UNII-4
UNII-4 ist ein Funkbereich rund um 5,9 Gigahertz, den die USA 2020 teilweise für WLAN freigegeben haben. Er war ursprünglich für die Kommunikation zwischen Autos reserviert und liefert heutigen Routern zusätzliche Frequenzen.
Funkgeräte senden nicht auf beliebigen Frequenzen, sondern in festgelegten Bereichen, die Behörden zuteilen. Solche Bereiche nennt man Frequenzbänder. UNII-4 ist der Name eines dieser Bänder, es liegt bei etwa 5,85 bis 5,925 Gigahertz. Die Abkürzung steht für « Unlicensed National Information Infrastructure », also Funk ohne teure Einzellizenz. In den USA darf ein Teil dieses Bandes seit 2020 auch für kabelloses Internet zu Hause genutzt werden. Damit bekommt WLAN dort 45 Megahertz zusätzliche Bandbreite, also zusätzlichen Platz zum Senden.
Warum 45 Megahertz mehr über Tempo entscheiden
Funk funktioniert ähnlich wie eine Straße: Je breiter sie ist, desto mehr Fahrzeuge passen gleichzeitig darauf. Bei WLAN heißt diese Breite Kanalbreite und wird in Megahertz gemessen. Ein sehr breiter Kanal von 160 Megahertz transportiert deutlich mehr Daten pro Sekunde als ein schmaler. Das Problem: Im bisherigen 5-Gigahertz-Bereich gibt es nur wenige Stellen, an denen ein so breiter Kanal überhaupt hineinpasst.
Genau hier hilft UNII-4. Die zusätzlichen 45 Megahertz grenzen direkt an das bestehende 5-Gigahertz-Band an. Dadurch entstehen neue Kombinationen für breite Kanäle, die vorher nicht möglich waren. In dicht bebauten Wohngegenden mit vielen Netzen ist dieser Platz besonders wertvoll.
Wichtig ist die Einschränkung: Die Freigabe gilt für die USA. Europa hat das Band nicht in gleicher Weise für WLAN geöffnet, weil es hier weiter für den Verkehrsfunk vorgesehen ist. Ein Router, der UNII-4 unterstützt, nutzt es in Deutschland deshalb normalerweise nicht.
Wie sich WLAN das Band mit dem Autofunk teilt
Der Bereich um 5,9 Gigahertz war lange komplett für Fahrzeuge reserviert. Autos sollten sich damit gegenseitig vor Staus, Glatteis oder Bremsmanövern warnen. Diese Technik hieß DSRC und wurde in den USA kaum eingesetzt. Die US-Regulierungsbehörde FCC entschied deshalb 2020, den unteren Teil des Bandes an WLAN abzugeben.
Der obere Teil blieb beim Verkehr, jetzt allerdings mit einer neueren Technik namens C-V2X. Damit UNII-4 keine Warnmeldungen zwischen Fahrzeugen stört, gelten strenge Regeln. Geräte dürfen dort nur mit begrenzter Sendeleistung arbeiten, und WLAN-Nutzung im Freien ist stärker eingeschränkt als in Gebäuden.
Technisch ist UNII-4 kein eigener Standard und kein Nachfolger von irgendetwas. Es ist schlicht zusätzlicher Platz, den bestehende Standards wie Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7 mitverwenden können. Ein häufiger Irrtum ist, UNII-4 mit dem 6-Gigahertz-Band zu verwechseln. Dieses ist mit rund 1200 Megahertz um ein Vielfaches größer und wurde zeitlich parallel freigegeben.
Wo der Name in Produktbeschreibungen auftaucht
Auf Verpackungen von Routern liest man UNII-4 selten. Häufiger steht es in technischen Datenblättern, in Firmware-Hinweisen oder in Testberichten von Fachseiten. Dort taucht es meist als Aufzählung auf, etwa « UNII-1 bis UNII-4 unterstützt ». Die Nummern eins bis drei bezeichnen dabei die älteren Abschnitte des 5-Gigahertz-Bereichs.
In Nachrichten begegnet der Begriff vor allem im Streit um Frequenzvergabe. Autohersteller, Mobilfunkanbieter und WLAN-Industrie konkurrieren um dieselben knappen Bänder. UNII-4 gilt dabei als Beispiel dafür, dass eine Reservierung wieder aufgehoben werden kann, wenn die geplante Nutzung ausbleibt.
Für den Alltag in Deutschland spielt UNII-4 derzeit kaum eine Rolle. Relevant wird es, wenn du Geräte aus den USA importierst oder Datenblätter internationaler Hersteller vergleichst. Dann erklärt der Begriff, warum ein Modell dort mehr Kanäle anbietet als hier.