Legacy-Architektur

Legacy-Architektur

Eine Legacy-Architektur ist ein über Jahre oder Jahrzehnte gewachsenes Computersystem, das ein Unternehmen weiter betreibt, obwohl die Technik dahinter veraltet ist. Es funktioniert meist zuverlässig, lässt sich aber nur mühsam ändern, erweitern oder ersetzen.

Große Unternehmen benutzen oft Computerprogramme, die vor zwanzig oder dreißig Jahren geschrieben wurden. Solche alten, aber immer noch laufenden Systeme nennt man Legacy-Architektur. Das englische Wort „legacy“ bedeutet Erbe oder Hinterlassenschaft. Gemeint ist damit die Grundstruktur einer Software: welche Bausteine es gibt und wie sie zusammenarbeiten. Diese Struktur passt zu den Anforderungen von damals, nicht zu denen von heute. Trotzdem läuft das System weiter, weil täglich wichtige Arbeit davon abhängt.

Warum Banken auf 50 Jahre altem Code sitzen

Das bekannteste Beispiel sind Banken. Ihre Kernsysteme, die Konten führen und Überweisungen buchen, stammen häufig aus den 1970er und 1980er Jahren. Geschrieben wurden sie in COBOL, einer Programmiersprache, die heute kaum noch jemand lernt. Schätzungen zufolge laufen weltweit immer noch Milliarden Zeilen COBOL-Code im Finanzsektor.

Der Grund für das Festhalten ist nicht Bequemlichkeit. Diese Systeme sind über Jahrzehnte getestet worden und machen fast keine Fehler. Ein Neubau kostet dagegen Hunderte Millionen Euro und dauert Jahre. Mehrere Banken haben solche Projekte gestartet und wieder abgebrochen. Ein Fehler beim Umstieg würde bedeuten, dass Kunden nicht mehr an ihr Geld kommen.

Für die Wirtschaftsnachrichten ist das Thema relevant, weil Legacy-Architekturen Geld binden. Studien schätzen, dass große Konzerne über die Hälfte ihres IT-Budgets nur für den Erhalt alter Systeme ausgeben. Dieses Geld fehlt für neue Produkte. Wer schneller modernisiert, ist gegenüber der Konkurrenz im Vorteil.

Wie aus guter Software eine Altlast wird

Kein System wird als Legacy geplant. Am Anfang steht eine saubere Lösung für ein konkretes Problem. Dann kommen Jahr für Jahr neue Anforderungen dazu: eine Onlinefunktion, eine gesetzliche Vorgabe, eine Sonderregel für einen Großkunden. Jede Änderung wird an die bestehende Struktur angebaut, weil ein Umbau zu teuer wäre. Nach zwanzig Jahren gleicht das Ganze einem Haus mit dreißig Anbauten.

Ein zweites Problem ist das verlorene Wissen. Die Menschen, die das System gebaut haben, sind längst in Rente. Dokumentation fehlt oder ist veraltet. Niemand kann mehr sicher sagen, warum ein bestimmter Programmteil existiert. Also traut sich auch niemand, ihn zu löschen.

Typisch ist außerdem die enge Verzahnung der Bausteine. Fachleute sprechen von einem Monolithen: alle Funktionen stecken in einem einzigen großen Programm. Ändert man an einer Stelle etwas, kann an einer ganz anderen Stelle etwas kaputtgehen. Moderne Systeme werden deshalb in kleine, unabhängige Dienste zerlegt, sogenannte Microservices.

Wo der Begriff in News und Alltag auftaucht

Man begegnet Legacy-Architekturen häufiger, als man denkt. Wenn die Bahn-Website eine Störung meldet, wenn eine Behörde Anträge nur per Papier annimmt oder wenn ein Onlineshop Bestellungen erst über Nacht verarbeitet, steckt oft ein altes System dahinter. Auch die Fehlermeldungen an Flughäfen bei Systemausfällen haben meist diese Ursache.

In Firmennachrichten taucht der Begriff bei Modernisierungsprojekten auf. Unternehmen kündigen dann an, ihre Legacy-Systeme in die Cloud zu verlagern, also auf gemietete Rechner externer Anbieter. Solche Meldungen gehen fast immer mit hohen Kosten und langen Zeitplänen einher. Investoren achten darauf, weil verzögerte IT-Projekte Gewinnwarnungen auslösen können.

Seit Kurzem spielt KI hier eine Rolle. Sprachmodelle können alten COBOL-Code lesen und erklären, was er tut. IBM und andere Anbieter verkaufen Werkzeuge, die solchen Code automatisch in moderne Sprachen übersetzen. Ein verbreiteter Irrtum ist allerdings, dass damit das Problem gelöst wäre. Übersetzter Code hat dieselbe verworrene Struktur wie vorher, nur in neuer Sprache.

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