Vite
Vite ist ein Werkzeug, mit dem Entwickler moderne Webseiten und Web-Anwendungen bauen. Es sorgt dafür, dass Änderungen am Programmcode im Browser fast sofort sichtbar werden, und packt das fertige Projekt am Ende in eine kompakte Form für den Server.
Wer eine moderne Webseite programmiert, schreibt den Code selten so, wie ihn ein Browser am Ende liest. Der Code liegt in vielen kleinen Dateien, ist in neueren Sprachvarianten geschrieben und enthält Bausteine aus fremden Bibliotheken. Zwischen diesem geschriebenen Code und der fertigen Seite braucht es deshalb ein Übersetzungs- und Verpackungsprogramm. Genau das ist Vite: ein solches Werkzeug, entwickelt von Evan You, dem Erfinder des Web-Frameworks Vue. Der Name kommt vom französischen Wort für « schnell », und Geschwindigkeit ist tatsächlich der Grund für seine Verbreitung. Vite ist kostenlos und quelloffen, sein Programmcode ist also für alle einsehbar.
Warum Wartezeit beim Programmieren teuer ist
Beim Entwickeln ändert man eine Zeile Code und schaut sofort im Browser nach, ob es funktioniert. Diesen Kreislauf durchläuft ein Entwickler hunderte Male am Tag. Wenn jede Änderung zehn Sekunden Wartezeit kostet, summiert sich das zu Stunden. Schlimmer als die verlorene Zeit ist der Bruch in der Konzentration.
Die älteren Werkzeuge dieser Art, vor allem Webpack, hatten hier ein wachsendes Problem. Sie mussten beim Start das komplette Projekt einmal komplett durchrechnen. Bei großen Anwendungen dauerte das schnell eine halbe Minute oder länger. Vite startet dagegen fast immer in unter einer Sekunde, weil es diese Vorarbeit weitgehend überspringt.
Das erklärt, warum Vite sich seit etwa 2021 sehr schnell durchgesetzt hat. Es ist heute die Standardempfehlung für neue Projekte in vielen Frameworks, also in vorgefertigten Gerüsten für Web-Anwendungen. Dazu zählen Vue, React, Svelte und Angular. Wenn du irgendwo liest, ein Projekt sei « auf Vite umgestiegen », geht es fast immer um diesen Zeitgewinn.
Der Trick mit den nativen Modulen
Moderne Browser können selbst mit einzelnen Code-Dateien umgehen und nachladen, was sie gerade brauchen. Diese Fähigkeit heißt ES-Module. Vite nutzt sie aus: Während der Entwicklung liefert es die Dateien einfach einzeln aus, sobald der Browser danach fragt. Verarbeitet wird nur, was gerade auf dem Bildschirm gebraucht wird. Ein Projekt mit tausend Dateien startet dadurch genauso schnell wie eines mit zwanzig.
Fremde Bibliotheken behandelt Vite anders, denn die ändern sich nie. Sie werden einmal beim ersten Start vorverarbeitet, und zwar mit einem Werkzeug namens esbuild, das in der Programmiersprache Go geschrieben ist. Diese Sprache ist deutlich schneller als das sonst übliche JavaScript. Danach liegen die Bibliotheken fertig zwischengespeichert bereit.
Für den fertigen Auftritt im Internet schaltet Vite auf einen zweiten Modus um. Dort bündelt es doch alles zu wenigen optimierten Dateien, mit einem Werkzeug namens Rollup. Das ist sinnvoll, weil tausende Einzelanfragen eine echte Webseite langsam machen würden. Vite hat also bewusst zwei Betriebsarten: eine schnelle zum Entwickeln, eine sparsame für die Veröffentlichung.
Wo Vite in Projekten und Meldungen auftaucht
Als normaler Internetnutzer siehst du Vite nie direkt. Es läuft auf dem Rechner der Entwickler und hinterlässt in der fertigen Seite keine sichtbare Spur. Trotzdem wurden viele Web-Oberflächen, die du täglich benutzt, damit gebaut. Anders gesagt: Vite ist Werkzeug, kein Bestandteil des Produkts.
Auffällig ist Vite im Umfeld von KI-Werkzeugen. Dienste, die auf Zuruf kleine Web-Anwendungen erzeugen, setzen im Hintergrund fast alle darauf. Der Grund ist derselbe wie beim Menschen: Man will das Ergebnis sofort sehen, ohne auf einen langen Bauvorgang zu warten. Auch Programmierumgebungen im Browser nutzen Vite aus diesem Grund.
In Tech-Meldungen begegnet dir Vite meist in zwei Zusammenhängen. Erstens bei Finanzierungen: Hinter der Weiterentwicklung steht inzwischen die Firma VoidZero, die dafür Risikokapital eingesammelt hat. Zweitens bei Sicherheitslücken, denn ein so weit verbreitetes Werkzeug betrifft im Fehlerfall sehr viele Projekte gleichzeitig. Ein häufiger Irrtum ist übrigens, Vite mit einem Framework zu verwechseln. Es schreibt dir nicht vor, wie deine Anwendung aufgebaut ist, sondern nur, wie sie zusammengebaut wird.