F-Aktie

F-Aktie

Eine F-Aktie ist eine spezielle Aktienklasse, die Gründerinnen und Gründern eines Unternehmens deutlich mehr Stimmrechte einräumt als normalen Aktionären – oft zehn oder sogar hundert Stimmen pro Aktie statt einer. So behalten Gründer die Kontrolle über ihr Unternehmen, auch wenn sie beim Börsengang einen Großteil ihrer Anteile verkaufen.

Wer eine Aktie kauft, erwirbt damit zwei Dinge: einen Anteil am Unternehmen und das Recht, bei Hauptversammlungen mitzustimmen. Normalerweise gilt: eine Aktie, eine Stimme. Eine F-Aktie bricht diese Regel bewusst. Sie sieht aus wie eine gewöhnliche Aktie, bringt aber ein Vielfaches an Stimmrecht — zehn, zwanzig oder sogar hundert Stimmen pro Anteil sind möglich. Diese Sonderklasse wird fast ausschließlich an Gründerinnen und Gründer ausgegeben, deshalb der Name: das « F » steht für « Founder », also Gründer. Der Rest der Anleger kauft dann sogenannte A-Aktien mit dem normalen Stimmrecht. Auf diese Weise können Gründer beim Börsengang viele Anteile verkaufen und trotzdem das letzte Wort im Unternehmen behalten.

Warum Gründer auf diesem Konstrukt bestehen

Ein Börsengang bringt frisches Kapital, aber auch neue Miteigentümer. Institutionelle Investoren — also Fonds oder Versicherungen, die riesige Aktienpakete halten — können im Zweifelsfall genug Stimmen sammeln, um das Management auszutauschen. Für Gründer, die ihr Unternehmen langfristig nach eigener Vision führen wollen, ist das ein ernstes Risiko.

Mit F-Aktien lässt sich dieses Risiko ausschalten. Ein Gründer, der noch zehn Prozent aller Aktien hält, aber jede mit zehnfachem Stimmrecht, kontrolliert faktisch die Mehrheit der Stimmen. Er kann Übernahmen abwehren, Strategiewechsel blockieren und Führungsentscheidungen allein treffen. Kritiker nennen das eine Entmachtung der übrigen Aktionäre. Befürworter argumentieren, dass viele erfolgreiche Technologieunternehmen genau deshalb so konsequent langfristig denken konnten — weil kein Quartalsdruck von außen die Strategie bestimmte.

Wie das Stimmrechtsgefälle technisch entsteht

Beim Börsengang legt ein Unternehmen in seiner Satzung mehrere Aktienklassen fest. Klasse A geht an die breite Öffentlichkeit, Klasse B — die eigentlichen F-Aktien — bleibt bei den Gründern. Beide Klassen repräsentieren denselben wirtschaftlichen Anteil am Gewinn und am Unternehmenswert. Der Unterschied liegt ausschließlich beim Stimmrecht.

Manche Satzungen sehen eine automatische Umwandlung vor: Sobald ein Gründer seine F-Aktien verkauft, werden sie zu normalen A-Aktien. Damit soll verhindert werden, dass das Sonderstimmrecht auf externe Käufer übergeht, die nichts mit der Gründung zu tun haben. Es gibt aber auch Konstrukte, bei denen das Stimmrecht vererbt oder übertragen werden kann — was die Kritik an fehlender Kontrolle noch verstärkt.

Ein wichtiger Unterschied zu Vorzugsaktien: Vorzugsaktien haben oft gar kein Stimmrecht, dafür aber bevorzugte Dividendenansprüche. F-Aktien drehen das Verhältnis um — maximales Stimmrecht, kein wirtschaftlicher Bonus. Die beiden Konstrukte werden manchmal verwechselt, verfolgen aber entgegengesetzte Ziele.

F-Aktien bei bekannten Tech-Unternehmen

Das bekannteste Beispiel ist Alphabet, die Muttergesellschaft von Google. Larry Page und Sergey Brin haben ihr Unternehmen 2004 mit einem Zwei-Klassen-System an die Börse gebracht. Mark Zuckerberg hat dasselbe Prinzip bei Meta übernommen — seine Aktienklasse gibt ihm rund zehnmal so viel Stimmgewicht wie anderen Aktionären, was ihm eine dauerhaft stabile Mehrheit sichert. Auch Snap ging 2017 mit einer noch extremeren Variante an die Börse: Die öffentlich gehandelten Aktien hatten anfangs überhaupt kein Stimmrecht.

Im deutschsprachigen Raum sind solche Strukturen seltener, weil das deutsche Aktienrecht Mehrstimmrechte lange verboten hatte. Seit einer Gesetzesreform 2023 sind sie in Deutschland unter bestimmten Bedingungen wieder erlaubt — explizit, um Technologie-Startups attraktivere Börsenbedingungen zu bieten und einen Abfluss an US-Börsen zu bremsen. Das Thema taucht deshalb zunehmend in Nachrichten über deutsche Tech-Börsengänge auf.

Für Anleger bedeutet das: Wer Aktien eines solchen Unternehmens kauft, sollte vorher in der Satzung nachschauen, welche Klasse er erwirbt — und wie viel Einfluss er damit wirklich hat. Rendite und Mitsprache sind bei F-Aktien-Strukturen bewusst entkoppelt.

Aktuelle News

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.