
Pre-Money-Bewertung
Die Pre-Money-Bewertung ist der Wert, den Investoren einem Unternehmen zusprechen, bevor sie neues Geld einzahlen. Sie entscheidet darüber, welchen Anteil am Unternehmen die neuen Geldgeber für ihre Investition bekommen.
Wenn ein junges Unternehmen frisches Geld von Geldgebern einsammelt, muss zuerst eine Zahl feststehen: Was ist die Firma überhaupt wert? Diese Zahl heißt Pre-Money-Bewertung, also der Wert vor der Einzahlung. Zählt man das neue Geld dazu, ergibt sich die Post-Money-Bewertung, der Wert nach der Einzahlung. Beispiel: Eine Firma wird mit 20 Millionen Euro bewertet, ein Geldgeber zahlt 5 Millionen ein. Dann sind es vorher 20 Millionen, nachher 25 Millionen, und der neue Geldgeber besitzt 5 von 25 Millionen, also 20 Prozent der Firma. Die Zahl ist keine gemessene Größe, sondern das Ergebnis einer Verhandlung.
Was an der Zahl vor dem Geld so viel hängt
Die Pre-Money-Bewertung legt fest, wie viel Firma die Gründer für ihr Geld abgeben müssen. Bei 20 Millionen Bewertung kostet eine Investition von 5 Millionen 20 Prozent des Unternehmens. Sind es nur 10 Millionen Bewertung, kostet dieselbe Investition schon ein Drittel. Für die Gründer geht es also um sehr viel Eigentum, für den Investor um seinen späteren Gewinn.
Deshalb wird über kaum eine Zahl in einer Finanzierungsrunde härter gestritten. Investoren wollen niedrig bewerten, Gründer hoch. Ein zu hoher Wert kann sich später aber rächen. Wenn die nächste Runde zu einem niedrigeren Preis stattfindet, spricht man von einer Down Round, also einer Abwärtsrunde. Die verwässert die Anteile der Gründer stark und gilt in der Branche als schlechtes Signal.
Für Außenstehende ist die Bewertung außerdem ein Stimmungsmesser. Steigen die Pre-Money-Bewertungen in einer ganzen Branche schnell an, deutet das auf viel verfügbares Kapital und große Erwartungen hin. Genau das ließ sich in den Jahren nach 2022 bei KI-Startups beobachten.
Wie die Zahl in der Verhandlung entsteht
Bei etablierten Firmen berechnet man einen Wert aus Gewinnen und Umsätzen. Junge Technologiefirmen machen oft noch gar keinen Gewinn. Also arbeitet man mit Vergleichen: Was zahlten Investoren kürzlich für ähnliche Firmen? Dazu kommen Faktoren wie Wachstumstempo, Größe des Marktes, Qualität des Teams und wie leicht Konkurrenten das Produkt kopieren könnten.
Am stärksten wirkt aber Angebot und Nachfrage. Wollen drei Fonds gleichzeitig investieren, steigt der Preis. Findet sich nur ein Interessent, bestimmt dieser die Bedingungen. Die Bewertung ist damit weniger eine Rechnung als ein Preis, so wie bei einer Auktion.
Ein häufiger Irrtum ist, die Bewertung mit echtem Geld zu verwechseln. Eine Bewertung von einer Milliarde bedeutet nicht, dass jemand diese Summe für die Firma zahlen würde. Sie leitet sich aus einem kleinen Anteil ab, den ein einzelner Investor gekauft hat, und wird dann auf das Ganze hochgerechnet. Verkaufen ließe sich die Firma zu diesem Preis vielleicht nie.
Pre-Money in Startup-Nachrichten und Anteilstabellen
In Meldungen über Finanzierungsrunden steht der Begriff fast immer zwischen den Zeilen. Wenn es heißt, ein KI-Startup habe 100 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2 Milliarden eingesammelt, ist meist die Post-Money-Bewertung gemeint. Die Pre-Money-Bewertung lag dann bei 1,9 Milliarden. Wer beide verwechselt, rechnet die Anteile falsch.
Praktisch relevant wird die Zahl im sogenannten Cap Table, einer Tabelle mit allen Eigentümern und ihren Prozentanteilen. Jede neue Runde verändert diese Tabelle. Auch Mitarbeiter merken das, denn viele Startups zahlen Teile des Gehalts in Anteilsoptionen, deren Wert direkt an der Bewertung hängt.
Der Begriff taucht auch beim Wort Unicorn auf, also bei Firmen mit einer Bewertung über einer Milliarde Dollar. Solche Titel beruhen auf genau diesen Verhandlungszahlen. Sie sagen etwas über die Erwartungen von Investoren aus, aber nur wenig über Umsatz oder Gewinn.