800G

800G

800G bezeichnet Netzwerkverbindungen, die 800 Gigabit pro Sekunde übertragen — also rund 800 Milliarden Signalzustände je Sekunde. Solche Leitungen verbinden in Rechenzentren die Computer, die KI-Modelle trainieren.

Daten werden in Bit gemessen, der kleinsten Informationseinheit. Ein Gigabit sind eine Milliarde solcher Einheiten. 800G ist die Kurzform für eine Verbindung, die 800 Gigabit pro Sekunde transportiert. Zum Vergleich: ein guter Heimanschluss schafft vielleicht ein Gigabit pro Sekunde. Eine 800G-Leitung ist also rund achthundertmal schneller. Solche Kabel liegen nicht in Wohnungen, sondern in großen Rechenzentren — den Hallen voller Computer, in denen KI-Dienste laufen.

Warum KI-Rechenzentren an der Leitung hängen

Ein großes KI-Modell wird nicht auf einem Computer trainiert, sondern auf tausenden Grafikchips gleichzeitig. Diese Chips rechnen jeweils an einem Teil der Aufgabe. Nach jedem Rechenschritt müssen sie ihre Zwischenergebnisse austauschen. Erst dann geht es weiter. Ist die Verbindung zu langsam, warten teure Chips untätig auf Daten.

Genau das ist der Grund, warum Netzwerktechnik plötzlich zum Börsenthema geworden ist. Ein moderner KI-Chip kostet zehntausende Euro. Wenn er ein Drittel der Zeit auf Daten wartet, wirft ein Drittel dieser Investition nichts ab. Betreiber sprechen deshalb von der Auslastung als der entscheidenden Kennzahl. Schnellere Leitungen sind billiger als noch mehr Chips.

Ein verbreiteter Irrtum ist, 800G habe etwas mit dem Internetzugang von Nutzern zu tun. Das ist nicht der Fall. Diese Verbindungen sind meist nur wenige Meter bis wenige Kilometer lang und bleiben innerhalb eines Rechenzentrums oder zwischen benachbarten Standorten.

Licht statt Strom im Kabel

Solche Datenmengen lassen sich über Kupferkabel kaum noch über größere Strecken transportieren. Stattdessen nutzt man Glasfaser: dünne Glasfäden, durch die Licht geschickt wird. Ein kleines Bauteil am Ende des Kabels, der sogenannte Transceiver, wandelt elektrische Signale in Lichtblitze um und wieder zurück. Diese Steckmodule sind das eigentliche Produkt, über das in den Nachrichten gesprochen wird.

Die 800 Gigabit entstehen nicht aus einem einzigen Signal. Üblich sind acht parallele Kanäle mit je 100 Gigabit pro Sekunde. Man kann sie sich wie acht Fahrspuren einer Autobahn vorstellen. Die Spuren laufen entweder über getrennte Fasern oder über eine Faser mit Licht in verschiedenen Farben. Am anderen Ende werden die Datenströme wieder zusammengesetzt.

Der Engpass ist dabei weniger die Geschwindigkeit als die Wärme. Jedes dieser Module verbraucht Strom und gibt Abwärme ab, und in einem Schrank stecken dutzende davon. Deshalb arbeitet die Branche an Verfahren, die die Lichtwandlung näher an den Chip holen. Weniger Weg für das elektrische Signal bedeutet weniger Verlustleistung.

800G in Quartalszahlen und Produktankündigungen

Direkt begegnet man 800G im Alltag nicht — man benutzt es unbemerkt mit. Jede Anfrage an einen Chatbot läuft irgendwann über solche Verbindungen. Sichtbar wird der Begriff vor allem in Wirtschaftsmeldungen. Hersteller von Netzwerktechnik und Transceivern nennen in ihren Quartalsberichten regelmäßig, wie viele 800G-Module sie ausgeliefert haben.

Der Begriff ist außerdem ein Zeitstempel. 400G galt vor wenigen Jahren als Spitzentechnik, heute ist 800G der Standard für neue KI-Anlagen, und 1,6T mit 1600 Gigabit pro Sekunde steht bereits in den Fahrplänen der Hersteller. Wer eine Meldung liest, kann an dieser Zahl grob ablesen, wie aktuell eine Anlage ist. Deshalb tauchen die Kürzel häufig in Ankündigungen zu neuen Rechenzentren auf.

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