Vierstufiges PRISMA-Flussdiagramm von oben nach unten: Treffer aus der Datenbanksuche, Entfernen von Doubletten, Sichtung von Titeln und Zusammenfassungen, Prüfung der Volltexte, eingeschlossene Studien. An jeder Stufe steht rechts ein Kasten mit der Zahl der ausgeschlossenen Arbeiten und dem Grund.

PRISMA

PRISMA ist ein international anerkannter Regelsatz dafür, wie Forschende eine Übersichtsarbeit über bereits veröffentlichte Studien sauber berichten. Er besteht aus einer Checkliste mit 27 Punkten und einem Flussdiagramm, das zeigt, wie viele Studien gefunden, geprüft und am Ende verwendet wurden.

Zu vielen Fragen gibt es nicht eine Studie, sondern hunderte. Manche Forschende sammeln deshalb alle vorhandenen Studien zu einem Thema und werten sie gemeinsam aus. Solche Sammelarbeiten heißen systematische Übersichtsarbeiten. PRISMA ist ein Regelwerk dafür, wie eine solche Arbeit beschrieben werden muss, damit andere sie nachvollziehen können. Die Abkürzung steht für „Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses“, also etwa: empfohlene Angaben für Übersichtsarbeiten. PRISMA schreibt nicht vor, wie geforscht wird, sondern was am Ende im Text stehen muss.

Warum Übersichtsarbeiten ohne feste Regeln gefährlich sind

Eine Übersichtsarbeit wirkt besonders vertrauenswürdig. Sie fasst ja nicht nur ein Experiment zusammen, sondern viele. Genau deshalb ist sie leicht zu manipulieren. Wer nur die Studien erwähnt, die zum gewünschten Ergebnis passen, erzeugt ein falsches Gesamtbild. Ohne Regeln ist das von außen kaum zu erkennen.

PRISMA zwingt die Autoren, ihr Vorgehen offenzulegen. Sie müssen angeben, in welchen Datenbanken sie gesucht haben, mit welchen Suchbegriffen und an welchem Datum. Sie müssen nennen, wie viele Treffer sie aussortiert haben und warum. Damit lässt sich prüfen, ob unbequeme Studien verschwunden sind.

Für viele Fachzeitschriften in der Medizin ist PRISMA heute Pflicht. Wer eine Übersichtsarbeit einreicht, muss die ausgefüllte Checkliste mitliefern. Auch Behörden, die über Medikamente oder Impfempfehlungen entscheiden, stützen sich auf solche Arbeiten. Ein Bericht, der PRISMA nicht erfüllt, wird dort oft gar nicht erst ernst genommen.

Checkliste und Flussdiagramm im Detail

PRISMA besteht aus zwei Teilen. Der erste ist eine Checkliste. In der aktuellen Fassung von 2020 hat sie 27 Punkte, verteilt über Titel, Zusammenfassung, Methoden, Ergebnisse und Diskussion. Jeder Punkt beschreibt eine Angabe, die im Text stehen muss. Beispiel: Punkt 7 verlangt die vollständige Suchanfrage für mindestens eine Datenbank, Wort für Wort.

Der zweite Teil ist das Flussdiagramm. Es zeigt den Weg der Studien von oben nach unten, Stufe für Stufe. Ganz oben steht die Zahl der Treffer aus der Datenbanksuche, etwa 4.312. Darunter fallen Doubletten weg, also Studien, die in mehreren Datenbanken auftauchen. Dann werden Titel und Zusammenfassungen gesichtet, später die vollständigen Texte gelesen. Übrig bleiben am Ende vielleicht 18 Studien, die tatsächlich ausgewertet werden.

Entscheidend ist, dass an jeder Stufe die Zahl der aussortierten Arbeiten und der Grund dafür steht. Typische Gründe sind: falsche Altersgruppe, keine Kontrollgruppe, Text nicht auffindbar. Das Diagramm funktioniert wie ein Sieb mit mehreren Schichten, bei dem man an jeder Schicht nachzählen kann. Ein häufiger Irrtum ist, PRISMA sei ein Qualitätssiegel für die Studien selbst. Das ist es nicht. Es garantiert nur Transparenz über das Vorgehen, nicht die Güte der einzelnen Untersuchungen.

PRISMA in der KI-Forschung und in Nachrichten

Ursprünglich kommt PRISMA aus der Medizin. Inzwischen nutzen es auch Psychologie, Bildungsforschung und zunehmend die Informatik. Wenn jemand untersucht, wie gut Sprachmodelle bei medizinischen Prüfungsfragen abschneiden, gibt es dazu dutzende Einzelstudien. Eine Übersichtsarbeit bündelt sie, und PRISMA regelt deren Aufbau. In solchen Arbeiten findest du das Flussdiagramm meist als erste Abbildung.

In Nachrichtentexten begegnet dir der Begriff selten direkt. Formulierungen wie „eine Auswertung von 40 Studien zeigt“ verweisen aber fast immer auf eine solche Arbeit. Wer nachprüfen will, ob die Auswahl fair war, sucht in der Originalpublikation nach dem PRISMA-Diagramm. Die Zahlen dort verraten mehr über die Verlässlichkeit als die Überschrift des Artikels.

Verwechseln solltest du PRISMA nicht mit gleichnamigen Produkten. Es gibt Software, Datenprojekte und sogar Überwachungsprogramme mit ähnlichem Namen. Im wissenschaftlichen Kontext ist praktisch immer die Berichtsleitlinie gemeint. Neben ihr existieren verwandte Regelwerke für andere Studienarten, etwa CONSORT für klinische Experimente.

Související produkty

Aktuální zprávy

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.