
Perl
Perl ist eine Programmiersprache aus dem Jahr 1987, die vor allem für das schnelle Verarbeiten von Texten und Dateien gedacht ist. Sie galt jahrelang als „Klebstoff des Internets“, weil sie Daten zwischen verschiedenen Programmen hin- und herschaufelte.
Perl ist eine Programmiersprache. Das heißt: eine festgelegte Schreibweise, mit der Menschen einem Computer Anweisungen geben. Der US-Amerikaner Larry Wall veröffentlichte Perl 1987. Er war Sprachwissenschaftler und Systemverwalter zugleich, und beides sieht man der Sprache an. Perl wurde gebaut, um Texte und Dateien schnell zu durchsuchen, umzuformen und weiterzureichen. Anders als große Softwareprojekte bestehen Perl-Programme oft nur aus wenigen Zeilen, die eine einzige lästige Aufgabe erledigen.
Warum Perl als Klebstoff des Internets galt
In den 1990er Jahren bestand das Web zum großen Teil aus Perl. Wenn eine Webseite ein Formular hatte, lief dahinter meist ein Perl-Programm. Es nahm die Eingaben entgegen, prüfte sie und schrieb sie in eine Datei oder Datenbank. Diese Technik hieß CGI, ein einfacher Standard, über den ein Webserver externe Programme aufrufen konnte. Perl war dafür die naheliegende Wahl, weil es Text mühelos verarbeitete.
Der Spitzname „Klebstoff des Internets“ beschreibt genau diese Rolle. Perl schrieb selten das Hauptprogramm. Es verband Systeme, die eigentlich nicht zusammenpassten. Ein Perl-Skript holte Daten aus einer alten Datenbank, formte sie um und übergab sie an ein neues System. Solche Verbindungsstücke sind unsichtbar, aber ohne sie steht der Betrieb still.
Perl hat außerdem viel an andere Sprachen weitergegeben. Sein Umgang mit Suchmustern in Texten wurde zum Vorbild. Heute nutzen Python, JavaScript, Java und viele weitere Sprachen eine Mustersyntax, die ausdrücklich als „Perl-kompatibel“ bezeichnet wird. Der Einfluss der Sprache reicht also weit über ihre eigene Verbreitung hinaus.
Reguläre Ausdrücke und das Motto der Sprache
Perls stärkstes Werkzeug sind reguläre Ausdrücke. Das sind kurze Suchmuster für Text. Statt ein Wort wörtlich zu suchen, beschreibt man seine Form. Ein Muster kann etwa lauten: eine Ziffernfolge, dann ein Punkt, dann Buchstaben. Damit findet und ersetzt man in einer Millionenzeilen-Datei in Sekunden alle Datumsangaben. In Perl sind solche Muster direkt in die Sprache eingebaut, nicht bloß angehängt.
Perl ist eine Skriptsprache. Der Code wird nicht vorab in Maschinenbefehle übersetzt, sondern beim Start gelesen und sofort ausgeführt. Man ändert eine Datei und startet sie erneut, mehr nicht. Das macht Perl schnell im Ausprobieren und beliebt für kleine Hilfsprogramme. Für sehr rechenintensive Aufgaben ist es dafür langsamer als übersetzte Sprachen wie C.
Das bekannteste Motto der Sprache lautet: Es gibt mehr als einen Weg, es zu tun. Perl erlaubt für dasselbe Ziel viele verschiedene Schreibweisen. Das ist bequem beim Schreiben, aber oft mühsam beim Lesen. Perl gilt deshalb als schwer verständlich, manchmal spöttisch als „Nur-Schreib-Sprache“. Python setzt bewusst das Gegenteil um und bevorzugt einen einzigen naheliegenden Weg.
Wo Perl heute noch läuft
Perl ist nicht tot, aber es ist aus dem Rampenlicht verschwunden. Für neue Webprojekte nimmt heute kaum jemand Perl. Diesen Platz haben Python, JavaScript und PHP übernommen. In Beliebtheitsranglisten der Programmiersprachen taucht Perl längst nicht mehr in den vorderen Rängen auf. Neue Stellenanzeigen für reine Perl-Entwicklung sind selten geworden.
Trotzdem läuft weiterhin viel Perl-Code. Auf Linux-Servern stecken Perl-Skripte in Wartungsaufgaben, Sicherungsroutinen und Auswertungen von Protokolldateien. Banken, Behörden und Forschungseinrichtungen betreiben Systeme, deren Kern in den 1990ern in Perl entstand. Solche Systeme laufen zuverlässig, und niemand schreibt sie ohne guten Grund neu. Bekannte Dienste wie Booking.com bauten lange Zeit stark auf Perl.
In Nachrichten begegnet dir Perl deshalb meist in zwei Zusammenhängen. Erstens bei Altsystemen, für die Fachleute fehlen, weil kaum noch jemand die Sprache lernt. Zweitens im Zusammenhang mit KI: Sprachmodelle können Perl-Code lesen und erklären, weil er in großen Mengen im Internet steht. Genau das macht sie zu einem nützlichen Werkzeug bei der Wartung solcher alten Programme.