Seed-Runde

Seed-Runde

Die Seed-Runde ist die erste größere Geldsammlung eines jungen Unternehmens, meist bevor es fertige Produkte oder Kunden hat. Investoren geben Geld und erhalten dafür einen Anteil an der Firma.

Wer eine Firma gründet, braucht Geld, bevor er etwas verkaufen kann. Gehälter, Computer, Miete und Rechenzeit müssen bezahlt werden. Die Seed-Runde ist die erste größere Geldsammlung, mit der Gründer genau diese Anfangszeit überbrücken. „Seed“ heißt Saatgut: Das Geld ist die Aussaat, die Ernte kommt viel später. Wer einzahlt, bekommt kein Darlehen zurück, sondern einen Anteil an der Firma. Steigt die Firma später im Wert, ist dieser Anteil viel mehr wert; scheitert sie, ist das Geld weg.

Was auf dem Spiel steht: Anteile gegen Startgeld

Für die Gründer ist die Seed-Runde oft die Entscheidung, ob es das Unternehmen überhaupt gibt. Ohne Geld können sie nicht in Vollzeit arbeiten und niemanden einstellen. Typische Seed-Runden liegen heute zwischen einigen Hunderttausend und wenigen Millionen Euro. Damit soll die Firma ein bis zwei Jahre durchhalten. Diese Zeitspanne nennt man in der Branche Runway, also die Startbahn bis zum Abheben.

Der Preis dafür sind Anteile. Wer 15 Prozent seiner Firma abgibt, gibt auch 15 Prozent aller späteren Gewinne ab. Gründer verhandeln deshalb hart über die Bewertung, also den Wert, den man der ganzen Firma zurechnet. Bei einer Bewertung von zehn Millionen Euro kostet ein Anteil von zehn Prozent genau eine Million. Die Zahl ist am Anfang reine Verhandlungssache, denn Umsätze gibt es meist noch keine.

Für Investoren ist die Seed-Phase das riskanteste Feld überhaupt. Die meisten dieser jungen Firmen verschwinden wieder. Deshalb rechnen Geldgeber damit, dass ein einziger großer Erfolg alle Verluste ausgleicht. Diese Logik erklärt, warum sie fast nur auf sehr schnell wachsende Ideen setzen.

Vom Pitch zum Term Sheet

Am Anfang steht eine Präsentation, der Pitch. Die Gründer erklären in wenigen Minuten das Problem, ihre Lösung und den möglichen Markt. Danach prüfen Investoren das Team, die Technik und die Zahlen. Diese Prüfung heißt Due Diligence und dauert oft Wochen.

Sind sich beide Seiten einig, gibt es ein Term Sheet. Das ist eine kurze Absichtserklärung mit den wichtigsten Bedingungen: Summe, Bewertung, Rechte der Investoren. Erst danach folgt der eigentliche Vertrag beim Notar. Häufig führt ein Investor die Runde an und legt die Bedingungen fest, kleinere Geldgeber schließen sich diesen Bedingungen an.

Wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Begriffen. Noch früher liegt die Pre-Seed-Runde, oft nur mit Geld von Familie, Freunden oder sehr kleinen Fonds. Danach kommt die Serie A: Dort will man bereits echte Kunden und Wachstum sehen. Ein verbreiteter Irrtum ist, Seed-Geld sei ein Kredit. Es ist eine Beteiligung, und der Investor sitzt danach mit am Tisch.

Seed-Runden in den Tech-News

Meldungen wie „KI-Start-up sammelt 4 Millionen Euro Seed-Kapital ein“ liest man fast täglich. Dahinter stehen meist Wagniskapitalfonds, auf Englisch Venture Capital, sowie Business Angels. Ein Business Angel ist eine Einzelperson, oft selbst früher Gründer, die eigenes Geld und Erfahrung einbringt. In Deutschland kommen staatliche Geldgeber wie der High-Tech Gründerfonds häufig dazu.

Bei KI-Firmen sind die Summen in den letzten Jahren auffällig gestiegen. Der Grund ist einfach: Modelle zu trainieren kostet enorm viel Rechenzeit, und die muss man mieten. Manche Teams sammeln deshalb schon in der Seed-Runde zweistellige Millionenbeträge ein, obwohl sie nur eine Handvoll Mitarbeiter haben. Kritiker sehen darin ein Zeichen für überhitzte Erwartungen.

Für Leser von Wirtschaftsnachrichten ist die Seed-Runde ein Frühindikator. Sie zeigt, welche Themen Investoren gerade für die Zukunft halten, lange bevor Produkte im Laden stehen. Trocknen die Seed-Runden einer Branche aus, folgt oft ein Rückgang der ganzen Branche einige Jahre später.

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