
Multi-Tenancy
Multi-Tenancy bedeutet, dass viele Kunden dieselbe Software auf denselben Rechnern benutzen, ihre Daten aber strikt getrennt bleiben. Fast alle Online-Dienste, von Google Docs bis ChatGPT, funktionieren nach diesem Prinzip.
Multi-Tenancy heißt übersetzt etwa „Mehr-Mieter-Betrieb“. Ein Anbieter betreibt eine einzige Software auf seinen Rechnern, und viele Kunden benutzen genau diese eine Software gleichzeitig. Jeder Kunde sieht dabei nur seine eigenen Daten und hält seine eigenen Einstellungen. Technisch teilen sich aber alle dieselben Server und denselben Programmcode. Ein guter Vergleich ist ein Mietshaus: ein Gebäude, eine Heizung, ein Dach, aber abgeschlossene Wohnungen. Das Gegenteil wäre, für jeden Kunden ein eigenes Haus zu bauen — das nennt man Single-Tenancy.
Warum Anbieter alle Kunden in dasselbe Gebäude setzen
Der Hauptgrund ist Geld. Server, Wartung und Updates kosten fast dasselbe, egal ob zehn oder zehntausend Kunden darauf arbeiten. Diese Kosten lassen sich also auf viele Schultern verteilen. Genau deshalb kann ein Anbieter Software für zehn Euro im Monat verkaufen, die früher als Einzelinstallation Tausende gekostet hätte.
Der zweite Grund ist Tempo bei Updates. Der Anbieter spielt eine neue Version einmal ein, und am nächsten Morgen haben alle Kunden sie. Früher musste jede Firma Updates selbst installieren, oft mit Jahren Verzögerung. Deshalb ist Multi-Tenancy die technische Grundlage des Geschäftsmodells SaaS, also Software as a Service: Software wird nicht gekauft, sondern gemietet.
Die Kehrseite ist Abhängigkeit. Fällt das System aus, sind nicht einzelne Kunden betroffen, sondern alle gleichzeitig. Ein Programmierfehler beim Anbieter kann weltweit Firmen lahmlegen. Solche Ausfälle schaffen es regelmäßig in die Wirtschaftsnachrichten.
Wie die Wohnungen voneinander abgetrennt werden
Jeder Kunde bekommt eine eigene Kennung, oft Tenant-ID genannt. Diese Kennung hängt an jedem gespeicherten Datensatz. Fragt die Software Daten aus der Datenbank ab, prüft sie bei jeder einzelnen Anfrage die Kennung mit. So landen fremde Daten nie in der falschen Anzeige.
Es gibt dabei unterschiedlich strenge Bauweisen. Manchmal liegen alle Kunden in denselben Tabellen und werden nur über die Kennung getrennt. Manchmal bekommt jeder Kunde eine eigene Datenbank, während der Programmcode weiterhin gemeinsam läuft. Je stärker die Trennung, desto sicherer, aber auch desto teurer im Betrieb.
Ein zweites Problem heißt „lauter Nachbar“: Ein Kunde startet eine riesige Auswertung und bremst dadurch alle anderen aus. Dagegen setzen Anbieter Obergrenzen, etwa eine maximale Zahl von Anfragen pro Minute. Solche Grenzen kennt man aus Preislisten als „Rate Limits“ oder Kontingente.
Multi-Tenancy bei KI-Diensten und in der Cloud
Jeder große Online-Dienst arbeitet so. Wenn du dich bei einem Streamingdienst, einem Schul-Lernportal oder einem Cloud-Speicher anmeldest, bist du ein Mieter unter Millionen. Auch die Cloud-Angebote von Amazon, Microsoft und Google beruhen darauf, dass viele Kunden dieselbe Hardware nutzen.
Bei KI ist das besonders auffällig. Große Sprachmodelle laufen auf sehr teuren Grafikkarten, die selten stillstehen dürfen. Deshalb werden die Anfragen vieler Nutzer gebündelt und gemeinsam durch dasselbe Modell geschickt. Nur so sind niedrige Preise pro Anfrage überhaupt möglich.
Genau hier entstehen aber auch Diskussionen um Datenschutz. Firmen fragen sich, ob ihre vertraulichen Texte auf fremden Servern neben denen der Konkurrenz liegen dürfen. Manche Anbieter verkaufen deshalb teurere Varianten mit reservierter Hardware, oft „dedicated“ oder „private“ genannt. Ein häufiger Irrtum ist übrigens, gemeinsame Server bedeuteten automatisch, dass das Modell mit den eigenen Daten weitertrainiert. Beides hat nichts miteinander zu tun und wird vertraglich getrennt geregelt.