Lieferkette
Die Lieferkette ist die Abfolge aller Betriebe, die an der Entstehung eines Produkts beteiligt sind – vom Rohstoff bis zum fertigen Gerät im Laden. In der Technikbranche entscheidet sie darüber, ob Chips, Server und Smartphones überhaupt gebaut werden können.
Fast kein Produkt entsteht an einem einzigen Ort. Ein Handy besteht aus Metallen aus Afrika, Bauteilen aus Asien und Software aus den USA. Jede Firma, die auf dem Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Gerät etwas beiträgt, ist Teil einer langen Reihe. Diese Reihe nennt man Lieferkette. Sie umfasst Bergbau, Fabriken, Transportfirmen, Zwischenhändler und den Verkauf am Ende. Der Name passt gut: Fällt ein Glied aus, hängt die ganze Kette.
Warum ein einziges fehlendes Bauteil ganze Fabriken stoppt
Eine Lieferkette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ein Auto braucht tausende Teile, und es fährt erst, wenn alle da sind. Fehlt ein Chip für zwei Euro, steht das ganze Fahrzeug im Werk. Genau das passierte 2021 und 2022: Wegen einer weltweiten Chipknappheit mussten große Autohersteller ihre Bänder wochenlang anhalten.
Dazu kommt eine gefährliche Konzentration. Die modernsten Computerchips der Welt werden fast ausschließlich in Taiwan gefertigt, ein einziges Unternehmen hat dort den größten Anteil. Die Maschinen, die diese Chips belichten, baut wiederum nur eine einzige Firma in den Niederlanden. Solche Engpässe nennt man Flaschenhälse. Wer sie kontrolliert, hat politische und wirtschaftliche Macht.
Deshalb sind Lieferketten längst ein Thema in den Nachrichten und an der Börse. Regierungen fördern mit Milliardenbeträgen eigene Chipfabriken, um weniger abhängig zu sein. Anleger achten darauf, wie verwundbar ein Unternehmen durch seine Zulieferer ist. Und Gesetze verlangen von Firmen zunehmend, die Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten zu prüfen.
Vom Rohstoff bis zum Regal: die Stationen
Am Anfang stehen Rohstoffe: Sand für Silizium, Kupfer für Kabel, Lithium für Akkus. Diese Stoffe gehen an Betriebe, die daraus Vormaterialien machen, etwa gereinigte Siliziumscheiben. Danach folgen Fabriken, die einzelne Bauteile fertigen, zum Beispiel Chips oder Bildschirme. Erst am Ende setzt ein Werk alles zum fertigen Gerät zusammen. Zwischen jeder Station liegen Transport, Zoll und Lager.
Fachleute sprechen von einer vorgelagerten und einer nachgelagerten Seite. Vorgelagert heißt alles, was vor dem eigenen Betrieb passiert, also die Zulieferer. Nachgelagert ist alles danach: Händler, Versand, Kundschaft. Große Konzerne haben dabei nicht nur direkte Lieferanten, sondern auch deren Lieferanten und wieder deren Lieferanten. Diese Ebenen nennt man Tier 1, Tier 2 und so weiter.
Lange galt es als klug, möglichst wenig zu lagern. Bei diesem Prinzip, genannt Just in time, kommen Teile erst kurz vor dem Einbau an. Das spart Geld, macht aber empfindlich gegen jede Störung. Seit den Störungen der Pandemie legen viele Firmen wieder größere Vorräte an und suchen zweite Lieferanten. Diese Absicherung kostet Marge, verringert aber das Risiko eines Totalausfalls.
Lieferketten in Tech-News und im eigenen Alltag
Wenn eine neue Spielkonsole monatelang ausverkauft ist, steckt fast immer ein Lieferkettenproblem dahinter. Auch der Boom der Künstlichen Intelligenz hängt daran: Die Spezialchips für KI-Rechenzentren sind knapp, weil Fertigung und Verpackung der Chips nicht schnell genug wachsen. Meldungen über Wartezeiten von vielen Monaten für solche Chips sind direkte Lieferkettennachrichten.
Auch Politik greift hier ein. Exportverbote für bestimmte Hochleistungschips nach China sind Eingriffe in eine Lieferkette. Ebenso das deutsche Lieferkettengesetz, das große Firmen verpflichtet, Kinderarbeit und Umweltschäden bei Zulieferern zu prüfen. Ein Erdbeben in Taiwan oder ein blockierter Suezkanal wirkt sich innerhalb von Wochen auf Preise in europäischen Läden aus.
Ein verbreiteter Irrtum ist, die Lieferkette sei bloß der Transport. Logistik ist nur ein Teil davon. Genauso wichtig sind Planung, Einkauf, Qualitätskontrolle und Verträge mit Lieferanten. Software hilft dabei, Bestände und Bestellungen vorherzusagen, und genau hier setzen inzwischen viele KI-Anwendungen an.