Querschnitt durch den Kortex: sechs übereinanderliegende Zellschichten, senkrecht dazu eine markierte Säule aus Nervenzellen, mit Pfeilen für den eingehenden Sinnesreiz sowie Rückmeldungen von höheren Bereichen nach unten.

Kortex

Der Kortex ist die äußere, gefaltete Schicht des menschlichen Gehirns, in der Wahrnehmung, Sprache und Denken verarbeitet werden. In der KI-Welt dient er als Vorbild und Namensgeber: Viele Fachbegriffe und Produktnamen berufen sich auf seinen Aufbau aus gleichartigen, in Schichten organisierten Nervenzellen.

Der Kortex ist die äußere Schicht des menschlichen Gehirns. Sie ist nur wenige Millimeter dick, aber stark gefaltet, damit viel Fläche in den Schädel passt. In dieser Schicht sitzen die Nervenzellen, die Sinneseindrücke verarbeiten, Bewegungen steuern und Sprache verstehen. Der deutsche Name lautet Großhirnrinde, im Englischen schreibt man meist „cortex“. Für die Informatik ist der Kortex vor allem eines: das bekannteste Beispiel dafür, dass sehr einfache, gleichartige Bauteile gemeinsam etwas sehr Kompliziertes leisten können. Genau diese Idee steckt hinter dem Begriff des künstlichen neuronalen Netzes, also einem Rechenmodell aus vielen kleinen, miteinander verbundenen Recheneinheiten.

Der Kortex als Vorbild für neuronale Netze

Als Forscher in den 1940er Jahren die ersten Rechenmodelle für Lernen entwarfen, schauten sie auf das Gehirn. Sie bemerkten, dass der Kortex überall ähnlich aussieht. Die Region, die Bilder verarbeitet, ist ähnlich aufgebaut wie die Region für Töne. Daraus entstand eine kühne Vermutung: Vielleicht gibt es nur einen einzigen Lernmechanismus, der je nach Eingangsdaten etwas anderes lernt.

Diese Vermutung prägt die KI-Forschung bis heute. Moderne Sprachmodelle bestehen aus dutzenden nahezu identischen Schichten. Niemand programmiert einzeln ein, wie Grammatik funktioniert. Man baut viele gleichartige Bausteine und lässt sie aus Daten lernen. Dass dieser Ansatz überhaupt plausibel erschien, geht auf die Beobachtung am Kortex zurück.

Wichtig ist die Abgrenzung: Ein künstliches neuronales Netz ist kein Modell des Kortex. Es ist eine Vereinfachung, die sich vom biologischen Vorbild weit entfernt hat. Echte Nervenzellen senden kurze elektrische Impulse und verändern ihre Verbindungen selbst. Künstliche Einheiten rechnen nur mit Zahlen. Wer sagt, ein Chatbot funktioniere wie ein Gehirn, geht deutlich zu weit.

Schichten, Spalten und Rückmeldungen

Der Kortex ist in etwa sechs Lagen aufgeteilt, die übereinanderliegen. Signale von den Sinnesorganen treffen zuerst in einer mittleren Lage ein. Von dort werden sie nach oben und unten weitergegeben. Jede Lage hat eine eigene Aufgabe im Weiterleiten der Information.

Senkrecht zu diesen Lagen bilden die Zellen sogenannte Säulen oder Kolumnen. Eine solche Säule enthält einige tausend Nervenzellen, die auf einen sehr kleinen Ausschnitt reagieren, etwa auf einen Strich in einer bestimmten Neigung. Man kann sich das wie ein Raster aus Bildpunkten vorstellen, bei dem jeder Punkt einen eigenen kleinen Fachbereich hat.

Ein entscheidender Unterschied zu vielen KI-Systemen: Im Kortex fließt Information in beide Richtungen. Es gibt sehr viele Verbindungen, die von höheren Bereichen zurück zu den einfacheren laufen. Erwartungen beeinflussen also, was man wahrnimmt. Deshalb erkennt man ein verwaschenes Wort im Satz trotzdem richtig. Solche Rückkopplungen nachzubauen, gilt in der Forschung als offenes Problem.

Wo der Name in der Tech-Branche auftaucht

In Nachrichten stößt man auf „Cortex“ oft als Produktnamen. Der Chip-Entwickler ARM nennt seine Prozessorkerne Cortex, sie stecken in fast jedem Smartphone. Auch Software von Nvidia, Palo Alto Networks oder Cloudflare trägt den Namen. Er soll Klugheit und Leistungsfähigkeit signalisieren und hat mit Biologie meist nichts zu tun.

Ernst gemeint ist der Bezug bei einer Forschungsrichtung, die man neuromorphes Rechnen nennt. Dabei baut man Chips, die wie Nervenzellen mit kurzen Impulsen arbeiten statt mit gleichmäßigem Rechentakt. Solche Chips brauchen sehr wenig Strom. Sie sind bisher Nischenprodukte, gelten aber als Hoffnung für KI in Sensoren und Kleingeräten.

Wenn dir in einem Artikel eine Formulierung wie „arbeitet wie der menschliche Kortex“ begegnet, lohnt Skepsis. Meist heißt es nur, dass das System aus vielen einfachen, gleichartigen Einheiten besteht. Das ist eine lose Anlehnung, kein Nachbau. Der echte Kortex ist bis heute nicht vollständig verstanden.

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