Zugang zu einem Unternehmen, das noch nicht öffentlich gehandelt wird — und damit potenziell zu Wachstum, das an der Börse noch nicht eingepreist ist. Solche Käufer sind häufig spezialisierte Fonds, die gezielt nach diesen Gelegenheiten suchen.

Ablauf und beteiligte Parteien

Verkäufer sind meist frühe Investoren — sogenannte Venture-Capital-Fonds, die nach mehreren Jahren Kapital für ihre eigenen Geldgeber freisetzen müssen — oder Mitarbeiter, die ihre Anteile in Bargeld umwandeln möchten. Auf der Käuferseite stehen oft spezialisierte Secondary-Fonds, Investmentbanken oder wohlhabende Einzelinvestoren.

Der Preis eines Anteils ergibt sich aus Verhandlungen. Da das Unternehmen nicht öffentlich gehandelt wird, gibt es keinen offiziellen Marktkurs. Käufer verlangen deshalb häufig einen Abschlag gegenüber der zuletzt offiziell festgestellten Unternehmensbewertung — als Ausgleich dafür, dass sie keine gesicherten Zahlen haben und der Anteil schwer weiterzuverkaufen ist.

Das Unternehmen muss dem Verkauf in der Regel zustimmen. Viele Gesellschafterverträge enthalten sogenannte Vorkaufsrechte: Das Unternehmen oder andere bestehende Investoren dürfen den Anteil zu denselben Konditionen kaufen, bevor er an einen Fremden geht. Dieser Schritt kann Wochen dauern und macht Secondary Sales aufwendiger als einfache Börsentransaktionen.

Secondary Sales bei bekannten Tech-Unternehmen

Der Begriff taucht regelmäßig in Berichten über große, noch nicht börsennotierte Tech-Konzerne auf. Bei OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, gab es mehrfach Berichte über Secondary Sales, bei denen Mitarbeiter und frühe Investoren Anteile verkauften — zuletzt zu Bewertungen von über 150 Milliarden US-Dollar. Ähnliches galt für Unternehmen wie Stripe oder SpaceX, die seit Jahren profitabel und wertvoll sind, aber bewusst auf einen Börsengang verzichten.

Für Beobachter der Tech-Branche sind Secondary-Preise ein inoffizieller Stimmungstest. Weil kein Börsenpreis existiert, zeigt der Preis, den Käufer im Secondary-Markt zu zahlen bereit sind, wie der Markt das Unternehmen gerade einschätzt. Fällt dieser Preis deutlich unter die letzte offizielle Bewertungsrunde, ist das ein Warnsignal.

Secondary Sales sind also kein obskures Finanzinstrument, sondern ein fester Bestandteil des privaten Tech-Marktes. Wer Nachrichten über Startup-Bewertungen verfolgt, wird dem Begriff immer häufiger begegnen — gerade weil die Phase vor dem Börsengang immer länger dauert.

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