
Uncapped SAFE
Ein Uncapped SAFE ist ein Vertrag, mit dem ein Investor einem jungen Unternehmen Geld gibt und dafür später Anteile bekommt – ohne dass vorher eine Obergrenze für den Unternehmenswert festgelegt wird. Für die Gründer ist das die günstigste Variante, für den Geldgeber die riskanteste.
Wenn ein sehr junges Unternehmen Geld braucht, weiß niemand genau, was die Firma wert ist. Sie hat oft nur eine Idee, ein paar Leute und noch keine Kunden. Trotzdem soll Geld fließen. Deshalb gibt es einen Vertrag, bei dem man diese Frage einfach vertagt: Der Geldgeber überweist jetzt eine Summe und bekommt dafür später Firmenanteile, wenn der Wert der Firma bei einer richtigen Finanzierungsrunde offiziell festgelegt wird. Dieser Vertrag heißt SAFE, kurz für « Simple Agreement for Future Equity », also etwa « einfache Vereinbarung über künftige Anteile ». Ein Uncapped SAFE ist die Variante ohne Obergrenze: Es wird kein Höchstwert vereinbart, zu dem der Geldgeber später umgerechnet wird.
Wer bei fehlender Obergrenze das Nachsehen hat
Die Obergrenze, im Englischen « Valuation Cap », ist der eigentliche Streitpunkt bei solchen Verträgen. Mit Cap gilt: Egal wie wertvoll die Firma später eingeschätzt wird, der frühe Geldgeber wird höchstens zu diesem vereinbarten Wert umgerechnet. Steigt die Firma stark, bekommt er dadurch deutlich mehr Anteile für sein Geld. Genau das ist seine Belohnung dafür, dass er früh und ohne Sicherheiten eingestiegen ist.
Fällt der Cap weg, verschwindet diese Belohnung weitgehend. Der Geldgeber wird dann zu dem Wert umgerechnet, der später ausgehandelt wird – vielleicht mit einem kleinen Rabatt. Ein Beispiel: Jemand gibt 100.000 Euro, ein Jahr später wird die Firma mit 50 Millionen Euro bewertet. Ohne Obergrenze bekommt er Anteile im Gegenwert von rund 0,2 Prozent. Mit einem Cap von 5 Millionen wären es das Zehnfache gewesen.
Für Gründer ist ein Uncapped SAFE deshalb der bestmögliche Deal. Sie geben kaum Anteile ab und drücken sich um die unangenehme Wertfrage. Durchsetzen können sie das aber nur, wenn viele Investoren um sie konkurrieren. In der Praxis sieht man diese Verträge fast nur bei sehr gefragten Teams, etwa bei bekannten Gründern oder in Hype-Phasen wie zuletzt rund um KI-Startups.
Was beim Umwandeln in Anteile passiert
Ein SAFE ist kein Kredit. Es gibt keine Zinsen, keinen Rückzahltermin und keine Verpflichtung, das Geld je zurückzugeben. Der Vertrag ist ein Gutschein auf Anteile, der irgendwann eingelöst wird. Der Auslöser ist meist die nächste größere Finanzierungsrunde, bei der professionelle Investoren einen Preis pro Anteil festlegen.
In diesem Moment wird der SAFE umgerechnet. Der eingezahlte Betrag wird durch den Preis pro Anteil geteilt, und der Geldgeber erhält die entsprechende Zahl an Anteilen. Bei einem Uncapped SAFE gibt es dabei nur einen möglichen Vorteil: den Discount, also einen Rabatt von typischerweise 10 bis 25 Prozent auf den Preis der neuen Investoren. Manche Uncapped SAFEs haben nicht einmal diesen Rabatt. Dann ist der frühe Geldgeber wirtschaftlich fast so gestellt, als wäre er erst später eingestiegen.
Wichtig ist auch, was passiert, wenn nie eine Finanzierungsrunde kommt. Wird die Firma verkauft, bekommt der SAFE-Inhaber meist sein Geld zurück oder wahlweise Anteile. Geht die Firma pleite, ist das Geld in der Regel weg. Ein Kreditgeber stünde in diesem Fall besser da, weil Schulden vor Anteilseignern bedient werden.
Startup-Meldungen richtig lesen
Der SAFE stammt vom US-Startup-Programm Y Combinator, das ihn 2013 als Standardvertrag veröffentlicht hat. Die erste Version war uncapped. Sie wurde schnell unbeliebt, weil Investoren merkten, dass ihr frühes Risiko nicht belohnt wird. Heute ist die Version mit Cap der Normalfall, und uncapped gilt als Ausnahme für besonders begehrte Firmen.
In Nachrichten über Startups tauchen SAFEs oft versteckt auf. Wenn von einer « Pre-Seed-Runde über 2 Millionen » die Rede ist, steckt dahinter häufig kein Anteilsverkauf, sondern ein Stapel solcher Verträge. Die Formulierung « ohne Bewertung » oder « Bewertung noch offen » ist ein deutlicher Hinweis darauf. Für Leser lohnt die Frage, ob ein Cap vereinbart wurde – daran erkennt man, wer in der Verhandlung am längeren Hebel saß.
In Deutschland ist der SAFE seltener, weil hier Anteilsübertragungen notariell beurkundet werden müssen. Verbreiteter ist das Wandeldarlehen, das ähnlich funktioniert, rechtlich aber ein Kredit ist. Auch dort gibt es Varianten mit und ohne Obergrenze, sodass sich dieselbe Grundfrage stellt.