
llms.txt
llms.txt ist eine einfache Textdatei, die Website-Betreiber auf ihrem Server ablegen, damit KI-Programme die wichtigsten Inhalte der Seite schnell und sauber finden. Sie ist ein Vorschlag aus dem Jahr 2024 und bisher kein verbindlicher Standard.
llms.txt ist eine kleine Textdatei, die auf einer Website hinterlegt wird. Sie liegt immer an derselben Stelle, nämlich direkt hinter der Hauptadresse: zum Beispiel beispiel.de/llms.txt. In dieser Datei beschreibt der Betreiber in wenigen Zeilen, worum es auf seiner Seite geht. Dazu listet er die wichtigsten Unterseiten mit einem kurzen Hinweis auf, was dort zu finden ist. Gedacht ist das Ganze nicht für Menschen, sondern für Programme wie ChatGPT oder andere Chat-Assistenten, die Webseiten lesen und daraus Antworten formulieren. Vorgeschlagen wurde die Idee im September 2024 vom australischen Entwickler Jeremy Howard.
Warum Webseiten für Maschinen schwer lesbar sind
Eine normale Webseite besteht nur zu einem kleinen Teil aus dem eigentlichen Text. Der Rest sind Menüs, Werbeflächen, Cookie-Hinweise, Fußzeilen und unsichtbare Anweisungen für den Browser. Ein Mensch blendet das mühelos aus. Ein Programm muss dagegen erst mühsam heraussortieren, welcher Teil überhaupt der Inhalt ist.
Dazu kommt ein zweites Problem: Sprachmodelle können nur eine begrenzte Menge Text auf einmal verarbeiten. Dieses Limit nennt man Kontextfenster. Eine große Website mit tausenden Seiten passt da nie hinein. Eine llms.txt reduziert das auf eine übersichtliche Liste, die vielleicht ein bis zwei Bildschirmseiten lang ist.
Für Unternehmen steckt dahinter auch ein handfestes Interesse. Immer mehr Menschen stellen ihre Fragen einem Chat-Assistenten statt einer Suchmaschine. Wer will, dass sein Produkt oder seine Dokumentation dabei korrekt wiedergegeben wird, hat ein Motiv, es den Programmen leicht zu machen. Falsche Antworten über die eigene Firma kosten Vertrauen.
Aufbau der Datei
Die Datei ist in Markdown geschrieben. Das ist eine sehr einfache Schreibweise, bei der man Überschriften mit Rautezeichen markiert und Listen mit Bindestrichen beginnt. Man kann sie mit jedem Texteditor öffnen und lesen. Genau das ist der Punkt: Es braucht keine Spezialsoftware und keine komplizierte Technik.
Der Aufbau folgt einem festen Muster. Ganz oben steht der Name des Projekts als Überschrift. Darunter folgt ein kurzer Absatz, der in zwei bis drei Sätzen erklärt, worum es geht. Danach kommen Abschnitte mit Links, jeweils ergänzt um einen Halbsatz zur Erklärung. Ein Abschnitt namens Optional darf Inhalte enthalten, die ein Programm bei Platzmangel weglassen kann.
Häufig gibt es zusätzlich eine Datei namens llms-full.txt. Sie enthält nicht nur Links, sondern den kompletten Text der Website in einer aufgeräumten Fassung. Ein verbreiteter Irrtum ist die Verwechslung mit der robots.txt. Die robots.txt verbietet Programmen den Zugriff auf bestimmte Bereiche. Die llms.txt tut das Gegenteil: Sie lädt ein und zeigt den Weg.
Verbreitung und offene Fragen
Am häufigsten findet man llms.txt bei Anbietern von Entwickler-Werkzeugen. Firmen wie Anthropic, Stripe oder Cloudflare stellen ihre technische Dokumentation auf diesem Weg bereit. Der Grund liegt nahe: Programmierer lassen sich Code oft von einem KI-Assistenten schreiben. Findet der die aktuelle Anleitung, macht er weniger Fehler.
In den Nachrichten taucht der Begriff meist im Zusammenhang mit einem Streit auf. Verlage und Website-Betreiber diskutieren, ob sie KI-Firmen ihre Inhalte überhaupt liefern sollen. Manche sperren die Programme aus, andere hoffen auf Sichtbarkeit. llms.txt steht klar auf der Seite derer, die gefunden werden wollen.
Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um einen Vorschlag, nicht um eine Regel. Kein Gremium hat ihn beschlossen, und die großen KI-Anbieter haben bisher nicht öffentlich bestätigt, dass ihre Systeme die Datei tatsächlich auswerten. Google hat sich im Jahr 2025 sogar ausdrücklich skeptisch geäußert. Wer eine llms.txt anlegt, investiert damit eine halbe Stunde Arbeit in eine Möglichkeit, die sich noch bewähren muss.