Schichtenschema einer Knowledge-Work-Architektur: unten die Datenschicht mit Verträgen, Mails und Datenbanken, darüber ein Suchschritt, darüber die Modellschicht mit einem großen und mehreren kleinen Sprachmodellen, darüber die Ablaufsteuerung mit Arbeitsschritten und einem Übergabepunkt an einen Menschen, seitlich die Kontrollschicht mit Protokoll und Stichprobenprüfung.

Knowledge-Work-Architektur

Eine Knowledge-Work-Architektur ist der geplante Aufbau aller Programme, Datenspeicher und Regeln, mit denen ein Unternehmen Büroarbeit von Software unterstützen oder übernehmen lässt. Sie beschreibt, welches Werkzeug welche Aufgabe erledigt, woher es seine Informationen bekommt und wo ein Mensch entscheiden muss.

Der Begriff Wissensarbeit meint Büroarbeit, bei der man vor allem Informationen liest, prüft, verknüpft und daraus Texte oder Entscheidungen macht. Dazu gehören Angebote schreiben, Verträge prüfen, Berichte erstellen oder Kundenanfragen beantworten. Eine Knowledge-Work-Architektur ist der Bauplan dafür, wie Software diese Arbeit unterstützt. Sie legt fest, welches Programm welchen Arbeitsschritt übernimmt, woher es die nötigen Dokumente und Daten bezieht und an welcher Stelle ein Mensch das Ergebnis freigeben muss. Das Wort Architektur betont dabei: es geht nicht um ein einzelnes Werkzeug, sondern um das geordnete Zusammenspiel vieler Teile. Wer nur einen Chatbot einkauft, hat noch keine Architektur, sondern ein Einzelwerkzeug.

Warum Unternehmen ihre Büroarbeit neu verkabeln

Wissensarbeit ist in reichen Ländern der größte Kostenblock vieler Unternehmen. Gehälter für Sachbearbeitung, Beratung, Buchhaltung und Verwaltung machen oft mehr aus als Maschinen oder Material. Wenn Software Teile dieser Arbeit übernimmt, verändert das die Kostenstruktur ganzer Branchen. Genau deshalb tauchen solche Projekte inzwischen in Quartalsberichten und Analystenkommentaren auf.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt aber ein Muster. Einzelne KI-Werkzeuge beeindrucken in der Vorführung und bringen im Alltag wenig. Der Grund ist meist nicht das Modell, sondern die Umgebung. Das Werkzeug kennt die internen Preislisten nicht, darf nicht auf das Vertragsarchiv zugreifen oder erzeugt Ergebnisse, die niemand kontrolliert. Eine Architektur löst genau diese Anschlussprobleme.

Dazu kommt die Haftungsfrage. Wenn ein Programm einem Kunden eine falsche Zusage macht, haftet trotzdem das Unternehmen. Eine durchdachte Architektur schreibt deshalb vor, welche Schritte automatisch laufen dürfen und welche eine Unterschrift brauchen. Ohne diese Festlegung scheitern Projekte oft nicht an der Technik, sondern an der Rechtsabteilung.

Die Bausteine und ihr Zusammenspiel

Am Anfang steht die Datenschicht. Hier liegen die Quellen des Unternehmens: E-Mails, Verträge, Tabellen, Wiki-Seiten, Datenbanken der Kundenverwaltung. Wichtig ist, dass diese Quellen durchsuchbar und mit Rechten versehen sind. Ein Vertriebsmitarbeiter soll über die Software nur sehen, was er auch ohne sie sehen dürfte.

Darüber sitzt die Modellschicht. Dort arbeiten Sprachmodelle, also Programme, die aus riesigen Textmengen gelernt haben, Sprache zu verarbeiten und zu erzeugen. Meist kombiniert man mehrere: ein großes, teures Modell für schwierige Analysen, kleinere und billigere für Routineaufgaben wie Zusammenfassen oder Sortieren. Zwischen Daten und Modell steht häufig ein Suchschritt, der zu jeder Frage erst die passenden internen Dokumente heraussucht und mitliefert. Dieses Verfahren senkt die Zahl der erfundenen Antworten deutlich.

Die dritte Schicht ist die Ablaufsteuerung. Sie zerlegt eine Aufgabe in Schritte, ruft Werkzeuge auf und übergibt Ergebnisse weiter. Ein Beispiel: eine Reklamation kommt per Mail, das System liest sie, holt die Bestelldaten, prüft die Garantiefrist, schlägt eine Antwort vor. Ab einem bestimmten Erstattungsbetrag geht der Fall automatisch an einen Menschen. Darum liegt als vierte Schicht die Kontrolle: Protokolle, Stichprobenprüfungen und Messwerte darüber, wie oft die Vorschläge korrigiert werden mussten.

Wo der Begriff in News und Produkten auftaucht

In Unternehmensmeldungen begegnet man dem Begriff, wenn Konzerne ihre Verwaltung umbauen. Banken beschreiben so die Bearbeitung von Kreditanträgen, Versicherer die Schadensregulierung, Kanzleien die Durchsicht von Vertragsstapeln. Typisch sind Aussagen wie: eine Prüfung, die früher zwei Tage dauerte, ist jetzt in zwei Stunden erledigt. Solche Zahlen sollte man skeptisch lesen, denn sie beziehen sich oft auf einen einzelnen Teilschritt.

Auf der Produktseite verkaufen Anbieter wie Microsoft, Salesforce, SAP oder ServiceNow genau diese Bausteine als Paket. Ihr Verkaufsargument ist, dass die Unternehmensdaten bereits in ihren Systemen liegen. Konkurrenz kommt von Firmen, die nur die Ablaufsteuerung liefern und Modelle verschiedener Hersteller anbinden. Für Anleger ist das eine spannende Frage, weil sich daran entscheidet, wer den Zugang zum Kunden behält.

Verwandt, aber nicht dasselbe ist der Begriff Agent. Ein Agent ist ein einzelnes Programm, das mehrere Schritte selbstständig ausführt. Die Architektur ist das Gesamtsystem, in dem solche Agenten arbeiten, Daten bekommen und überwacht werden. Wer im Alltag ein Kundenportal nutzt, das Anfragen sofort sinnvoll beantwortet, sieht meist nur die Oberfläche einer solchen Architektur.

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