Latenz

Latenz

Latenz ist die Wartezeit zwischen einer Anfrage und der ersten Reaktion darauf – etwa zwischen dem Absenden einer Frage an einen Chatbot und dem ersten Wort der Antwort. Sie wird meist in Millisekunden gemessen und entscheidet darüber, ob sich ein Dienst flüssig oder träge anfühlt.

Latenz ist die Zeit, die zwischen einer Anfrage und der ersten Reaktion darauf vergeht. Du drückst eine Taste, und es dauert einen Moment, bis etwas passiert. Genau dieser Moment ist die Latenz. Gemessen wird sie in Millisekunden, also Tausendstel Sekunden. Latenz ist nicht dasselbe wie die Menge an Daten, die pro Sekunde durchfließt: Eine Leitung kann sehr viel transportieren und trotzdem lange brauchen, bis das erste Byte ankommt. Der Vergleich hilft: Ein Güterzug bringt viel Ladung, ist aber langsam gestartet, ein Motorradkurier bringt wenig, aber sofort.

Warum Millisekunden über Geld und Gefühl entscheiden

Menschen merken Verzögerungen früher, als man denkt. Unter etwa 100 Millisekunden fühlt sich eine Reaktion sofort an. Ab einer halben Sekunde spürt man ein Zögern. Ab zwei bis drei Sekunden brechen viele Nutzer ab und probieren etwas anderes. Deshalb ist Latenz für Online-Dienste keine technische Feinheit, sondern ein Geschäftsrisiko.

Im Börsenhandel wird das extrem. Computerprogramme kaufen und verkaufen dort automatisch, und wer eine Kursänderung Millisekunden früher sieht, kann früher reagieren. Handelsfirmen mieten deshalb Serverplätze direkt neben den Rechnern der Börse, damit die Kabel kürzer sind. Für wenige Millisekunden werden Millionenbeträge ausgegeben.

Bei KI-Diensten kommt ein zweiter Punkt hinzu. Ein Sprachmodell, also ein Programm, das Text Wort für Wort erzeugt, muss für jedes Wort neu rechnen. Wenn die erste Verzögerung schon groß ist, wirkt das ganze Gespräch schwerfällig. Firmen geben deshalb oft zwei Werte an: die Zeit bis zum ersten Wort und die Zeit zwischen den folgenden Wörtern.

Woraus sich die Wartezeit zusammensetzt

Latenz ist fast immer eine Summe mehrerer Teilstrecken. Zuerst braucht das Signal Zeit für den Weg durch Kabel und Funkstrecken. Licht in einem Glasfaserkabel ist schnell, aber nicht unendlich schnell: Für die Strecke Frankfurt–New York und zurück gehen rund 80 Millisekunden allein für den Weg drauf. Diese physikalische Grenze kann niemand wegprogrammieren.

Dann kommt die Wartezeit in den Geräten dazwischen. Router und Vermittlungsstellen nehmen Datenpakete an, prüfen sie und schicken sie weiter. Wenn viele Pakete gleichzeitig eintreffen, bildet sich eine Warteschlange, ähnlich wie an einer Supermarktkasse. Solche Staus sind der Hauptgrund, warum Latenz schwankt statt konstant zu bleiben.

Am Ziel selbst entsteht die Rechenzeit. Ein Server muss die Anfrage verstehen, vielleicht eine Datenbank befragen und ein Ergebnis erzeugen. Bei KI-Modellen ist dieser Teil oft der größte, weil dabei Milliarden Rechenoperationen anfallen. Gegenmittel sind schnellere Spezialchips, kleinere Modelle und Zwischenspeicher, in denen häufige Antworten schon fertig liegen. Eine weitere Strategie heißt Edge Computing: Man stellt Rechner näher an die Nutzer, damit der Weg kürzer wird.

Latenz im Spiel, im Videocall und in Produktversprechen

Am deutlichsten merkt man Latenz beim Online-Spielen. Der dort angezeigte Ping ist genau dieser Messwert: die Zeit für den Weg zum Spielserver und zurück. Bei 20 Millisekunden reagiert die Spielfigur gefühlt sofort, bei 200 Millisekunden schießt man ins Leere. Ähnlich bei Videotelefonie: Sobald die Verzögerung groß wird, reden beide Seiten durcheinander.

In Produktankündigungen taucht Latenz oft als Verkaufsargument auf. Mobilfunkanbieter werben mit niedriger Latenz im 5G-Netz, Chiphersteller mit schnelleren Antwortzeiten ihrer Prozessoren. Bei Sprachassistenten ist niedrige Latenz die Voraussetzung dafür, dass ein Gespräch natürlich wirkt, weil Menschen in echten Dialogen nur Bruchteile einer Sekunde Pause machen.

Ein häufiger Irrtum: Ein schnellerer Internetanschluss senke automatisch die Latenz. Mehr Bandbreite hilft beim Herunterladen großer Dateien, ändert aber kaum etwas an der Wartezeit bis zur ersten Reaktion. Wer schlechte Latenz hat, hat meist ein Problem mit der Entfernung, mit überlasteten Leitungen oder mit einem langsamen Server am anderen Ende.

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