Know Your Customer

Know Your Customer

Know Your Customer bezeichnet die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht von Banken und ähnlichen Unternehmen, die Identität ihrer Kunden zu prüfen und zu dokumentieren. Ziel ist es, Geldwäsche, Betrug und die Finanzierung von Kriminalität zu erschweren.

Wer bei einer Bank ein Konto eröffnet, muss sich ausweisen. Das ist keine Höflichkeit der Bank, sondern eine gesetzliche Pflicht. Sie heißt auf Englisch « Know Your Customer », also « Kenne deinen Kunden », abgekürzt KYC. Das Unternehmen muss wissen, wer hinter einem Konto steckt, und diese Angaben nachweisbar festhalten. Dazu gehören Name, Geburtsdatum, Adresse und ein amtliches Ausweisdokument. Die Pflicht gilt nicht nur für Banken, sondern auch für Versicherungen, Kryptobörsen, Immobilienmakler und Anbieter von Bezahldiensten.

Warum der Staat wissen will, wem ein Konto gehört

Kriminelles Geld ist erst dann nützlich, wenn es unauffällig aussieht. Genau dafür braucht man Konten, die auf niemanden oder auf falsche Namen laufen. Wenn jede Bank die Identität ihrer Kunden prüft, wird dieser Weg deutlich schwieriger. KYC ist deshalb der Kern der Regeln gegen Geldwäsche, also gegen das Einschleusen illegaler Einnahmen in den normalen Wirtschaftskreislauf.

Für Unternehmen ist das kein freiwilliges Extra. Verstöße können sehr teuer werden. Große Banken haben in den letzten Jahren Strafen in Milliardenhöhe gezahlt, weil ihre Kontrollen lückenhaft waren. Im schlimmsten Fall droht der Entzug der Lizenz, also das Ende des Geschäfts. Deshalb beschäftigen Banken ganze Abteilungen nur mit diesem Thema.

Es gibt aber auch eine Kehrseite. Jede Prüfung kostet Zeit und schreckt Kunden ab, die es eilig haben. Und Menschen ohne festen Wohnsitz oder ohne gängige Ausweispapiere haben es schwer, überhaupt ein Konto zu bekommen. KYC ist also immer eine Abwägung zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit.

Vom Ausweisfoto bis zur laufenden Überwachung

Der erste Schritt ist die Identifizierung. Früher ging man dafür zur Post oder in eine Filiale. Heute läuft das meist per Video oder über eine App: Man hält den Ausweis in die Kamera, dreht ihn, und spricht oder bewegt den Kopf. Software prüft dabei die Sicherheitsmerkmale des Dokuments und vergleicht das Passfoto mit dem Live-Bild.

Danach folgt der Abgleich mit Listen. Es wird geprüft, ob eine Person auf einer Sanktionsliste steht, also mit Strafmaßnahmen belegt ist. Ebenso wird geschaut, ob sie ein hohes politisches Amt innehat oder in Ermittlungen auftaucht. Bei Firmenkunden geht es zusätzlich um die Frage, welcher Mensch am Ende wirklich Eigentümer ist. Diese Person nennt man wirtschaftlich Berechtigten.

KYC endet nicht bei der Kontoeröffnung. Danach beobachten Systeme laufend die Zahlungen. Wenn auf ein Schülerkonto plötzlich hohe Beträge aus dem Ausland fließen, schlägt das System Alarm. Genau hier kommt zunehmend künstliche Intelligenz ins Spiel, also Software, die aus Millionen früherer Fälle Muster gelernt hat. Sie soll echte Auffälligkeiten von harmlosen Ausnahmen trennen. Das ist wichtig, denn klassische Regelsysteme erzeugen sehr viele Fehlalarme, die Mitarbeiter von Hand abarbeiten müssen.

KYC bei Neobanken, Kryptobörsen und in Übernahme-Meldungen

Am häufigsten begegnet einem KYC bei der Anmeldung zu Finanz-Apps. Ein Depot bei einem Online-Broker, ein Konto bei einer Smartphone-Bank, ein Account bei einer Kryptobörse: Überall folgt nach der Registrierung eine Ausweisprüfung. Auch Anbieter, die Kryptowährungen handeln, unterliegen inzwischen in der EU denselben Regeln wie Banken.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist in zwei Zusammenhängen auf. Entweder hat eine Aufsichtsbehörde ein Unternehmen wegen schlechter Kontrollen abgestraft. Oder ein Anbieter von Prüfsoftware wird übernommen, weil dieser Markt stark wächst. Firmen wie IDnow, Sumsub oder Onfido leben genau davon.

Ein verbreiteter Irrtum ist, KYC sei dasselbe wie Datenschutz. Das Gegenteil trifft eher zu: KYC verpflichtet Firmen, personenbezogene Daten zu erheben und jahrelang aufzubewahren. Datenschutzregeln begrenzen im Gegenzug, was sonst noch mit diesen Daten geschehen darf. Beide Bereiche stehen also in einem Spannungsverhältnis, das Unternehmen ausbalancieren müssen.

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