
RSPO
RSPO ist ein internationaler Zusammenschluss von Unternehmen und Umweltverbänden, der Regeln für den Anbau von Palmöl festlegt und die Einhaltung dieser Regeln überprüfen lässt. Produkte mit dem RSPO-Siegel enthalten Palmöl, das nach diesen Regeln erzeugt wurde.
RSPO steht für « Roundtable on Sustainable Palm Oil », auf Deutsch etwa « Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl ». Es handelt sich um eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Malaysia, gegründet im Jahr 2004. An ihr beteiligen sich Plantagenbesitzer, Händler, Lebensmittelkonzerne, Banken und Umweltverbände. Gemeinsam haben sie einen Regelkatalog beschlossen, der festlegt, wie Palmöl angebaut werden soll. Wer sich daran hält und das von unabhängigen Prüfern bestätigen lässt, darf sein Öl als zertifiziert verkaufen. Zertifiziert heißt: Eine unabhängige Stelle hat kontrolliert und schriftlich bestätigt, dass die Regeln eingehalten wurden.
Palmöl, Regenwald und der Druck auf Konzerne
Palmöl ist das meistproduzierte Pflanzenöl der Welt. Es steckt in Margarine, Schokolade, Fertigsuppen, Seife, Kosmetik und in Biodiesel. Der Grund ist einfach: Die Ölpalme liefert pro Hektar deutlich mehr Öl als Raps oder Soja. Rund 85 Prozent der Weltproduktion stammen aus Indonesien und Malaysia.
Genau dort liegen aber auch große Regenwälder und Torfmoore. Für neue Plantagen wurden über Jahrzehnte Wälder gerodet und Moore trockengelegt. Dabei entweicht sehr viel Kohlendioxid, und Arten wie der Orang-Utan verlieren ihren Lebensraum. Hinzu kommen Konflikte um Landrechte und schlechte Arbeitsbedingungen auf manchen Plantagen.
Der RSPO entstand als Reaktion auf diesen Druck. Große Marken wollten weiter Palmöl nutzen, ohne von Umweltkampagnen angegriffen zu werden. Für Anleger und Journalisten ist die Zertifizierung deshalb auch eine Kennzahl: Sie zeigt, wie ernst ein Konzern seine eigenen Nachhaltigkeitsversprechen nimmt. Umgekehrt kann ein verlorenes RSPO-Zertifikat den Ruf eines Unternehmens beschädigen.
Von der Plantage bis zum Siegel auf der Packung
Der Regelkatalog des RSPO umfasst mehrere Dutzend Kriterien. Kernpunkte sind: kein Roden von Wäldern mit hohem Naturwert, kein Anbau auf Torfböden, kein Abbrennen von Flächen, keine Kinder- oder Zwangsarbeit und eine Beteiligung der lokalen Bevölkerung bei Landfragen. Unabhängige Prüffirmen besuchen die Plantagen und Mühlen und schreiben Berichte. Nur bei bestandener Prüfung gibt es das Zertifikat, das regelmäßig erneuert werden muss.
Danach beginnt das eigentliche Problem: die Lieferkette. Palmöl aus vielen Plantagen wird in Tanks, Schiffen und Raffinerien vermischt. Zertifiziertes und nicht zertifiziertes Öl lassen sich später chemisch nicht mehr unterscheiden. Der RSPO arbeitet deshalb mit vier Modellen, die unterschiedlich streng sind.
Beim strengsten Modell bleibt das Öl einer Plantage vollständig getrennt. Beim schwächsten Modell, « Book and Claim », kauft ein Unternehmen nur Zertifikate von zertifizierten Bauern, das gelieferte Öl selbst kann aus beliebiger Quelle stammen. Man kann sich das wie einen Gutschein vorstellen: Der Bauer bekommt Geld für sein besseres Verhalten, aber sein Öl landet nicht zwingend in genau diesem Produkt. Kritiker halten das für zu lasch, Befürworter sehen darin einen realistischen Einstieg für kleine Betriebe.
Das Siegel im Supermarkt und in Unternehmensberichten
Am sichtbarsten ist RSPO als grünes Siegel mit stilisierter Ölpalme auf Verpackungen. Es findet sich auf Schokoriegeln, Keksen, Waschmitteln und Kosmetik. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Palmöls ist heute RSPO-zertifiziert. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich trotzdem, denn Palmöl versteckt sich auch hinter Begriffen wie Palmitat oder Palmkernöl.
In den Nachhaltigkeitsberichten großer Konzerne taucht der Anteil zertifizierten Palmöls als feste Kennzahl auf. Nachhaltigkeitsbericht meint hier den jährlichen Bericht, in dem ein Unternehmen über Umwelt- und Sozialthemen Rechenschaft ablegt. Fondsanbieter und Ratingagenturen nutzen solche Zahlen, um Firmen zu bewerten. Auch die EU spielt eine Rolle: Ihre Verordnung gegen Entwaldung verlangt seit Kurzem Nachweise über die Herkunft von Palmöl. Ein RSPO-Zertifikat allein genügt dafür rechtlich nicht, hilft Unternehmen aber beim Aufbau der nötigen Nachweise.
Ein häufiger Irrtum ist, RSPO-Palmöl sei garantiert ohne jede Rodung entstanden. Das stimmt so nicht. Umweltorganisationen dokumentieren immer wieder Verstöße bei Mitgliedern, und das schwächste Handelsmodell sagt über die konkrete Ware wenig aus. Der RSPO ist ein Mindeststandard mit Kontrollmechanismus, keine Garantie.