Vierstufiges Schema: Kamerabild eines Gesichts, dann dasselbe Gesicht mit gesetzten Landmarkenpunkten an Augen, Nase und Mund, daraus berechnete Abstände und Winkel, schließlich ein Zahlenvektor als Template, der mit einem gespeicherten Template verglichen wird.

Gesichtsgeometrie

Gesichtsgeometrie bezeichnet die vermessbare Form eines Gesichts: Abstände, Winkel und Wölbungen zwischen Punkten wie Augen, Nase und Kinn. Computer wandeln diese Maße in eine Zahlenreihe um und können damit Personen erkennen oder unterscheiden.

Jedes Gesicht hat eine eigene Form. Die Augen stehen unterschiedlich weit auseinander, die Nase ist verschieden lang, das Kinn mal spitzer, mal breiter. Gesichtsgeometrie ist genau das: die messbare Form eines Gesichts, ausgedrückt in Abständen, Winkeln und Wölbungen. Ein Computer setzt dafür viele kleine Markierungspunkte auf ein Foto, etwa an Augenwinkel, Nasenspitze und Mundränder. Aus den Beziehungen dieser Punkte zueinander entsteht eine lange Zahlenreihe, die für eine Person recht typisch ist. Diese Zahlenreihe kann eine Software später mit anderen vergleichen.

Warum ein Gesicht wie ein Passwort behandelt wird

Gesichtsgeometrie zählt rechtlich zu den biometrischen Daten. Biometrisch heißt: Daten, die aus dem Körper selbst stammen und eine Person eindeutig kennzeichnen. Dazu gehören auch Fingerabdruck, Iris oder Stimme. Solche Daten sind heikel, weil man sie nicht wechseln kann. Ein gestohlenes Passwort ersetzt man in zwei Minuten. Ein Gesicht behält man ein Leben lang.

Deshalb steht Gesichtsgeometrie in Europa unter besonders strengem Schutz. Die Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, verbietet die Verarbeitung solcher Daten grundsätzlich und erlaubt sie nur in klar geregelten Ausnahmen. Meist braucht ein Unternehmen dafür eine ausdrückliche Einwilligung. Der AI Act der EU geht noch weiter: Er verbietet zum Beispiel das wahllose Abgreifen von Gesichtsbildern aus dem Internet zum Aufbau von Erkennungsdatenbanken.

Auch wirtschaftlich ist das Thema relevant. In den USA hat der Bundesstaat Illinois ein eigenes Biometrie-Gesetz, das Firmen bei Verstößen pro betroffener Person zahlen lässt. Große Technologiekonzerne haben deshalb schon Vergleiche in dreistelliger Millionenhöhe geschlossen. Wer Gesichtsdaten verarbeitet, geht also ein echtes finanzielles Risiko ein.

Vom Foto zur Zahlenreihe

Der erste Schritt ist die Gesichtserkennung im engeren Sinn: Die Software sucht im Bild überhaupt erst ein Gesicht. Danach setzt sie sogenannte Landmarken, also feste Bezugspunkte. Typisch sind 68 solcher Punkte, in aufwendigeren Systemen mehrere hundert oder tausend. Aus ihnen berechnet das Programm Verhältnisse, etwa den Augenabstand geteilt durch die Nasenlänge. Verhältnisse sind praktisch, weil sie gleich bleiben, egal ob man nah oder weit von der Kamera entfernt steht.

Moderne Systeme arbeiten allerdings kaum noch mit einzelnen Handmaßen. Stattdessen presst ein trainiertes neuronales Netz das Gesicht in einen Vektor, also eine Liste von meist 128 bis 512 Zahlen. Diese Liste nennt man Template oder Einbettung. Zwei Bilder derselben Person ergeben Vektoren, die dicht beieinander liegen. Bilder verschiedener Personen liegen weit auseinander. Der Vergleich ist dann reine Rechnerei mit Abständen.

Ein häufiger Irrtum: Aus dem Template lasse sich das Originalfoto nicht zurückgewinnen. Das stimmt nur eingeschränkt, denn Forschende haben aus solchen Vektoren schon erkennbare Gesichter rekonstruiert. Ein zweiter Irrtum betrifft die Genauigkeit. Die Trefferquote hängt stark von Licht, Blickwinkel und Bildqualität ab, und ältere Systeme lagen bei manchen Bevölkerungsgruppen deutlich häufiger falsch als bei anderen.

Vom Handy-Entsperren bis zur Bahnhofskamera

Am häufigsten begegnet einem Gesichtsgeometrie beim Entsperren des Smartphones. Manche Geräte projizieren dafür tausende unsichtbare Infrarotpunkte auf das Gesicht und messen deren Verzerrung. So entsteht eine dreidimensionale Tiefenkarte, die sich mit einem ausgedruckten Foto nicht austricksen lässt. Das Template bleibt dabei in einem abgeschotteten Chipbereich im Gerät und wandert nicht in die Cloud.

Ebenso verbreitet sind die automatischen Passkontrollen am Flughafen. Dort vergleicht ein Automat das Live-Bild mit dem Chipfoto im Reisepass. Auch Banken nutzen das Verfahren, wenn sie bei einer Kontoeröffnung die Identität per Video prüfen. In sozialen Netzwerken steckt dieselbe Technik hinter Filtern, die eine Sonnenbrille passgenau auf die Nase legen.

In den Nachrichten taucht der Begriff meist im Streit um Überwachung auf. Es geht dann um Kameras an Bahnhöfen, die Passanten mit Fahndungslisten abgleichen sollen. Solche Live-Erkennung im öffentlichen Raum ist in der EU grundsätzlich verboten und nur bei schweren Straftaten und mit richterlicher Erlaubnis denkbar. Wenn du also von einem Bußgeld gegen eine App oder einem neuen Überwachungsprojekt liest, ist Gesichtsgeometrie oft der technische Kern der Debatte.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.