Ablaufskizze: Links die Nutzeranfrage in Alltagssprache, in der Mitte ein KI-Modell, das daraus eine strukturierte Bauanleitung erzeugt, daneben ein Baukasten mit fertigen Bausteinen wie Kalender, Diagramm und Knopf, rechts der daraus zusammengesetzte fertige Bildschirm.

GenUI

GenUI bezeichnet Benutzeroberflächen, die nicht fest programmiert sind, sondern im Moment der Nutzung von einem KI-Programm passend zur Anfrage zusammengesetzt werden. Statt einer immer gleichen Seite bekommt jeder Nutzer die Schaltflächen, Tabellen oder Formulare, die gerade zu seinem Anliegen passen.

Alles, was du auf einem Bildschirm siehst und anklicken kannst, nennt man Benutzeroberfläche: Knöpfe, Menüs, Eingabefelder, Tabellen. Normalerweise hat ein Mensch diese Oberfläche vorher entworfen und programmiert. Sie sieht deshalb für jeden Nutzer gleich aus, egal was er gerade will. GenUI dreht das um: Ein Programm setzt die Oberfläche erst in dem Moment zusammen, in dem du sie brauchst. Es entscheidet also selbst, ob du eine Tabelle, ein Formular oder eine Landkarte siehst. Grundlage dafür ist ein KI-System, das aus riesigen Mengen Text und Code gelernt hat, welche Darstellung zu welcher Anfrage passt.

Warum Chatfenster allein nicht reichen

Seit ChatGPT sprechen viele Menschen mit Software in ganzen Sätzen. Für Fragen funktioniert das gut. Für Handlungen ist reiner Text aber oft umständlich. Wenn du einen Flug buchen willst, ist ein Kalender zum Antippen schneller als der Satz „bitte den 14. März, aber wenn der teuer ist, lieber den 15.“.

GenUI soll beide Welten verbinden. Du beschreibst dein Anliegen in Worten, bekommst aber echte Bedienelemente zurück. Ein Schieberegler für den Preis, eine Karte mit Hotels, ein Knopf zum Buchen. Das reduziert Missverständnisse, weil du siehst, was das System vorhat, statt es dir nur beschreiben zu lassen.

Für Unternehmen steckt darin ein wirtschaftliches Versprechen. Klassische Software braucht für jede neue Funktion einen eigenen Bildschirm, den jemand entwerfen und pflegen muss. Wenn Oberflächen automatisch entstehen, sinkt dieser Aufwand. Ob das in der Praxis wirklich billiger wird, ist allerdings noch offen.

Wie die Oberfläche zur Laufzeit entsteht

Die KI malt keine Bilder von Knöpfen. Sie erzeugt stattdessen eine Beschreibung der Oberfläche in einer strukturierten Form, ähnlich einer Bauanleitung. Darin steht zum Beispiel: oben eine Überschrift, darunter eine Tabelle mit drei Spalten, unten ein Knopf mit der Aufschrift „Bestätigen“. Die eigentliche App liest diese Anleitung und baut daraus die sichtbare Seite.

Wichtig ist dabei, dass die KI meist nicht frei erfindet. Entwickler geben ihr einen festen Baukasten vor, eine sogenannte Komponentenbibliothek. Darin liegen fertige, geprüfte Bausteine: Kalender, Diagramm, Suchfeld, Warnhinweis. Die KI wählt nur aus, welche Bausteine sie in welcher Reihenfolge kombiniert und mit welchen Daten sie sie füllt.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu KI, die einfach Programmcode schreibt. Beim Codeschreiben entsteht ein Text, den ein Mensch prüft und später veröffentlicht. Bei GenUI entsteht die Oberfläche live, während du sie benutzt, und verschwindet danach wieder. Genau darin liegt auch das größte Risiko: Wenn das Modell einen falschen Baustein wählt, sieht der Nutzer einen unsinnigen Bildschirm, und niemand hat vorher darübergeschaut.

GenUI in aktuellen Produkten

Erste Beispiele siehst du bereits in Chatbots. Fragst du nach dem Wetter, erscheint statt eines Textabsatzes eine kleine Wetterkarte mit Symbolen. Fragst du nach Aktienkursen, kommt ein Diagramm. Auch Shopping-Assistenten zeigen Produktkacheln mit Bild und Kaufknopf, die je nach Anfrage anders zusammengestellt sind.

In der Tech-Branche gilt GenUI als möglicher nächster Schritt nach dem Chatfenster. Anbieter wie OpenAI, Google und Vercel arbeiten an Werkzeugen dafür, und Entwickler diskutieren Standards, mit denen KI-Systeme Oberflächenbausteine anfordern können. Wenn du in Wirtschaftsnachrichten von „generativen Oberflächen“ liest, geht es meist um dieses Rennen.

Ein verbreiteter Irrtum ist, GenUI mache Designer überflüssig. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher: Jemand muss die Bausteine gestalten, aus denen die KI auswählt, und die Regeln festlegen, was sie nicht tun darf. Die Arbeit verschiebt sich vom einzelnen Bildschirm hin zum Baukasten dahinter.

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