RSS

RSS ist ein einheitliches Dateiformat, mit dem Webseiten ihre neuesten Beiträge maschinenlesbar zum Abruf bereitstellen. Ein Programm holt diese Datei regelmäßig ab und sammelt so Meldungen aus vielen Quellen an einem Ort.

Viele Webseiten veröffentlichen laufend neue Beiträge. Wer nichts verpassen will, müsste jede Seite einzeln aufrufen und nachsehen. RSS löst dieses Problem anders herum: Die Seite legt eine zusätzliche Datei ab, in der ihre neuesten Beiträge ordentlich aufgelistet stehen. Darin steht zu jedem Beitrag Titel, Datum, eine kurze Zusammenfassung und der Link zum vollständigen Text. Ein Programm auf deinem Gerät ruft diese Datei regelmäßig ab und zeigt dir alles Neue in einer einzigen Liste. Das Kürzel steht für „Really Simple Syndication“, also etwa „sehr einfache Weiterverbreitung“.

Nachrichten ohne Algorithmus dazwischen

Der wichtigste Unterschied zu sozialen Netzwerken liegt in der Auswahl. Bei Instagram oder TikTok entscheidet ein Empfehlungssystem, welche Beiträge du siehst und in welcher Reihenfolge. Bei RSS entscheidest ausschließlich du, welche Quellen du abonnierst. Alles, was diese Quellen veröffentlichen, landet in deiner Liste, meist einfach nach Zeit sortiert. Es gibt niemanden, der sortiert, filtert oder Werbung dazwischenschiebt.

Dazu kommt die Unabhängigkeit von einzelnen Firmen. RSS ist ein offener Standard, den niemand besitzt und für den man kein Konto braucht. Wenn dein Leseprogramm eingestellt wird, wechselst du zu einem anderen und nimmst deine Abonnements als Datei mit. Genau deshalb hat sich das Format seit den frühen 2000er-Jahren gehalten, obwohl große Anbieter es zwischenzeitlich fallen ließen. Google stellte 2013 seinen beliebten Reader ein, doch das Format selbst überlebte problemlos.

Für die KI-Branche ist RSS aus einem weiteren Grund interessant. Wer aktuelle Nachrichten automatisch verarbeiten will, braucht sie in maschinenlesbarer Form. Eine normale Webseite muss ein Programm mühsam auseinandernehmen, weil Text, Menüs und Werbung vermischt sind. Ein RSS-Feed liefert dagegen bereits sauber getrennte Felder.

Was in so einer Feed-Datei steht

Ein Feed ist eine Textdatei in einem festen Aufbau, meist im Format XML. XML bedeutet, dass jede Information von Markierungen eingerahmt wird, ähnlich wie beschriftete Schubladen. Ein Programm erkennt dadurch zuverlässig, welcher Teil der Titel ist und welcher das Datum. Ganz oben stehen Angaben zur Quelle selbst, darunter folgen die einzelnen Beiträge als Einträge.

Der Abruf funktioniert nach dem Holprinzip. Dein Leseprogramm fragt die Adresse des Feeds in festen Abständen ab, etwa jede Stunde. Es vergleicht die Liste mit dem, was es beim letzten Mal gesehen hat, und markiert alles Neue als ungelesen. Die Webseite selbst schickt dir nichts und weiß im Grunde nicht, dass du sie liest. Das ist der Gegensatz zu einer Push-Benachrichtigung, bei der der Anbieter aktiv an dein Gerät sendet.

Neben RSS existiert das sehr ähnliche Format Atom, das technisch etwas sauberer definiert ist. Im Alltag spielt der Unterschied kaum eine Rolle, weil praktisch jedes Leseprogramm beide versteht. Umgangssprachlich sagt man ohnehin zu allem „RSS-Feed“.

Podcasts, Newsreader und Datenpipelines

Am weitesten verbreitet ist RSS heute bei Podcasts, ohne dass die meisten Hörer davon wissen. Jeder Podcast ist im Kern ein RSS-Feed, in dem statt Artikeln Audiodateien verlinkt sind. Deine Podcast-App prüft diesen Feed und lädt neue Folgen herunter. Weil das Format offen ist, kann derselbe Podcast gleichzeitig in Spotify, Apple Podcasts und jeder anderen App erscheinen.

Zum Lesen von Nachrichten nutzt man Programme wie Feedly, NetNewsWire oder das quelloffene Miniflux. Du fügst dort die Adressen der Seiten ein, die dich interessieren, und bekommst einen gemeinsamen Nachrichtenstrom. Viele Redaktionen, Behörden und Blogs bieten ihren Feed weiterhin an, oft unauffällig im Fußbereich der Seite verlinkt.

In der Technikbranche taucht RSS außerdem als Baustein in automatischen Abläufen auf. Ein Programm liest Feeds mehrerer Nachrichtenseiten aus, schickt die Texte an ein Sprachmodell und lässt sie zusammenfassen oder nach Themen sortieren. Auch Kursalarme, Bahnmeldungen oder Software-Updates werden so verteilt. Ein häufiger Irrtum ist, RSS sei tot: Es ist nur unsichtbar geworden und arbeitet im Hintergrund weiter.

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