Kurs-Umsatz-Verhältnis

Kurs-Umsatz-Verhältnis

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis zeigt, wie viel eine Aktie im Vergleich zu den Verkaufserlösen des Unternehmens kostet. Es wird oft bei jungen Technologiefirmen benutzt, die noch keinen Gewinn machen.

Wer eine Aktie kauft, kauft einen kleinen Anteil an einem Unternehmen. Die Frage ist dann immer: Ist dieser Anteil sein Geld wert? Eine einfache Antwort liefert das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Man teilt den Preis der Aktie durch den Umsatz, der auf diese eine Aktie entfällt. Umsatz ist dabei alles Geld, das die Firma in einem Jahr durch Verkäufe eingenommen hat, noch ohne Abzug der Kosten. Ergibt die Rechnung 5, dann zahlen Anleger für die Firma das Fünffache ihrer Jahreseinnahmen.

Die Kennzahl für Firmen ohne Gewinn

Die bekanntere Kennzahl an der Börse ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Dort wird der Aktienkurs nicht durch den Umsatz geteilt, sondern durch den Gewinn. Der Gewinn ist das, was nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Bei vielen jungen Technologiefirmen gibt es diesen Gewinn aber gar nicht. Sie geben mehr aus, als sie einnehmen, weil sie schnell wachsen wollen.

Bei einem Verlust lässt sich das KGV nicht sinnvoll berechnen. Man müsste durch eine negative Zahl teilen, und das Ergebnis wäre unbrauchbar. Der Umsatz dagegen ist fast immer positiv. Deshalb greifen Analysten bei Startups, Softwarefirmen und KI-Unternehmen zum Kurs-Umsatz-Verhältnis. Es ist häufig die einzige Bewertungskennzahl, die überhaupt eine Zahl liefert.

Wichtig ist dabei die Einordnung. Ein hohes Kurs-Umsatz-Verhältnis bedeutet, dass Anleger auf starkes künftiges Wachstum wetten. Ein niedriges kann auf ein Schnäppchen hindeuten oder auf ein Unternehmen in Schwierigkeiten. Die Zahl allein sagt nie, ob eine Aktie zu teuer ist.

Die Rechnung hinter der Zahl

Es gibt zwei gleichwertige Wege zum Ergebnis. Beim ersten teilt man den Kurs einer einzelnen Aktie durch den Umsatz pro Aktie. Beim zweiten teilt man den Wert aller Aktien zusammen durch den Gesamtumsatz. Dieser Wert aller Aktien heißt Marktkapitalisierung. Beide Wege führen zur selben Zahl.

Ein Beispiel: Eine Firma ist an der Börse 20 Milliarden Euro wert und verkauft im Jahr Produkte für 4 Milliarden Euro. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt dann 5. Ein Konkurrent mit demselben Umsatz, aber nur 8 Milliarden Börsenwert, kommt auf 2. Der zweite ist gemessen an seinen Einnahmen deutlich günstiger bewertet.

Ein Vergleich ergibt allerdings nur innerhalb derselben Branche Sinn. Ein Supermarkt macht riesige Umsätze bei winzigen Margen, also bleibt kaum etwas hängen. Sein Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt oft unter 1. Ein Softwarehersteller verkauft dasselbe Programm tausendfach fast ohne Zusatzkosten. Bei ihm sind Werte von 10 oder mehr normal. Ein Supermarkt und ein Softwarehaus lassen sich mit dieser Kennzahl nicht sinnvoll gegeneinander stellen.

KUV in Börsenmeldungen über KI-Firmen

In Nachrichten über den KI-Boom taucht die Kennzahl ständig auf. Wenn ein Unternehmen mit wenigen hundert Millionen Umsatz plötzlich zweistellige Milliarden wert ist, wird die Zahl zum Aufhänger. Formulierungen wie „bewertet mit dem Vierzigfachen des Umsatzes“ meinen genau dieses Verhältnis. Sie sind meist ein Hinweis darauf, dass der Autor die Bewertung für sehr sportlich hält.

Auch bei Börsengängen spielt das KUV eine Rolle. Vor dem ersten Handelstag gibt es kaum verlässliche Gewinnzahlen. Banken orientieren sich dann am Umsatz und an den Werten vergleichbarer Firmen. So entsteht der Preis, zu dem die Aktien zuerst angeboten werden.

Ein verbreiteter Irrtum ist, ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis sei automatisch ein Kaufsignal. Umsatz sagt nichts darüber, ob eine Firma profitabel arbeitet. Ein Unternehmen kann viel verkaufen und trotzdem dauerhaft Verluste schreiben. Erfahrene Anleger betrachten die Kennzahl deshalb nie allein, sondern zusammen mit Gewinnmarge, Wachstumstempo und Schulden.

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