Private Credit

Private Credit

Private Credit bezeichnet Kredite an Unternehmen, die nicht von einer Bank kommen, sondern von Fonds und anderen privaten Geldgebern. Der Markt ist seit der Finanzkrise 2008 stark gewachsen und finanziert heute auch Rechenzentren für künstliche Intelligenz.

Wenn ein Unternehmen Geld braucht, geht es klassisch zur Bank und nimmt einen Kredit auf. Es gibt aber einen zweiten Weg: Geldgeber, die keine Banken sind, verleihen das Geld direkt. Meist sind das Fonds, also Firmen, die Geld vieler großer Anleger sammeln und gemeinsam investieren. Diese Art der Finanzierung nennt man Private Credit, auf Deutsch etwa „privater Kredit“. „Privat“ heißt hier nicht, dass Privatpersonen betroffen sind. Es heißt, dass der Kredit nicht öffentlich an einer Börse gehandelt wird, sondern zwischen zwei Parteien direkt vereinbart wird.

Warum Fonds heute verleihen, was früher Banken verliehen

Nach der Finanzkrise 2008 bekamen Banken deutlich strengere Regeln. Sie müssen für riskante Kredite viel eigenes Kapital zurücklegen. Damit wurden bestimmte Kredite für Banken unattraktiv, etwa an mittelgroße Firmen mit hohen Schulden. In diese Lücke sind Fonds gesprungen, für die diese Regeln nicht gelten.

Aus einem Nischenmarkt ist so ein Riese geworden. Schätzungen zufolge verwaltet die Branche weltweit über 1,5 Billionen US-Dollar. Große Namen sind Blackstone, Apollo und Ares. Das Geld stammt vor allem von Pensionskassen, Versicherungen und Staatsfonds. Diese Anleger suchen höhere Zinsen, als sie mit Staatsanleihen bekommen.

Genau dieses Wachstum macht Aufsichtsbehörden nervös. Der Internationale Währungsfonds und die Bundesbank warnen regelmäßig, dass niemand den Markt gut überblickt. Bei Bankkrediten weiß die Aufsicht recht genau, wer wem wie viel schuldet. Bei Private Credit sind die Verträge vertraulich und die Risiken schwer zu zählen.

Wie so ein Kredit zustande kommt

Ein Fonds sammelt zunächst Zusagen von Großanlegern ein, oft über mehrere Milliarden. Dann sucht er Unternehmen, die Geld brauchen. Häufig sind das Firmen, die gerade von einer Beteiligungsgesellschaft gekauft werden. Der Fonds prüft die Zahlen, verhandelt Zinssatz und Laufzeit und zahlt das Geld aus. Typisch sind Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren.

Die Zinsen liegen deutlich über dem, was Banken verlangen. Üblich sind mehrere Prozentpunkte Aufschlag auf einen Referenzzinssatz. Dafür bekommt der Kreditnehmer Geld schneller und mit weniger Bürokratie. Außerdem lassen sich die Bedingungen flexibler zuschneiden, etwa wenn die Firma erst in einigen Jahren Gewinne erwartet.

Der entscheidende Unterschied zu einer Anleihe: Anleihen werden an der Börse gehandelt, ihr Preis ist täglich sichtbar. Ein privater Kredit hat keinen Marktpreis. Der Fonds schätzt seinen Wert selbst ein, meist einmal pro Quartal. Das wirkt stabil, verbirgt aber Probleme möglicherweise länger, als es einem Anleger lieb wäre.

Von Rechenzentren bis zum Kleinanleger-Fonds

In den Wirtschaftsnachrichten tauchte Private Credit zuletzt vor allem wegen künstlicher Intelligenz auf. Rechenzentren für KI kosten zweistellige Milliardenbeträge. Ein Teil dieser Summen kommt inzwischen von privaten Kreditgebern statt von Banken. Meta hat 2025 etwa für ein Rechenzentrum in Louisiana rund 27 Milliarden Dollar auf diesem Weg eingesammelt, ein großer Teil davon über Blackstone.

Auch normale Sparer kommen inzwischen in Berührung damit. Immer mehr Anbieter verkaufen Fonds, die Privatkredite enthalten, in kleinen Stückelungen. Wer davon etwas kauft, sollte wissen: Das Geld ist oft nicht kurzfristig verfügbar. In Krisen können Rückzahlungen begrenzt werden.

Ein verbreiteter Irrtum ist, Private Credit sei automatisch riskanter als ein Bankkredit. Das Risiko steckt nicht in der Rechtsform, sondern im Schuldner und im Preis. Kritisch ist eher die Undurchsichtigkeit: Weil Verluste erst mit Verzögerung sichtbar werden, kann sich Ärger aufstauen. Wenn du in News von „Schattenbanken“ liest, ist meist genau dieser Markt gemeint.

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