
Multi-Tenant
Multi-Tenant beschreibt Software, bei der viele Kunden dieselbe Anlage und dieselbe Programmversion gemeinsam nutzen, ihre Daten aber streng getrennt bleiben. Fast alle Onlinedienste und KI-Angebote sind so gebaut, weil es den Betrieb billig und wartbar macht.
Stell dir ein großes Mietshaus vor. Alle Bewohner teilen sich Fundament, Heizung, Treppenhaus und Stromanschluss. Trotzdem hat jeder seine eigene Wohnung mit eigenem Schlüssel, und niemand sieht die Möbel der Nachbarn. Genau so ist Multi-Tenant-Software gebaut: Ein einziges System läuft auf gemeinsamen Rechnern, aber viele verschiedene Kunden nutzen es gleichzeitig, ohne voneinander etwas zu sehen. Jeder dieser Kunden heißt im Fachjargon Tenant, auf Deutsch Mandant. Das Gegenteil wäre ein eigenes Haus für jeden: für jeden Kunden eine eigene Installation auf eigenen Rechnern.
Warum fast jeder Onlinedienst so gebaut ist
Der Hauptgrund ist Geld. Rechner, die einem einzelnen Kunden gehören, stehen die meiste Zeit fast still. Teilen sich hundert Kunden dieselbe Anlage, gleichen sich ihre Lastspitzen aus. Der Anbieter braucht deshalb nur einen Bruchteil der Hardware und kann seinen Dienst für wenige Euro im Monat verkaufen.
Der zweite Grund ist die Wartung. In einem geteilten System gibt es nur eine Programmversion. Ein Sicherheitsupdate wird einmal eingespielt und wirkt sofort für alle. Bei tausend getrennten Installationen müsste ein Team tausendmal dasselbe tun, und einige Kunden würden auf veralteten Versionen hängenbleiben. Das erklärt, warum Onlinedienste neue Funktionen oft über Nacht bekommen, ohne dass jemand etwas herunterladen muss.
Der Preis dafür ist Abhängigkeit. Wenn das geteilte System ausfällt, sind alle Kunden gleichzeitig betroffen. Solche Störungen bei großen Cloudanbietern legen regelmäßig tausende Firmen auf einmal lahm. Außerdem kann ein einzelner Kunde mit extrem vielen Anfragen die anderen ausbremsen. Fachleute nennen das den lauten Nachbarn.
Wie die Trennung zwischen den Mandanten entsteht
Technisch bekommt jeder Datensatz eine Kennung, die den Mandanten angibt. Jede Anfrage an die Datenbank wird automatisch um diese Kennung ergänzt. Fragt ein Nutzer von Firma A seine Rechnungen ab, liefert das System nur Zeilen mit der Kennung von Firma A. Die Daten von Firma B liegen in derselben Tabelle, werden aber nie mitgeliefert.
Es gibt strengere Varianten. Manche Anbieter geben jedem Kunden eine eigene Datenbank, teilen aber die Rechenleistung. Andere trennen nur den Speicher und lassen ein gemeinsames Programm darauf zugreifen. Je strenger die Trennung, desto teurer der Betrieb. Firmen mit sensiblen Daten, etwa Krankenhäuser oder Banken, zahlen oft bewusst mehr für eine stärkere Abschottung.
Der wunde Punkt ist immer ein Programmierfehler in dieser Filterung. Vergisst eine einzige Abfrage die Mandantenkennung, sieht ein Kunde plötzlich fremde Daten. Solche Pannen sind selten, aber sie zählen zu den schwersten Fehlern, die eine Softwarefirma machen kann. Deshalb wird die Trennung in guten Systemen nicht bei jeder Abfrage einzeln programmiert, sondern zentral erzwungen.
Von Google Docs bis zur KI-Schnittstelle
Praktisch jeder Dienst, den man im Browser benutzt, arbeitet so. Google Docs, Spotify, Instagram und die Schulplattform, auf der Noten stehen, laufen für Millionen Nutzer auf denselben Rechnern. Auch Unternehmenssoftware wie Salesforce oder Microsoft 365 funktioniert nach diesem Muster. Das englische Kürzel SaaS, also Software as a Service, meint meistens genau solche geteilten Systeme.
In der KI-Welt begegnet der Begriff besonders oft. Wer über eine Schnittstelle ein Sprachmodell nutzt, teilt sich die teuren Grafikprozessoren mit vielen anderen. Anfragen aus verschiedenen Firmen werden gebündelt und gemeinsam berechnet, was den Preis pro Anfrage drückt. Große Kunden buchen dagegen manchmal dedizierte Kapazität, also fest reservierte Hardware nur für sich.
In Nachrichten taucht Multi-Tenant meist in zwei Zusammenhängen auf. Entweder geht es um Datenschutz und die Frage, ob Firmendaten in einem geteilten System sicher genug liegen. Oder es geht um Ausfälle, bei denen ein Fehler in einer geteilten Anlage viele Unternehmen gleichzeitig trifft. Ein häufiger Irrtum ist übrigens, geteilt bedeute automatisch unsicher. Entscheidend ist nicht die gemeinsame Hardware, sondern wie sauber die Trennung umgesetzt wurde.