Ablaufskizze: Nutzeranfrage geht an ein Sprachmodell, dieses gibt eine strukturierte Beschreibung im JSON-Format aus, die App wählt daraus vorgefertigte Bausteine wie Diagramm, Karte und Formular und setzt sie zur fertigen Oberfläche zusammen; ein Rückpfeil von einem Klick des Nutzers führt zurück zum Modell.

Generative UI

Generative UI bezeichnet Benutzeroberflächen, die nicht fest programmiert sind, sondern im Moment der Nutzung von einem KI-System zusammengestellt werden. Statt einer immer gleichen Seite bekommt jeder Nutzer die Bedienelemente, die zu seiner konkreten Anfrage passen.

Jede App und jede Webseite hat eine Oberfläche: Knöpfe, Eingabefelder, Tabellen, Karten. Normalerweise legen Entwickler diese Oberfläche vorher fest, und sie sieht für alle Nutzer gleich aus. Bei einer Generative UI ist das anders. Hier entscheidet ein Programm mit künstlicher Intelligenz erst im Moment der Nutzung, welche Elemente angezeigt werden. Fragt jemand nach dem Wetter, erscheint eine Wetterkarte. Fragt jemand nach einem Flug, erscheint ein Buchungsformular. Die Oberfläche wird also erzeugt statt abgerufen, und deshalb spricht man von „generativ“.

Warum Chatfenster allein zu wenig sind

Die meisten KI-Anwendungen antworten heute mit Text. Text ist flexibel, aber für viele Aufgaben ein schlechtes Werkzeug. Wer einen Termin auswählen will, braucht keinen Absatz mit sieben Datumsangaben, sondern einen Kalender zum Antippen. Wer Zahlen vergleicht, versteht ein Diagramm schneller als eine Aufzählung. Generative UI soll diese Lücke schließen.

Für Unternehmen steckt darin ein wirtschaftliches Versprechen. Klassische Software muss jeden denkbaren Anwendungsfall vorab als eigene Seite bauen. Ein Onlineshop hat Filter für Preis, Marke und Größe, weil jemand sie programmiert hat. Eine generative Oberfläche könnte stattdessen für jede Suchanfrage passende Filter erfinden. Das spart Entwicklungsarbeit und wirkt persönlicher.

Gleichzeitig ist das ein Bruch mit einem alten Grundsatz des Software-Designs. Bisher galt: Eine gute Oberfläche ist vorhersehbar, der Knopf liegt immer an derselben Stelle. Wenn sich die Oberfläche ständig ändert, geht diese Verlässlichkeit verloren. Genau daran arbeitet sich die Diskussion um Generative UI derzeit ab.

Bausteine statt frei gemalter Bildschirme

Ein verbreiteter Irrtum ist, die KI würde die Oberfläche als Bild malen. Das tut sie nicht. In der Praxis bekommt das Sprachmodell einen festen Baukasten von Bausteinen: Tabelle, Diagramm, Karte, Schieberegler, Auswahlliste. Diese Bausteine haben Entwickler ganz normal programmiert. Das Modell wählt nur aus, welche davon es benutzt und mit welchen Inhalten es sie füllt.

Man kann sich das wie einen Setzkasten vorstellen. Die Formen liegen bereit, die KI stellt sie pro Anfrage neu zusammen. Technisch gibt das Modell dafür eine strukturierte Beschreibung aus, meist in einem maschinenlesbaren Format wie JSON. Die App liest diese Beschreibung und baut daraus die sichtbare Oberfläche. Dieser Umweg ist wichtig, denn so kann die KI nichts anzeigen, was die Entwickler nicht erlaubt haben.

Häufig kommt noch ein zweiter Schritt dazu. Die Oberfläche ist nicht nur Anzeige, sondern kann auch Aktionen auslösen. Klickt jemand auf „Termin bestätigen“, meldet die Oberfläche das zurück an das Modell, und der Dialog geht weiter. Oberfläche und Gespräch verschmelzen dadurch zu einem einzigen Ablauf.

Wo generative Oberflächen schon auftauchen

Erste Beispiele findet man in großen Chatbots. Wenn ChatGPT oder Google Gemini bei einer Aktienfrage einen Kursverlauf einblenden oder bei einer Reisefrage eine Karte, ist das eine einfache Form davon. Auch Suchmaschinen experimentieren damit, Ergebnisse je nach Frage unterschiedlich zu arrangieren. Für Entwickler gibt es fertige Werkzeugkästen, etwa das AI SDK von Vercel, das genau solche Bausteine mitbringt.

In Wirtschaftsnachrichten fällt der Begriff meist im Zusammenhang mit der Frage, wie Software künftig verkauft wird. Wenn Oberflächen automatisch entstehen, verschiebt sich der Wert weg vom Aussehen einer App und hin zu den Daten und Funktionen dahinter. Das betrifft besonders Anbieter von Unternehmenssoftware, deren Produkt bislang stark über die Bedienoberfläche definiert war.

Abzugrenzen ist Generative UI von zwei ähnlichen Begriffen. „Vibe Coding“ meint, dass eine KI den Programmcode einer App schreibt, der dann fest bestehen bleibt. Klassische Personalisierung wiederum wählt aus vorgefertigten Varianten aus, etwa eine Startseite für Neukunden. Generative UI erzeugt die Ansicht dagegen jedes Mal neu, im Moment der Anfrage. Ob sich das durchsetzt, ist offen, denn Nutzer müssen dabei Vertrauen in eine Oberfläche fassen, die sie so vielleicht nie wiedersehen.

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